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Ein Plakat soll zwar immer die Aufmerksamkeit (der Zielgruppe) auf sich ziehen, aber damit alleine ist es nicht getan. In den nächsten Schritten geht es nämlich auch darum, Interesse am Inhalt (Produkt, Dienst, Veranstaltung …) zu wecken, den Wunsch entstehen zu lassen, das Beworbene zu besitzen, in Anspruch nehmen, zu besuchen etc. und zuletzt eine entsprechende Handlung, bestenfalls einen Kaufabschluss auszulösen oder wo das nicht direkt möglich ist, z. B. auch einen QR-Code zu scannen. Plakate erzeugen in der Regel schon Aufmerksamkeit durch ihre Größe und oftmals auch allein schon durch ihren Standort, denn was nützt schon ein optimal gestaltetes Plakat, wenn der Ort nicht stark frequentiert ist?

In Erinnerung geblieben ist mir in den vergangenen Monaten eine Plakatserie des Mousonturms, wo, neben kurzen Infos zum Absender, Monat für Monat einfach nur ein Objekt auf einen einfarbigen Hintergrund platziert wurde. Nur selten befand sich es daneben noch ein weiteres Plakat, auf dem auch die anstehenden Veranstaltungen beworben wurden. Interessant, kurios und ungewöhnlich zugleich. Vermutlich können Institutionen, die von Stadt, Land oder Bund finanziell gefördert werden, experimentierfreudiger agieren, ein*e Besucher*in mehr oder weniger fällt für ein Haus, das Teil der Kulturlandschaft ist, sicher weniger ins Gewicht. Was es mit den Objekten auf sich hat, hat sich mir, auch nach Überfliegen des jeweiligen Monatsprogramms allerdings nicht erschlossen, aber mir gefiel, wie sich die Plakate deutlich vom Rest der Plakate an Litfasssäulen und Plakatwänden abgehoben haben. Hier war offensichtlich jemand am Werk, der nicht nur ein für sich alleinstehendes Plakat sehenswert gestaltet hat, sondern dessen Wirkung in einer Umgebung mit anderen Plakaten berücksichtigt hat.

Plakatdesign in Frankfurt - Mousonturm

Plakatdesign in Frankfurt – Mousonturm

Plakatdesign in Frankfurt - Mousonturm

Plakatdesign in Frankfurt – Mousonturm

Beim Mousonturm kann man aber auch anders:

Plakatdesign in Frankfurt - Mousonturm

Plakatdesign in Frankfurt – Mousonturm

Ebenfalls zwei Motivvarianten nutze das Weltkulturen Museum um seine Ausstellung „Grüner Himmel, Blaues Gras“ zu bewerben. Wenig überraschend berücksichtigt die Gestaltung der beiden Plakate die im Titel der Ausstellung benannten Farben. Dagegen überraschend: Bei einem Motiv steht der Titel der Veranstaltung auf dem Kopf. Finde ich gut, erweckt im ersten Moment den Eindruck, jemand könnte das Plakat verkehrt angebracht haben. Ohne (für mich) erkennbaren Sinn wurde bei einzelnen Buchstaben eine andere Schriftart verwendet. Wenn vereinzelte Buchstaben in Wörtern anders ausgezeichnet werden (andere Schriftart, anderer Schnitt, andere Farbe etc.) dann neigt man dazu, darin etwas erkennen zu wollen. Aktuelles Beispiel: Das „EUROPAPOKALSIEGER“-T-Shirt, das mit den hervorgehobenen Buchstaben die „SGE“, die Sportgemeinde Eintracht benennt. Muss man nicht wahnsinnig kreativ finden, aber funktioniert. Vielleicht wollte man drei gleiche „E“ direkt untereinander darstellen, weil es dann einen unschönen Hingucker ergeben hätte und hat dann einfach noch zwei, drei weitere Buchtaben verändert?

Plakatdesign in Frankfurt - Weltkulturen Museum

Plakatdesign in Frankfurt – Weltkulturen Museum

Auch beim Plakat für die erste Ausstellung im MOMEM gibt es eine Spalte, in der die Buchstaben anders als der Rest, in schwarz statt türkis, dargestellt sind, ohne das es inhaltlich einen Sinn ergibt. Ich mag zwar die typografische Gestaltung des Plakates und den Verlauf von türkis zu schwarz, wunderte mich aber, dass man bei einer personenbezogene Ausstellung nicht (auch) diese Person auf den Plakaten zeigt, besonders in der Konstellation Sven Väth und Frankfurt – eigentlich ein Selbstläufer …?

