Mit Glaubensgemeinschaften, Göttern, Göttinnen, Religionen, Spaghettimonstern, Taliban, Katholiban, Evangelikan usw. kann ich zwar herzlich wenig anfangen, aber wenn Menschen darin etwas finden (wollen), das ihnen guttut, und sie anderen damit nicht auf den Saque gehen – bitte schön. Kritisch wird es jedoch, wenn daraus missionarischer Eifer oder Anspruchsdenken entsteht. Auch schräg: Wenn Leute liebgewonnene Tätigkeiten, z. B. Fußball(-Fansein) oder Graffiti, als „wie eine Religion“ bezeichnen und diesen Hokuspokus mit all den Verfehlungen seiner (un)irdischen Vertreter*innen unironisch als Referenzgröße verwenden. Um eben solchen missionarischer Eifer und Kritik daran geht es auch in den folgenden, kürzlich entdeckten Plakaten in Frankfurt.
Am östlichen Rand des Güterplatzes prangt an einem Gebäude der „Christen am Güterplatz“ das aus dem Neuen Testament stammende Zitat „Glaube an den HERRN JESUS, und du wirst errettet werden“. Unweit davon habe ich vor über zehn Jahren Botschaften wie „Jesus lebt“, „Bekehr dich“ und „Das Neue Testament – Lies es und lebe danach“ bemerkt, die mir später vor allem auf dem Gelände des „Campus Bockenheim“ sowie in der D-Ebene der U-Bahn-Station „Bockenheimer Warte“ aufgefallen sind.


Wie ich kürzlich gesehen habe, hat sich dort jemand fast alle dieser evangelikal-fundamentalistisch geprägten Botschaften angenommen und sie unter Beibehaltung der Gestaltung der Originale mit anarcha-feministischen Antworten überklebt. Galt die Leseempfehlung zuvor dem „Neuen Testament“, wird nun „Das Kapital“ von Karl Marx empfohlen, statt „Bekehr dich“ nun „Gönn dir Selbstbestimmung“ propagiert sowie Gott, Staat und Patriarchat abgeschworen. Hier ein paar Fotos davon:
• Litfaßsäule in der U-Bahn-Station




• Labsaal




• Litfaßsäule auf dem Campus


• AStA





