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Der gar nicht mal so große Unterschied zwischen Werbung und Graffiti auf Zügen

„Die neuen Fahrzeuge bieten freie Sicht durch alle Wagen und verfügen über transparente Fahrerraumrückwände“, heißt es beim VGF auf der Website in der Umschreibung von Tätigkeiten des Ordnungsdienstes. Bedauerlicherweise gilt das Thema der freien Sicht nicht auch für den wichtigsten Bestandteil eines jedes Unternehmens, dem Kunden, hier also die Fahrgäste, denn zunehmend erlebe ich, wie immer mehr Bahnen mit Werbung zugeklebt sind, daß es phasenweise gar nicht mehr möglich ist, von innen nach außen zu schauen – was ja sonst im Zusammenhang mit Bahngraffiti gerne kritisiert wird.

Offenbar ist es längst nicht mehr ausreichend, einen Waggon komplett im CI des werbenden Unternhmens zu färben. Lässt man den Blick im Inneren des Waggons umherschweifen, entdeckt man zwischen Hinweisen wie „Vergessen gilt nicht“ und „Vandalismus geht uns alle an“ noch mehr Aktionswerbung an den Stangen zum Festhalten, Werbeaufkleber am unteren Bereich der Scheiben bei den Sitzplätzen oder auch in eingerahmte Werbung im Format DIN A3.

Werbung scheint bei der VGF demnach nicht in das Vandalismus-Raster zu fallen, obwohl es mir auf den hier gezeigten Fotos schwer fällt zu unterscheiden, worin genau der Unterschied liegt, dass Graffiti an Bahnen als Vandalismus gewertet wird und somit in die Vandalismus-Bilanz an rollendem Material der VGF fließt, wo doch die Werbung mittlerweile ganz genau den selben Effekt erzielt – natürlich außer in der Art des Materials, in der es aufgetragen bzw. angebracht wird und des kommerziellen Hintergrundes. Ich würde eine Obergrenze für Werbung in Bahnen begrüßen, das ist mittlerweile schon ein isschen zu viel, wie ich finde, keine Chance dem zu entkommen. Wenn man nicht gerade auf sein Smartphone schaut, landet der Blick in den meisten Fällen zwangsläufig bei Werbung.

In „Aktiv gegen Vandalismus“ beschreibt die VGF den Wunsch nach zufriedenen Fahrgästen, was für mich im Umkehrschluss zulässt, daß die Zufriedenheit jener eher an Graffiti, statt an dem regelmäßig praktizierten Verpätungen der VGF festgemacht wird.

Jetzt mal jenseits der Züge: Einige Stationen in Frankfurt sind optisch wirklich in einem weniger schönen Zustand, trist, grau und fad. Warum z.B. nicht mal bei einigen Stationen die Flächen für Graffiti/Streetart-Projekte freigeben? Ich verstehe nicht, wo genau da das Problem liegt. Das wird sicherlich illegale Aktivitäten nicht aus der Welt schaffen, aber in Summe werden doch alle Stationen künstlerisch aufgewertet und das (vorzugsweise) unter Einbezug lokaler Künstler*innen. Ich glaube, das könnte in Summe ein deutlich sympathischeres Signal sein, als seinerzeit die Aufklärungskampagne „Mach nicht alles kaputt“, die letztlich auch nur auf die Konsequenzen für die Verursacher von Vandalismus und Graffiti verweist.

2 Kommentare zu “Der gar nicht mal so große Unterschied zwischen Werbung und Graffiti auf Zügen

  1. wie die bahn von außen aussieht ist mir meist recht egal.wenns ein schönes graffiti gibt schau ichs mir natürlich gerne an,aber ich kann mich nicht beklagen.ich finde es viiiel schlimmer wie die bahnen von innen aussehn bzw die hygiene.mir ist schon klar, dass es nicht wie geleckt aussehn kann,aber an manchen stellen sind sooo fette dreckschichten und versiffte sitze, da bekomm ich echt ekelgefühle.und wenn ich dann doch lieber stehnbleib muss ich mich an ner klebrigen stange festhalten…ich weiß, dass da jeder bei sich selbst anfangen muss was die hygiene betrifft aber ne gewisse grundreinigung sollte schon vorhanden sein.

    • Stimme ich Dir absolut zu. Aber so lange die Menschen hier in der Stadt ihren Döner-, Asia-, Wurst-, oder miefenden Sontwas-Fraß mit in die Bahn nehmen, mach ich mir da weiter keine Hoffnung, daß das mal besser werden könnte. In Rücksichtnahme und Benehmen im öffentlichen Raum hat Frankfurt sowieso massive Defizite.

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