Besuch von Tom Ford

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Des einen Malerei, ist des anderen Schmiererei. So in etwa könnte man vielleicht die zwei Ansichten zu Graffiti in aller Kürze zusammenfassen. Über Sinn und Unsinn von Anti-Graffiti-Maßnahmen müssten sich aber mittlerweile selbst mal die Anhänger von sauberen Flächen Gedanken machen.

Wie zuletzt an einigen Beispielen gezeigt, wurden in Frankfurt in den vergangenen zwei Monaten an sehr vielen Flächen Graffiti entfernt. Das mag prinzipiell nachvollziehbar sein – findet vielleicht sogar jedes Jahr zur selben Zeit statt und nur ich habe es jetzt erst bemerkt –, kann im Einzelfall aber auch mal hinterfragt werden, zumal solche Maßnahmen sicher immer einiges kosten. Aktuelles Beispiel: Der neulich erst gesäuberte Treppenbereich an der Deutschherrnbrücke auf der Sachsenhäuser Seite: Keine zwei Wochen hielt der neu aufgetragene, graue Farbton.

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Ich fotografiere zwar erst seit wenigen Jahren halbwegs regelmäßig in der Stadt herum, aber doch lange genug um zu wissen, dass bei manch einer Fläche die Entfernung von Graffiti wenig Sinn macht, da sie bei nächstbester Gelegenheit erneut bemalt wird. Die, die primär wegen dem Thrill am Verbotenen malen, werden sowieso immer weitermachen und ihre Flächen finden, aber besonders dort, wo niemand wohnt und lebt, rund um die meisten Brücken entlang des Mains, könnte man jegliche Ausgaben, die im Zusammenhang mit den illegal angebrachten Malereien entstehen, ganz einfach reduzieren, in dem man diese Flächen zum Malen freigibt und für diese zugleich Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten schafft (Institutionen, Einrichtungen, Vereine, Jugendhäuser, Projekte, Patenschaften etc.).

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Warum das Geld weiterhin in Reinigungsdienste investieren, anstatt es einzusparen oder in neue Malprojekte zu investieren? Bewährt hat sich mit den bisherigen Maßnahmen offensichtlich nichts, allenfalls sichert sich der Sicherheitsapparat von Wahlperiode zu Wahlperiode seinen Etat. Und dass in Zeiten, wo die Graffitibilder vor der EZB regelmäßig in internationalen Tageszeitungen zu sehen sind und bemalte Wände immer öfter als Kulisse für Foto-, Werbe- und Mode-Publikationen genutzt werden. Für mich, unübersehbare Zeichen, dass Menschen und Märkte die Gesellschaft bei diesem Thema einfach schon viel weiter ist, als altbackene Gesetztestexte. Frankfurt hat in der Tat mehr zu bieten als Flughafen und Skyline, man muss es halt nur auch mal zulassen.

4 Kommentare zu “Besuch von Tom Ford

  1. Wir haben solche Flächen auch mehr als genug in der Stadt und an manchen finden sich wirklich gute Bilder oder coole Schriftzüge. Mich freut, wenn es immer mal wechselt und man was Neues entdecken darf. Besonders gut gefallen mir so subtile, augenzwinkernde Botschaften, in denen man kreatives Hirn des Künstlers entdecken kann ;-)
    Aber ich gebe zu, ich habe so meine Mühe mit den hingekritzelten Buchstabenanhäufungen. Anders mag ich einfalls- und anspruchslose Tags nicht nennen.

  2. Anonymous

    @Stadtkind 100 % korrekt !!!

  3. Vielleicht muss man den Buff auch als Nachwuchsförderung sehen. Wenn die jungen Leute sich nicht an die Wände trauen, weil da schon Sachen sind, dann springt die Stadt in die Bresche und zeigt ein Herz für den Nachwuchs.
    Und nebenbei wird in die Hände gespuckt, zur Steigerung des Bruttosozialprodukts, sorry Bruttonationaleinkommens: Malerfirma, Malerfarbe, neue Sprühdosen zum erneuten Besprühen… und einbisschen über beschmierte Wände mosern, damit man auch weiter den Bedarf an Überwachungstechnik oder Stadtpolizeistreifen generieren kann.

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