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In München wurde 2021 die von der COFO Exhibitions GmbH & Co. KG veranstaltete Ausstellung „The Mystery Of Banksy – A Genius Mind“ gezeigt. Bis gestern gastierte diese auch in Wien, demnächst ist sie zudem noch in Malmö, Zürich und Göteborg zu sehen. Angekündigt wurden bzw. werden auf der dazugehörigen Website immer noch „Graffitis, Fotografien, Skulpturen, Videoinstallationen und Drucke auf verschiedenen Materialien wie Leinwand, Stoff, Aluminium, Forex und Plexiglas“, die „eigens für diese Sonderschau reproduziert und zusammengetragen“ wurden. Also keine Originale? Die SZ schrieb am 8.6.21 dazu, dass „Fast nichts darin wurde von dem gefeierten Briten geschaffen, sondern alles von anonymen Künstlern reproduziert. Das heißt alles bis auf eine Weinflasche, die der Engländer für ein deutsches Weingut gestaltet und besprayt hat. Und dann so halb noch eine Fußmatte aus einem britischen Pop-Up-Store, die Banksy in Kooperation mit einer Flüchtlingsinitiative kreiert hat. Oder die kleinen Skulpturen, die als Souvenirs aus dem „Walled Off Hotel“ in Palästina stammen, das der Künstler 2017 dort eröffnet hat.“ Weiterhin erfährt man, dass die COFO nur als lokaler Ko-Produzent fungiert, die Schau mit variierten Titeln und Inhalten von einer rumänischen Firma produziert werde.

The Art of Banksy - Ausstellung in FrankfurtAm 21. April startet auch in Frankfurt eine Banksy-Ausstellung. Titel: „The Art of Banksy – Without Limits“, ebenfalls veranstaltet von der COFO Exhibitions GmbH & Co. KG und der Text auf der Website www.theartofbanksy-frankfurt.de liest sich ähnlich, die Rede ist von „… mehr als 160 Werke des Künstlers, darunter Drucke, Fotos, Lithografien, Skulpturen, Wandbilder und Video-Mapping-Installationen, die nur für diese Ausstellung geschaffen wurden. Einige seiner Werke wurden eigens für die Ausstellung sorgfältig mit seiner Schablonentechnik reproduziert“, so dass man wohl mit ähnlich wenigen (oder gar keinen?) Originalen rechnen dürfte. Der Eintrittspreis der Ausstellung, die in einem leerstehenden Kaufhaus auf der Zeil stattfindet, das seit kurzem ähnlich eines Modells in Mainz, nicht nur mit klassischen Verkaufsläden, sondern auch mit Kultur bespielt wird, liegt für Erwachsene bei 18 Euro. Zum Vergleich: Für echte Kunstwerke zahlt man im MMK max. 12,  in der Schirn max. 14 und im Städel max. 16 Euro Eintritt.

Banksy selbst thematisierte derlei Ausstellungen übrigens bereits 2018 auf seiner Website, u. a. ist auch ein Foto zu sehen, das ein Plakat derselben Ausstellung zeigt, die nun in Frankfurt zu sehen sein wird. Banksy teilt auf seiner Website hierzu folgendes mit: „Members of the public should be aware there has been a recent spate of Banksy exhibitions none of which are consensual. They‘ve been organised entirely without the artist’s knowledge or involvement. Please treat them accordingly.“

Auf der Plakatwerbung für die Ausstellung heißt es zwar „Unauthorized Exhibition“, aber das ist ja nicht gleichbedeutend damit, dass (fast) nur Reproduktionen, also keine (oder nur wenige) Originale gezeigt werden, wie es auf der Ausstellungs-Website geschrieben steht, denn dass sich Leute schon originale Banksy-Arbeiten in den Straßen abgegriffen und zu Geld gemacht haben, zeigte bereits die wirklich großartige Doku Saving Banksy. In einem anderen Kontext ist die „Unauthorized“-Vorgehensweise aber eigentlich auch ganz amüsant, denn abgesehen von Auftragsarbeiten und legalen Spots wie eine Hall of Fame ist „unauthorized“ quasi die Grundlade von Urban Art, hier wird also der Spieß einfach mal umgedreht und die sonst nur von Urban-Art-Akteuren ausgehende Methode adaptiert. Und wenn „unauthorized“ Werke von Leuten, die diese selbst „unauthorized“ angebracht haben, irgendwie verwendet und/oder verwertet werden, dann wird in solchen Kreisen geschimpft, was das Zeug hält –  das darf man doch nicht! Genau mein Humor.

Auch wenn man sich „Copyright is for losers“ von Banksy in Erinnerung ruft und nach Angaben der Veranstalterin von bislang „mehr als 1,4 Millionen Besucher in 20 Städten auf 5 Kontinenten“ die Rede ist, finde ich, dass diese Art von Ausstellung dem Künstler nicht gerecht wird. Das zudem so etwas in Frankfurt eine Bühne geboten wird, dazu auch noch als Leerstandbespielungselement mit verhältnismäßig hohen Eintrittspreis, passt in eine Reihe von zuletzt einigen unglücklichen Nachrichten rund um die Kulturlandschaft in Frankfurt, angefangen beim anhaltenden, problematischen Verhältnis von Direktorin und Belegschaft im MMK über die MOMEM-Neueröffnung und der kürzlich verlegten MOMEM-Party, weil man sich vom Tanzverbot überrascht gezeigt hat sowie den Lärmschutzauflagen, die den geplanten Love Family Park in Frankfurt zu Schaffen machen bis hin zum Ärger bezüglich des Paulskirchenpreises und dem bereits nach Offenbach abgewanderten Japanischen Festival Main Matsuri.

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