Zu etabliert, um cool zu sein? Frankfurt und seine Subkultur

Ob afip!, Hafen 2, Hassia Fabrik, Heyne Kunst Fabrik, HfG, Kommune 2010, Multiversum, Robert Johnson, Waggon am Kulturgleis oder Zollamt Studios: in Offenbach geht was. Und in Frankfurt? Kein Haus für Project Shelter, IvI geräumt, Frida geschlossen, der Kaiser Passage in die Parade gefahren, dem Yok Yok und STOFFEL- Festival Lärmauflagen erteilt, aber für das Saufgelage der Hipster und Schnösel am Friedberger Markt in Runder Tisch, Putztrupps und Klohäuschen investieren. Andererseits, vielleicht bekommen die Bürger der Stadt auch einfach nur das, was sie verdienen: zu Café- Häuschen umfunktionierte Wasserhäuschen, Pastrami aus New York so abfeiern, als hätte die Eintracht mal wieder einen Titel geholt und wenn demnächst Bareburger aus New York in Sachsenhausen einen Laden eröffnet, werden Burgerläden bestimmt ganz schnell nicht mehr in einem Atemzug mit Bubbletea-, Frozen Yogurt- und Donutläden genannt.

Und sonst so? Craftbeer, Streetfood, Hinterhof- Märkte, Abend-Events von MMK, Schirn und Städel, ausgehen und rumstehen, fressen und saufen, sich von Neueröffnung zu Neueröffnung hangeln, Bussi-Bussi hier, Chichi dort, mehr ist nicht drin in der Stadt, zumindest wenn man sich an den reichweitenstarken Print- und Online- Publikationseinheitsbrei Frankfurts orientiert. Wer oder was ruft da nach Subkultur, und was soll das eigentlich sein, etwa geförderte Räumlichkeiten für Künstler? Wohl kaum, hier steht oftmals die Aufwertung von Gebäude oder Gegend im Mittelpunkt, und neuerdings auch das Image der Stadt, weil das Kreativpotenzial in Berlin, oder um in der Region zu bleiben, in Offenbach besser abgeschöpft wird. Dazu fällt mir folgendes Zitat ein:

„Was in Offenbach sehr gut geht […] die Leute die was zu sagen haben kennen sich. Ich hab‘ da ein Kreativrat gegründet mit dem Bürgermeister, da sitzen alle Entscheidungsträger an einem Tisch […] was normalerweise in Frankfurt eineinhalb Jahre dauert, dauert in Offenbach drei Monate.“ (Prof. Heiner Blum, 2015)

Frankfurt ist in die Jahre gekommen. Während in Berlin Techno weiterhin eine lebhafte Bewegung ist, wird demnächst in Frankfurt die elektronische Musik als dauerhafte Einrichtung in einem Museum eingemottet, lokale Protestbewegungen leben primär von den Meriten längst vergangener Zeiten und bringen noch genug, aber eigentlich kaum noch Nennenswertes auf die Straßen und ab 22 Uhr übernehmen die Ruhe-Terroristen Frankfurts das Ruder. Was ist eigentlich aus den Nachttanzdemos geworden? Was kann (und will) Frankfurt überhaupt außer Hochkultur? Museumsufer hin oder her, wäre das Städel im vergangenem Jahr nicht so abgegangen, hätten die Zahlen für Freizeit- und Kulturangebote in Frankfurt noch schlechter ausgesehen, und all diese amtlichen Feste á la Museumsuferfest und die meisten Stadtteil- und Straßenfeste langweilen spätestens wenn man sie ein drittes Mal besucht hat, originelle Konzepte finden höchstens als kurze Zwischennutzung statt, mehr Spielraum bietet die Gentrifizierung in Frankfurt vielleicht auch gar nicht mehr.

Wie es um die Subkultur Frankfurts steht, wird im Rahmen der Frankfurter Bürger-Universität am Montagabend bei der Podiumsdiskussion „Zu etabliert, um cool zu sein?“ im Haus am Dom diskutiert. Angekündigt sind Carolina Romahn (Leiterin des Kulturamtes Frankfurt), Hans Romanov (Frankfurter Klub- und Partymacher) und Klaus Walter (Radiomoderator, DJ und Journalist). Die Moderation übernimmt Christoph Scheffer von hr-iNFO. Los geht’s um 19:30 Uhr, der Eintritt ist kostenlos. Nach der Diskussion im Haus am Dom geht es weiter mit einer kleinen „Bürgeruni-After-Show-Party“ im Zouzou .

14 Kommentare zu “Zu etabliert, um cool zu sein? Frankfurt und seine Subkultur

  1. Klasse Blog-Beitrag!
    Wo bleibt der Stream bei diesen Veranstaltungen, frage ich mich…. :(

  2. Die Aufzeichnung gibt es ab Di. Auf der Internetseite der Bürger-uni.

    • Danke, bin drauf gespannt, kann heute Abend leider nicht kommen, anderen Termin zur gleichen Zeit.

  3. Sehr einseitige Sichtweise. Die Fülle der unterschiedlichen Galerien bleibt weshalb unerwähnt? Subkultur findet dort nicht statt? Kulturraum ist, was Kunst zeigt.