Plakatdesign in Frankfurt - Sven-Väth-Ausstellung im MOMEM

Plakatdesign in Frankfurt – MOMEM

Der Vorteil eines Plakates liegt eigentlich darin, dass es von weitem gut zu sehen ist und Informationen, z. B. Texte gut erkenn- und lesbar sind. Bei der Schrift der HfMDK steht allerdings Extravaganz über Lesbarkeit. Wie bereits anhand des Mousonturms ausgeführt, können sich das manche Institutionen – die HfMDK ist eine staatliche Einrichtung – (eher) erlauben, wer aber ein Event zu bewerben hat und darauf angewiesen ist, möglichst viele Gäste für die Veranstaltung zu gewinnen, würde vermutlich nicht auf eine Schrift setzen, die aus Entfernung mehr schlecht als recht lesbar ist und auch aus der Nähe nicht wirklich Spaß macht. Die rote Hand auf einem Plakate erinnert mich übrigens an das „Reingeguckt!“-Spiel und ähnelt zudem einer Geste, die andernorts als beleidigend interpretiert wird.

Plakatdesign in Frankfurt - HfMDK

Plakatdesign in Frankfurt – HfMDK

Hier nun drei Gestaltungen, in denen das Material des Mediums Plakat in die Gestaltung einbezogen wurde. Beim 11. Literaturfestivals Frankfurt Rhein Main wurde das Plakat so gestaltet, dass es an einer Stelle aufgerissen aussieht, so dass das in schwarz geschriebene Wort Risse einem darunter auftauchenden, rötlichen „Risse“ weicht. Hm.

Plakatdesign in Frankfurt - Literaturfestival Frankfurt Rhein Main

Plakatdesign in Frankfurt – Literaturfestival Frankfurt Rhein-Main

Gelungener finde ich dagegen die Varianten der Bildungsstätte Anne Frank, die – bewusst oder auch nicht – den Stil der Künstlerin Barbara „Supreme“ Kruger zitieren. In Zeiten, in denen viele besonders laute Alternative-Fakten- und Fake-News-Menschen ihre Dummheit öffentlichkeitswirksam in Sozialen Netzwerken und Demos und Spaziergängen zur Schau tragen, widmet sich die Bildungsstätte Anne Frank dem Thema Verschwörungsideologien und Fakten, u. a. mit einem Riss in der Mitte des einen Plakates und einem Eselsohr unten rechts, das den Namen der Veranstalterin preisgibt.

Plakatdesign in Frankfurt - Bildungsstätte Anne Frank

Plakatdesign in Frankfurt – Bildungsstätte Anne Frank

Was auf den Plakaten von Lichter Filmfest und Tanzhaus West zu sehen ist, sieht man recht oft auf Instagram: Farbverläufe nicht mehr (nur) als Hintergrund, sondern in Formen und 3D-Objekten gepackt und …

Plakatdesign in Frankfurt - Lichter Filmfest

Plakatdesign in Frankfurt – Lichter Filmfest

… Texte werden an den Rändern platziert und etwas, das per Hand gestaltetet wurde oder danach aussieht, füllt die freie Fläche.

Plakatdesign in Frankfurt - Tanzhaus West

Plakatdesign in Frankfurt – Tanzhaus West – Tanz in den Main

Es ist 2022 und irgendwas mit Berlin is still a thing? Berlin kann jeder, [Stadt deiner Wahl] ist Kunst, [Stadt deiner Wahl] ist nicht Berlin usw. usf. Dazu sieht auch die Gestaltung – ganz im Gegensatz zur eigentlichen Animation, aus der das hier entnommen ist – ziemlich öde aus. Juckt natürlich nicht die Zielgruppe, aber die trägt ja auch unironisch Shirts mit Dosentomaten als Motiv.

Plakatdesign in Frankfurt - Robert Johnson

Plakatdesign in Frankfurt – Robert Johnson

Ziemlich zeitnah zum Erfolg über den FC Barcelona im Europapokal in der UEFA Europa League begrüßte Eintracht Frankfurt das 100.00 Mitglied. Ob darin auch die Inspiration lag, das bekannte Vereinscredo „Més que un club“ des FC Barcelona zu adaptieren? Ich hatte zuvor schon ein Eintracht-Fan-Aufkleber gesehen, auf dem ebenfalls das FCB-Motto auf die Eintracht umgemünzt worden war, aber von offizieller Seite genutzt ist das mehr als mau – an sich, und noch viel mehr, wenn man sich als etwas Besonderes versteht und sich dementsprechend inszenieren möchte. Und was ist das überhaupt für eine Schrift? Da adaptiert man einfach keinen Kram, mit dem man sofort etwas oder jemand anderen in Verbindung bringt.

Plakatdesign in Frankfurt - Eintracht Frankfurt

Plakatdesign in Frankfurt – Eintracht Frankfurt

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Plakatdesign in Frankfurt – Tanzhaus West

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Plakatdesign in Frankfurt – Basis / Hessisches Atelier Programm

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Plakatdesign in Frankfurt – Ignatz Bubis Gemeindezentrum

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