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Als ich neulich nachschauen wollte, wann genau im November eigentlich die von mir bereits vor einigen Wochen auf die Schnelle notierte Kinovorstellung „Gaza mon amour“ im Harmonie-Kino gezeigt wird, stellte ich fest, dass der Film von der Website der Arthouse-Kinos (Cinéma, Eldorado und Harmonie) verschwunden war. Um auszuschließen, dass ich die Kinos Harmonie in Sachsenhausen und Mal Seh’n im Nordend verwechselt habe oder die Vorführung doch schon stattgefunden haben könnte, googelte ich danach. Ergebnisse gab es wenige, aber diese zeigten den 27.11.2023, um 18:30 Uhr an. Keine Info dazu aber auf der Website des Kinos, keine Treffer, wenn man nach dem Filmtitel oder nur „Gaza“ suchte.

Eine an die Arthouse Kinos Frankfurt gerichtete Frage via Social Media wurde schnell beantwortet, was ja leider auch immer seltener wird. Alle wollen Follower, Likes und dass ihre Inhalte geteilt werden, aber wenn man mal eine Frage hat: Schweigen. Hier nicht, wenngleich die Antwort etwas wortkarg ausfiel: „… die Veranstaltung haben wir abgesagt …“ hieß es. Kein Grund, keine Infos ob es einen neuen Termin gibt oder einer geplant ist.

Der Verdacht lag nahe, dass es aufgrund des Terrorangriffs der Hamas auf Israel vom 7.10.2023 und den darauffolgenden und noch anhaltenden militärischen Aktionen Israels im Gazastreifen abgesagt wurde, aber um auszuschließen, dass gänzlich andere Gründe als die vermeintlich offensichtlichen eine Rolle spielen, fragte ich per E-Mail beim Kooperationspartner der Vorführung, der Stiftung Ostwestpassagen nach. In der Antwort hieß es, dass man gemeinsam mit dem Team der Arthouse Kinos nach reiflichem Überlegen entschieden habe, „Gaza mon amour“ abzusagen, obwohl man sich sehr auf den Neuanfang der Filmreihe „Filme des Orients“ gefreut hatte. Die Situation in Israel und vor allem auch in Gaza sei schrecklich und so eskaliert, dass man die mit Satire und schwarzem Humor gewürzte Liebesgeschichte als immer unpassender – ja eigentlich unzumutbar – befunden habe.

Ich hingegen finde, eine solche Komödie, zudem von zwei gegenüber der Administration der Hamas in Gaza kritisch eingestellten, jungen, palästinensischen Regisseure aus dem Exil heraus erzählt, hätte gezeigt werden sollen, auch oder sogar gerade aufgrund der aktuellen Situation, zumal in Deutschland, nicht nur zur Zeit, Wörter wie „Gaza“ und „Gazastreifen“ doch meistens nur im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt thematisiert werden. Außerdem hätte man die Absage auch mal an das Kinopublikum adressieren können, anstatt es (wie bisher) einfach nur aus dem Programm zu nehmen.

Nachgefragt hatte ich, weil in Frankfurt erst kürzlich auf der Buchmesse die Verleihung des „LiBeraturpreises“ 2023 an die palästinensische Autorin Adania Shibli abgesagt wurde. Zu lesen war in diesem Zusammenhang, dass Angesichts des Terrors gegen Israel der Verein Litprom nach einem geeigneten Rahmen der Veranstaltung zu einem Zeitpunkt nach der Buchmesse suchen würde. Die Jüdischen Kulturwochen in Frankfurt (22.10.-7.11.2023) fanden dagegen statt. Zwei Wochen lang Kulturprogramm, inkl. Stand up Comedy – und das alles, trotz der aktuellen Ereignisse in Israel und dem Gazastreifen. Und das ist gut so. Und genauso hätte meiner Meinung nach auch einfach mal an einem Abend der Film wie geplant gezeigt werden sollen, allenfalls hätte man das Programm kurzfristig um einen Talk o. ä. erweitern können, aber ich kann gerade generell wenig anfangen mit all diesen Absagen, Boykotten und Verschiebungen im Kunst- und Kulturbetrieb weltweit, die nur indirekt in einem Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt stehen. Die Reihe „Filme des Orients“ soll nun wohl im Januar 2024 starten. Mal sehen, wie bis dahin die Lage ist.

Gaza Mon Amour – Official US Trailer

GAZA MON AMOUR Trailer German Deutsch (2021)

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