Die Ausstellung „Adler, Orden, Wahlurne“ im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt lädt dazu ein, vertraute Zeichen des demokratischen Gemeinwesens neu zu betrachten.
Die Wahlurne, in vielen Kommunen bis heute eine zweckentfremdete Mülltonne, ist zwar praktisch, wird der Bedeutung des Wahlakts aber kaum gerecht. Der Bundesadler wiederum verweist mit seiner Symbolik auf eine lange Tradition (königlicher und kaiserlicher Herrschaft), die weit vor die Entstehung der Demokratie zurückreicht. Und das Bundesverdienstkreuz, mit dem der Staat besonderes bürgerschaftliches Engagement würdigt, ist in seiner Gestaltung bis heute von christlicher Symbolik und insbesondere von militärischen Traditionen geprägt.
Drei Beispiele aus der Ausstellung:
Ausgangspunkt von Esra Gülmens verpixelte Skulptur „Blurred Democracy“ ist der Aluminium-Adler, der im Plenarsaal des Bundestags hängt. Die Unschärfe schafft Distanz zur etablierten Bedeutung und lädt zur Reflektion über das Gelingen von demokratischer Repräsentation ein.

Seit 1951 wird der Adler für das Gütesiegel „Deutsche landwirtschaftliche Markenware“ genutzt. Früher war es auf Kartoffeln, Eiern und Fleisch zu finden, inzwischen wird es nur noch für Butter verwendet. Lange galt das Siegel als Qualitätsgarant deutscher Produkte, heute hat es an repräsentativer Kraft verloren. Für Rozbah Asmani verkörpert der Bedeutungsverlust des „Butteradlers“ die Fragilität repräsentativer Symbole und der demokratischen Ordnung.

Wahlplakate gehören zum Wahlkampf. Gemeinsam mit dem Grafiker Gihong „Kiki“ Park hat das Re-De-Re-Forschungsteam diese Ästhetik reflektiert. Die Ausstellungsplakate zeigen Bilder von fiktiven Politiker*innen, die mit einer KI aus den Portraits aller aktuellen Abgeordneten im Bundestag generiert wurden. Die Ausstellungsplakate ahmen den Stil des Wahlkampfs nach. Sie arbeiten mit auffälliger Typografie und mächtigen Worten mit wenig Kontext.

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