    • stadtkindFFM

      Aufgrund der Tatsache, dass man in Frankfurt gerne den Vergleich zu größeren Städten bemüht, finde ich es eigentlich ganz spannend zu sehen, was bereits die bei vielen Frankfurtern verpönte Nachbarstadt, mit 6x weniger Menschen und 6x weniger Fläche, hinbekommt und kürzlich auch in der Studie ULI Advisory Sevics Panel Report – Frankfurt am Main und Offenbach am Main – EIN Stadtraum ohne Grenzen gegenübergestellt wurde. Das heißt ja nicht, dass in Frankfurt generell nichts geht (Graffiti, Fußballfanszene…), aber durchaus dass da wohl noch Luft nach oben besteht, immerhin ist es heute der Bürger-Uni, und vor einigen Monaten dem Forum Zukunft Frankfurt (Junge Kunst und Freie Szene – Künstler/ Szenen/ Perspektiven), eine Podiumsdiskussion wert.

  4. ruhe-terroristen, haha!

  5. Wasserhäuschen-Fan

    Oha, da mag einer keinen guten Kaffee am Wasserhäuschen ;-) … mag sein dass das in der Eschenheimer Anlage nur noch hippes Café und Schnösel-Treff ist, das „Gudes“ z.B. ist immer noch ein bodenständiges (vor allem preislich) Wasserhäuschen. Zwar mit fetter Kaffeemaschine aber ohne Pastrami… etwas chaotisch dafür aber mit allen möglichen Guerilla-Events, Jamsessions, Streetart-Zeugs etc… also eigentlich Subkultur in Reinform.

    • stadtkindFFM

      Die umfunktionierten Wasserhäuschen mag ich beide, wenn das aber Schule machen sollte und noch mehr „klassische“ Wasserhäuschen, Trinkhallen und Kiosks diesen Weg einschlagen, würde ich mich fragen, wo denn noch Platz wäre für deren „klassisches“ Publikum, denn große Überschneidungen bei den Besuchern konnte ich bisher nicht feststellen – und ich war bei beiden auch schon vor deren Modernisierung ein Bierchen kaufen, weil ich da regelmäßig vorbeikam – und damit meine ich nicht Schnösel und Hipster, da bezog ich mich auf den Friedberger Markt.

  6. Tja, Stadtkind, das zeigt mal wieder – Erika W. legt Dir das diskursethisch einwandfrei und unwiderlegbar („Kulturraum ist, was Kunst zeigt“) dar – , daß Du scheinbar keine Ahnung von Deiner Stadt hast. Kommst vielleicht zu wenig rum…

    Und dann auch noch polemisch über die kultursoziologisch-revolutionären, in dieser Form unerreichten Innovationen schwarz-grüner Menschheitsbeglücker herzuziehen ist jetzt aber wirklich unterste Schublade.

    Ohne verspießertes Stoffel, verpißte Grünflächen, und in den Rang von Weltkulturerbe ge-hobene Büdchenbesäufnisse fielen bei der Restveranstaltung dessen, was mal die FR war, jährlich Hunderte von luftigen Artikeln und Klickstrecken weg

    Erst wenn das letzte Smoothie gegessen ist, werdet ihr merken, daß man Veggieburger nicht trinken kann.

    • Tja, Theo, um Kunst geht es hier leider nicht, sondern um Subkultur. In dem kleinen und feinen Galerien wird Kunst verkauft, die vielleicht ihre Wurzeln in irgendeiner Subkultur hat, selbst aber keine ist.

  7. FFM darf nicht München werden

    Leider ist es im Moment auch all zu trendy alles schlecht zu reden und als nicht „cool“ genug abzustempeln.

    Ich finde es leider sehr schade, dass sich die kreativen Mensche zwar die Mühe machen immer diese „hippen“ Artikel zu schreiben aber niemand sich die Mühe macht für tolle Veranstaltungen zu werben.

    Es gibt nämlich in der tat noch einige Locations die empfehlenswert sind. Das Robert Johnson lebt nur noch von seinem Ruf, wärend die Clubs im Gallus den Bach runter gehen wegen zu wenig Presse

    • stadtkindFFM

      Na ja, „zu wenig Presse“ ist meines Erachtens etwas zu einfach, da kann man als Macher, also als Kreativer oder Veranstalter, auch selbst was dafür tun, z.B. Promo, Kontakte, Marketing, egal auf welchen Niveau. Vielerorts wartet man doch den ganzen Tag quasi nur auf Infos, damit was geschrieben werden kann, es müssen ja Pageimpressions oder Verkaufszahlen her, um attraktiv für die Werbekunden zu sein und an solchen Stellen ist man bestimmt dankbar dafür, wenn Infos dazu von alleine eintrudeln (Anruf, E-Mail, …) und man selbst nicht in der Stadt auf Entdeckungsreise gehen muss. Allerdings gibt’s glaub ich auch nicht wenige, die gar nicht so viel Wert darauf legen und denen als Publikum mehr oder weniger ihr eigener Wirkungskreis reicht oder nicht einen Platz in der „Presse“ hinterherlaufen wollen, wo eh immer über die selben Locations und Macker Macher berichtet wird, Stichwort „Ruf“ und viel zu oft Applaus für Scheiße und Durchschnitt spendiert wird.

  8. KULTURHOHLHEIT was brought to you by gregoraigner.com

    • stadtkindFFM

      Cool, Danke für den Hinweis, die Webseite ist ja mal auch sehr interessant, einiges davon kenne ich sogar. [Ich rätsel gerade, warum ich das seinerzeit nicht im Web gefunden habe.]

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