Die große Hitzewelle scheint vorbei, aber das Sommerlochthema lebt weiter. Während Offenbach seinen Problem-Wels hatte, verdankte Frankfurt einigen Figuren in Politik und Lokalredaktionen ein weiteres Mal Diskussionen um ein Wandbild am ehemaligen Polizeigefängnis und Abschiebetrakt Klapperfeld.
Abgesehen davon, dass kürzlich eine Kunstaktion mit einem Einsatzfahrzeug der Polizei beim hiesigen Polizeipräsidenten nicht gut ankam, fühlt sich manch einer offenbar schlichtweg durch die Präsenz eines linken Kulturzentrums in unmittelbarer Nachbarschaft zum Gericht und dem 1. Polizeirevier überfordert und versucht über das „Niemand muss Bulle sein“-Wandbild Stimmung zu machen. An dieser Stelle sei angemerkt, das weder der Song „Wut“, noch die angesprochene Zeile daraus, in irgendeiner Form verboten oder indiziert sind. Des Weiteren sollte man die Geschichte dieses Gebäudes auch nicht ganz außen vor lassen, wenn es um die Bewertung dieses Werks geht – hier geht es nicht um eines von unzähligen, gegen die Polizei gerichteten Akronymen im Frankfurter Stadtgebiet.
Wer das nicht zu unterscheiden weiß und hier in erster Linie Polizeifeindlichkeit erkennen will, gibt leider unfreiwillig ein Beispiel für den neu entfachten Kulturkampf und die Krise des Liberalismus ab. Lange nicht mehr gab es so viele „Kunstkritiker*innen“, gerieten so viele Kunstwerke (im öffentlichen Raum) in die Kritik, siehe hierzu auch ganz aktuell den Vorfall mit der goldenen Erdogan-Statue in Wiesbaden – und es gibt genug weitere Beispiele aus Deutschland, da muss man erst gar keine Geschichten mit Zensur in China oder Kulturzerstörer im Nahen Osten bemühen. Erinnert sich außerdem jemand an so etwas wie Kritik, als das ZDF das vermeintlich böse B-Wort in die Serie „Einmal Bulle, immer Bulle“ einbrachte oder Wolfgang Kienast ein Buch mit dem selben Titel veröffentlichte? Ich auch nicht. Schon sehr seltsam, dass das hier plötzlich stören soll, und das nicht etwa schon vor rund drei Jahren (!), als das Wandbild gemalt wurde. Die ganze Chose führte jedenfalls dazu, dass vor einigen Monaten das Wort „Bulle“ entfernt wurde.

Wie ich am gestrigen Abend gesehen habe, ist aber mittlerweile die Textlücke wieder mit dem Wort „Bulle“ gefüllt worden. Nicht wirklich überraschend, aber irgendwie auch typisch für die Neue Frankfurter Langeweile, dass die Lücke überhaupt so lange bestand und zwischenzeitlich nicht auch mal mit anderen Wörtern, sei es mit Kreide oder einen Zettel, gefüllt wurde. Vor Ort sieht es aktuell nun wie folgt aus:



