Ein Buch über die Technokultur: Electronic Germany

Am 7. Februar 2019 ist das Buch Electronic Germany erschienen. Geschrieben hat es der gebürtige Frankfurter Christian Arndt, seines Zeichens Kulturwissenschaftler, Journalist, Radio-DJ und Musikverleger. Bereits zuvor veröffentlichte der Autor zusammen mit Stefan Müller aka DJ Eastenders einen Podcast mit dem gleichnamigen Titel, in dem das Buchprojekt vorgestellt wurde und auch schon einige Protagonisten der Technoszene zu Wort kamen.

Electronic Germany ist für Fans elektronischer Tanzmusik verschiedenster Couleur und will gleichermaßen Technokultur würdigen und die Begeisterung und Faszination erklären, die von Techno als Musik und als gesellschaftliches Phänomen ausgeht. Bei dem Buchtitel handelt es sich um einen Songtitel von DJ Hell und Anthony Rother, der, wie das Buch auch, als Hommage an Kraftwerk und als Rahmen für ein ansonsten unerschöpfliches Forschungsgebiet verstanden werden soll. Für die Gestaltung des Buches konnte Alexander Brancyk gewonnen werden. Dieser war u.a. für das Branding von Loveparade und Mayday mitverantwortlich und, von 1992 bis 1997, als Art Direktor der Technozeitschrift Frontpage tätig. Das Buch nimmt gestalterisch klar Bezug darauf, was auch bedeutet, dass es das eine oder andere Mal etwas auf Kosten des Leseflusses geht – Frontpageleser*innen erinnern sich. Insgesamt ist die Buchgestaltung jedoch sehenswert und ich kann mir gut vorstellen, dass es zumindest den Weg in die Longlist der Stiftung Buchkunst für die Schönsten Deutschen Bücher 2019 finden wird.

Nach drei Fotodoppelseiten und einem Vorwort, in dem darauf verwiesen wird, dass einige wenige abgesagt haben, nachdem sie erfahren haben, wer noch zu Wort kommen soll, legt das Buch mit den prähistorischen Wurzeln – Krautrock und Kraftwerk, (den Schweizern) Yello und Disco – los, gefolgt von dem Thema schlechthin: Wo fing es damit an? Berlin? Detroit? Frankfurt? Nach einem Blick auf das Clubsterben und dem Label-Exodus in Rhein-Main folgen noch unzählige weitere Themen, darunter Drogen, Love- und Streetparade, Clubkultur als Instrument und Standortfaktor, Auslöser und Opfer von Gentrifizierung, Frauen und Techno u.v.m. Auch wenn der Schwerpunkt auf Menschen, Orte und Ereignisse in Deutschland liegt, werden nahe liegende Themen, auf die das nicht zutrifft, nicht ausgeklammert, sondern fließen ebenfalls mit in das Buch hinein.

Electronic Germany (Buch)

Electronic Germany (Buch)

Beim Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Kultur gab es kürzlich auch zwei kurze Hörbeiträge zum Buch „Electronic Germany:

Techno-Anthologie „Electronic Germany“ – Deutschlands Musikexport Nr. 1

Christian Arndt: „Electronic Germany“ – „Frankfurt war die erste Techno-Hauptstadt“

Das Buch ist bei Edel Books erschienen, hat 240 Seiten und kostet 24.95 EUR.