Die FAZ hat heute eine Geschichte veröffentlicht, in der es um den Latte Macchiato geht. Das würde mich soweit nicht wirklich interessieren, würde die Überschrift nicht Wie ich den Latte Macchiato nach Deutschland brachte lauten. Autor Alfons Kaiser erzählt von früher, wie er Anfang der Neunziger überall in Deutschland nach einem solchen Heißgetränk verlangte, da es das im Gegensatz zu von ihm besuchten Ländern wie Italien und Spanien nicht gab. Begrenzt man eine solche Aussage auf Cafés, mag da sicher etwas dran sein, aber gab es wirklich keinen Latte Macchiato in all den italienischen Eisdielen hierzulande? Egal, ich hab seine Geschichte gerne gelesen, die auch Cappuccino mit Sahne und Kondensmilch thematisiert und bis zum Artikel-Highlight, dem Abschnitt „zur Spießigkeit einer Macchiato-Mittelschicht“ führt. Gelesen habe ich sie aber vor allem, da mich das Thema sofort an eine Geschichte erinnerte, wie der Latte Macchiato nach Frankfurt kam, mindestens jedoch darüber, wie eine andere Person zu seiner Bekanntheit beitrug und das vermutlich schon vor Alfons Kaiser, der sein „Projekt“ seit Anfang der Neunziger betrieb.

In dem Buch Frankfurter Caféklatsch wird u. a. die Geschichte des Café Karin erzählt bzw. was es mit dem Namen auf sich hat, nach wem das Café benannt wurde – und der Latte Macchiato, der dort schlicht „Karin“ heißt. Ich habe dort unzählige solcher Karins – im alten Café Klatsch in Bornheim hieß das damals übrigens „Españolo“ – bestellt, bevor ich irgendwann das Buch geschenkt bekam und dadurch von Karin Hieronymi erfuhr, die ein solches Getränk immer im Strandcafé im Nordend bestellte und andere Gäste daraufhin auch immer öfter nach solch einem „Special“ verlangten. Die damaligen Betreiberinnen haben später ihren neuen Laden und das Getränk nach ihr benannt. Eröffnet wurde das Café Karin auch Anfang der Neunziger, nämlich 1993. Gut möglich also, dass es den Latte Macchiato schon früher (im Strandcafé) im Frankfurter Nordend gab, als irgendwo anders in Deutschland.

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