Seit dem 18. April und noch bis zum 17. Mai 2026 präsentiert der Frankfurter Kunstverein die Ausstellung „Hidden History – Facetten der Subkultur“. Die Schau gewährt exemplarische Einblicke in die Kultur einer für viele verborgenen Öffentlichkeit. Ich habe die Ausstellung besucht, weil ich im Vorfeld online Bilder gesehen hatte, die mich an etwas erinnert haben, das ich Mitte der 1990er Jahre in Bockenheim entdeckt hatte. Was ich eigentlich in einen Text über die gesamte Ausstellung bzw. über einige der dort thematisierten Projekte erwähnen wollte, wurde dann aber länger als gedacht, sodass ich gestern bereits einen eigenen Artikel dazu veröffentlicht habe. Hier nun also ein kurzer Blick auf einige weitere Arbeiten, die in der Ausstellung gezeigt werden.
Im Eingangsbereich des FKV haben Annette Gloser und Silke Thoss eine Installation – eine Aufenthaltslandschaft mit Wohnwagen, Campingmöbeln und Leuchtschildern – geschaffen und erinnern damit an das Projekt „Sierretta Nevada Wanted!“ aus den 1990er Jahren, als sie mit dem Wohnwagen, der zugleich Behausung und Ausstellungsraum war, durch Deutschland fuhren, um an Orten Rast zu machen und dort die Kunstwerke einer fiktiven Künstlerin zu zeigen.

Ebenfalls im Eingangsbereich beginnt die über alle Etagen des Ausstellungshauses verlaufende Tape-Arbeit von Rushy Diamond. Die Ästhetik dieser Arbeit orientiert sich an Leitsystemen und verbindet damit die unterschiedlichen Etagen und Werke in einer Baum- und Motherboard Struktur miteinander. Unter einem ähnlichen Namen, Rushy Rush, realisierte er nur wenige Jahre zuvor, 2022, auf Einladung des Deutschen Architekturmuseums eine großflächige Tape-Arbeit auf der oberen Ebene der Hauptwache. Diese Werk war Teil eines 58.000 Euro (!) teueren Projekts, mit dem eine andere Nutzung diese Areals angeregt werden sollte. Übersetzt heißt das: Diese Fläche wird, wie z. B. auch der Wiesenhüttenplatz, Karlsplatz und Francois-Mitterrand-Platz, von den „falschen“ Leute genutzt und soll mit Food-Events, Pop-up-Bars, Kiosks oder eben auch Kultur- oder Kunst-Aktionen interessant gemacht werden für ein anderes Publikum – oder wie das immer so schön heißt: die„Aufenthaltsqualität“ soll gesteigert werden.
Der große Raum im 1. OG widmet sich dem eingangs erwähnten Heiner Blum. An der Fensterfront des Gebäudes hat er die Tape-Installation „Flying Glass“, eine geometrische Komposition aus Paketklebeband auf den großen Fensterscheiben, angebracht, mit der er ein historisches Phänomen aus der Zeit der beiden Weltkriege zitieren möchte, als Menschen ihre Fenster mit Papierstreifen zum Schutz vorm Zerbersten bei Bombenexplosionen beklebten.

Entlang der Wände sind zahlreiche Fotos mit von ihm realisierten Projekten zu sehen, darunter auch „Labelstore“, das 1997 gemeinsam mit Leonard Kahlcke entstand und sich um eine fiktive Modemarke drehte. Die mittlerweile mehrfach ausgezeichnete Künstlerin Anne Imhof, einst ebenfalls auf der HFG Offenbach, war damals gemeinsam mit anderen Models Markenbotschafterin des Labels.

Im 2. OG wird ein zeitlicher Bogen in die unmittelbare Nachkriegszeit des Steinernen Hauses gespannt und ist dem Kabarett- und Satiretheater Die Schmiere gewidmet. Gründer Rudolf Rolfs betrieb das Theater bewusst ohne institutionelle Förderung, um keiner Zensur zum Opfer zu fallen. In der 1985 erschienenen Chronik des Theaters heißt es: „Wenn es eine ‚Subkultur‘ in der Bundesrepublik gibt, begann sie 1950 mit der Schmiere“. In der Ausstellung werden Flugblätter, Pamphlete und Bücher der Schmiere gezeigt.

Ein als offenes System, das von kollektiver Beteiligung und kontinuierlicher Transformation lebt, haben der Künstler und Aktivist Oguz Sen und die Performerin und Choreografin Honji Wang im 3. OG entwickelt. Über mehrere Wochen entsteht eine großformatige Wandarbeit, die von unterschiedlichen Gruppen – Menschen mit Suchterfahrung, Wohnungslose, Menschen mit Migrationserfahrung sowie Kinder und Jugendliche aus betreuten Kontexten – entwickelt wird. Erweitert wird die Rauminstallation durch Zäune von Mathias Weinfurter, die einzelne Segmente partiell versperren oder rahmen und damit die Bedingungen des Weiterzeichnens verändern.

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