Wenn in Frankfurt am Main gewählt wird, dann dauert es in der Regel nicht lange, so jedenfalls meine Beobachtungen in den vergangen 15 bis 20 Jahren, bis die ersten Wahlplakate in unterschiedlicher Weise beklebt, bekritzelt, kommentiert oder sonst wie unkenntlich gemacht werden. So auch dieses Mal, anlässlich der am 15. März 2026 stattfindenden Wahlen der Stadtverordnetenversammlung, der 16 Ortsbeiräte und der Kommunalen Ausländer*innenvertretung. Aber auch ohne fremdes Zutun sind einige Plakate … schrill … und geschmacklos.
Die ersten Wahlplakate, die ich gesehen habe oder zumindest bewusst wahrgenommen habe, waren von der Partei Die Linke. Sie hingen am Anfang der Kaiserstraße, dem sogenannten „Kasiersack“ oder wie es das Frankfurter Stadtmarketing und die ihm willfährig folgenden „Journalist*innen“ der Frankfurter Medienlandschaft formulieren, am „Kaisertor“. Das waren sieben oder acht Exemplare, die besprüht waren, also deutlich mehr mehr als hier gezeigt. Überraschen dürfte das in dieser Gegend wohl niemanden, zumal zwischen Moselstraße, Poststraße und Niddastraße sich seit Jahren Anti-Links/-Woke/-Grün/-Gay und pro-Rechts-außen-Aufkleber und Kritzeleien entdecken lassen, des Öfteren auch im Kontext Eintracht-„Fanszene“.
Andernorts wird auf einem Wahlplakat eine Mietverhältnis-Streitigkeit in Erinnerung gerufen, bei einem anderen kommt das russische Propaganda- und Militärzeichen Z zum Einsatz, Wackelaugen gab es gleich mehrfach zu entdecken und irgendwas rund um die Israel/Palästina-Obsession der Deutschen darf natürlich auch nicht fehlen. Und immer dran denken: In Deutschland bitte immer pro Krieg sein, niemals für Frieden, sonst ist man, je nach Konflikt, a u t o m a t i s c h Putin-Versteher*in oder Antisemit*in.

All eyes on Rendite. Ein Plakat-Standort, wie gemacht für die FDP.
Aprpopos Palästina/Israel-Obsession. Wenn man sich schon für ein Wahlplakat ablichten lässt und dabei ein entsprechenden Pin ansteckt, sollte man wenigstens darauf achten, dass dieser auch korrekt gezeigt wird. Und wenn man das nicht selbst kann, dann doch wenigstens der*die Fotograf*in, oder wenigsten beim Nachbearbeiten am Rechner, Tablet oder Smartphone? Oder ist das etwa als stiller Protest zu verstehen, wofür diese Kopfüber-Präsentation von Flaggen eigentlich steht?
Angesichts der deutschen Geschichte hätte man eigentlich erwarten können, dass sich nach dem 2. Weltkrieg starke, erfolgreiche linke Parteien herausbilden, aber stattdessen gibt es seit Jahrzehnten nichts als Spaltung und Zerstrittenheit, vor allem wegen der Israel-Palästina-Frage. Sogar auf kommunaler Ebene. Als könnte man nicht beiden Seiten gleichermaßen wenig abgewinnen. Und was ist eigentlich mit diesem SPD-Kandidat, die SPD wollte doch die Plakate abhängen? So zumindest berichtete es die FAZ vergangenen Mittwoch. Mein Foto entstand jedenfalls vier Tage nach dieser Meldung …
Wann ist ein Mann ein Mann?

Würstchen(-Partei) und Eier. Passt doch.

„Kubicki kommt!“ Und viel wichtiger: Er geht auch wieder. Aber wenn er schon mal da ist: Warum nicht alle hin zur Veranstaltung – obwohl es eine Massif-Location ist – und gut sichtbar einen „Antifa-Sticker“ tragen?

Begriffe wie „Zombieland“, „Stadtbild“ oder „Spritzenviertel“ sagen mehr über die Politiker*innen aus, die sie verbreiten, als über die Menschen, die sie betreffen.
All you Zombies hide your faces …

Lieber fünf Leute, die sich eine Nadel in den Hals rammen, als eine*n von der FDP. Wieviel Niedertracht gehört eigentlich dazu, ein solches Plakat an einem Hot Spot für Betroffene, wo sich ca. 30 Konsumierende direkt unterhalb dieses Plakats aufhalten, aufzuhängen?

So eine Überraschung aber auch, dass das schäbige „Stadtbild“ auch auf Plakaten von Parteien in Frankfurt aufgegriffen wird. Nicht.
Was Radfahrer*innen nicht wissen: Wer ein Auto hat, fährt nicht immer nur alleine, oft fährt ein*e Partner*in mit, bei Familien oder jüngeren Leuten finden sogar drei bis fünf Personen darin Platz, es wird von mehreren Personen abwechselnd benutzt usw. Aber ich verstehe den Impuls, schließlich ersetzt jede Person mit Fahrrad in einer U-Bahn oder S-Bahn drei Stehplätze für Fahrgäste. Und wenn ich schon dabei bin: Warum eigentlich meckern, dass ein Auto 20 Stunden am Tag ungenutzt – auf Parkplätzen – herumsteht, aber Schweigen bei Gastronomie, die ihr Mobiliar ungenutzt – auf dem Gehweg – stehen lässt, an Ruhetagen sowie allen anderen Zeiten jenseits der Öffnungszeiten und übrigens immer öfter auch erst am frühen Abend öffnet (und schon wenige Stunden später keine warme Speisen mehr anbietet – „ist doch schon 22 Uhr, also bidde!!!!!!”). Wo sind da eigentlich diese Leute, denen es angeblich um Platz „für dich“ geht? Superblocks für Superschmocks braucht auch niemand, außer privilegierte Schnösel, Zugezogene aus kleinen Gemeinden, die immer noch mit Stadt überfordert sind und natürlich Autohasser*innen, die überwiegend nur noch Lieferverkehr für (den immer weniger werdenden) Handel und (immer mehr werdender) Gastronomie sowie Transporter der Paketzusteller*innen zulassen wollen. Auch immer kurios: Wie sich auf Autos und E-Scooter eingeschossen wird, aber niemals auf die Armada von Paketlieferwagen, die morgens bis abends über Frankfurt herfällt. Social-Media-Verbot für Kids? Online-Shopping-Verbot für Erwachsene!
• Pipi und Kacka mischen auch mit. Wo, wenn nicht in Frankfurt?




Ihr könntet aber auch das Plakat der Piratenpartei erwähnen: ‚Bist Du glücklich? Freiheit, Würde, Teilhabe‘ Das zeigt Empathie für Menschen.
Das ist der erste Kommentar, den ich freischalte, da er ohne Unterstellungen und dumme Parolen auskommt. Danke dafür.
Davon abgesehen, dass ich nicht den Anspruch habe, alles von allen zu zeigen, ist mir das Plakat der Piratenpartei tatsächlich erst vor einigen Tagen aufgefallen. Entweder habe ich zuvor erfolgreich daran vorbeigeschaut oder es hängen auch deutlich weniger davon in der Stadt (oder zumindest da, wo ich seinerzeit – der Artikel ist ja schon 14 Tage alt – vorbeigekommen bin.)