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Nachdem in Detroit mit EXHIBIT 3000 bereits 2015 das weltweit erste Museum mit Schwerpunkt auf elektronische Musik eröffnet wurde und Amsterdam 2021 mit dem Our House nachzog, hat in diesem Jahr mit dem MOMEM nun auch in Frankfurt eine thematisch vergleichbare Einrichtung eröffnet. Die erste Ausstellung widmete sich Sven Väth und soll trotz anfänglicher Kritik nach Angaben des MOMEM derart erfolgreich sein, dass die Ausstellung drei Tage vor ihrem eigentlichen Ende am 24. Juli 2022 bis zum 30. Oktober 2022 verlängert wurde. Ich war damals etwas überrascht von dieser Meldung, denn im Gegensatz zu Ausstellungen anderer Häuser in Frankfurt, z. B. MMK, Schirn, Städel oder auch Historisches Museum, bin ich nicht ständig auf User-Fotos und Videoclips in den Sozialen Medien gestoßen, egal ob Postings von Accounts denen man folgt oder beim Durchsuchen entsprechender Hashtags. Natürlich sind MMK, Schirn und Co. andere Kaliber, aber einfach mal so, nur drei Tage vor eigentlichem Ende die Ausstellung verlängern – zeichnet sich ein „Erfolg“ nicht schon vorher ab? Aber gut, warum auch nicht, der Hauptwache-Rave mit Sven Väth zur Ausstellungseröffnung hat ja gezeigt, dass Väth in Frankfurt immer noch viele Menschen erreicht.

Gemessen an den Instagram-Beiträgen des MOMEM selbst, ist bei mir nie der Funke übergesprungen, jetzt doch endlich mal die Väth-Ausstellung besuchen zu gehen. Programmpunkte wie „Play it like Sven“ (mit Väth-Platten im MOMEM auflegen) oder „DJ-Workshop“ (Auflegen mit 2x Technics-Plattenspielern) erweckten zusätzlich den Eindruck, eher der VHS zu folgen, die hier pfiffige Deejay-Kurse bewirbt, anstatt einem Museum für Moderne Elektronische Musik, auf das ich mich zwar jahrelang gefreut hatte, von dem ich aber aber auch irgendwie ein Ausrufezeichen, etwas Beeindruckendes, Besonderes erwartet hatte, nicht nur zur Museumseröffnung mit dem Rave an der Hauptwache.

Als ich neulich vor Ort war, war das MOMEM noch geschlossen. Ich hatte vergessen, dass es hier nicht wie bei anderen Ausstellungshäusern schon um 10 oder 11 Uhr losgeht, sondern erst um 13 oder 15 Uhr – trotz des kommunizierten Erfolges, trotz des letzten Wochenendes der Väth-Ausstellung, trotz eines für die letzten Tage der Ausstellung installierten Pop-Up-Stores also einfach Business as usual. Hm. Ich trau mich gar nicht zu fragen, ob das Kaufen von Cocoon-Produkten des Pop-Up-Stores auch ohne Eintritt möglich gewesen wäre, wie z. B. in MMK, Schirn oder Städel, wo die Shop-Bereiche auch ohne Ausstellungsbesuche zugänglich sind. Ich hatte leider nicht die Möglichkeit es selbst festzustellen, denn ich wollte den Eintritt mit Bargeld bezahlen – die Älteren kennen das noch, es handelt sich hierbei um das einzige gesetzliche Zahlungsmittel. An diesem Tag lernte ich jedoch: Das MOMEM kann nur besucht werden, wenn man online (mit Kreditkarte, PayPal oder Überweisung) zahlt. Das MOMEM sei in „finsteren Corona-Zeiten konzipiert worden“ hieß es dazu lapidar vor dem Eingang, wo ein Angestellter mit einem älteren Mann mit Smartphone in der Hand beschäftigt war, während ein weiterer älterer Mann nach Scannen eines QR-Codes am Eingang genervt/überfordert mit seinem Smartphone hantierte. Vermutung: Dieses den ungewöhnlichen Einlass-/Bezahl-Modalitäten geschuldete Szenario vor dem Eingang spielt sich täglich ab. Ich dachte zunächst, dass dieser QR-Code lediglich einen schnelleren Einlass ermöglichen würde, aber tatsächlich führt der Scan einfach nur zur Tickets-Seite des MOMEM. Da ich keine Bezahlungen mit Smartphones tätige, war’s das eben für mich. Aber abgesehen davon: Der Besuch einer kulturellen Einrichtung, noch dazu einer, bei der die Stadt Frankfurt am Main die Räumlichkeiten kostenlos zur Verfügung gestellt hat, sollte auch ohne die Übermittlung persönlicher Daten und, auch wenn das für viele schon längst Alltag ist, auch für Leute möglich sein, die über keinen Onlinezugang verfügen.

Die Reviews zum MOMEM bei Trip Advisor haben das Thema auch auf dem Schirm und fallen dementsprechend negativ aus:

„Hier bekommst du für viel viel Aufwand deinerseits, den Eintrittspreis für die Onlinetickets und die Offenlegung deiner personenbezogene Daten,
ein sehr kleines Erlebnis …“ (Link)

„Das Museum zwingt seine Besucher dazu, Tickets online zu kaufen, sogar wenn sie vor Ort erscheinen. Der Vorgang erfordert die Angabe des vollständigen Namens, der Adresse und der E-Mail-Adresse und wird nicht abgeschlossen, ohne SEHR aggressiven Geschäftsbedingungen zuzustimmen …“ (Link)

„Tickets sind nur online erhältlich …“ (Link)

Hätte ich das mal früher entdeckt, aber wer rechnet schon mit sowas? Hoffentlich wird das geändert, damit aus diesen „in finsteren Corona-Zeiten konzipiert“ nicht irgendwann ein „Das haben wir schon immer so gemacht“ wird.

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