Die zweimalige Besetzung der ehemaligen Dondorf-Druckerei, zuletzt des Instituts für Kunstpädagogik der Goethe-Universität, trug entscheidend dazu bei, den geplanten Abriss zu verhindern. An seiner Stelle sollte später ein moderner Neubau des Max-Planck-Instituts (MPI) für empirische Ästhetik entstehen. Seit einigen Monaten wird der Bau temporär von der Schirn Kunsthalle genutzt, da deren angestammtes Gebäude in der „Altstadt“ energetisch saniert wird. Im zweiten Stock des Gebäudes wurde unter dem Namen „2.og dondorf“ ein offener Kulturraum eingerichtet, in dem unterschiedliche Initiativen und Gruppen Studios haben. Auch das Kollektiv „Druckerei für Alle“, das letztlich mit seinen zwei Hausbesetzungen den Abriss des Gebäudes verhinderte, sollte dabei sein. Nach Angaben des Kollektivs stoppte kurz vor dem geplanten Einzug allerdings das hessische Finanzministerium die Vermietung des Stockwerks und kündigte an, die Nutzung für alle Beteiligten zu blockieren, solange das Kollektiv Teil des Projekts bleibe. Um das Gesamtvorhaben nicht zu gefährden, zog sich das Kollektiv daraufhin zurück.

Dondi bleibt Schriftzug beim Interim der Schirn Kunsthalle in Frankfurt Bockenheim

Egal wie man zu Hausbesetzungen steht, aber ohne sie wäre in diesem Fall die Möglichkeit für ein Interim der Schirn Kunsthalle an dieser Stelle nie möglich gewesen – alle wissen das. Umso kurioser wirkte es, dass in der Vergangenheit von offizieller Seite, etwa in Pressemitteilungen, zu lesen war, das Land Hessen habe „mit der unentgeltlichen Bereitstellung des Gebäudes den Weg dafür freigemacht“ oder die Stadt Frankfurt sorge dafür „dass unsere Gebäude und Kulturbauten gepflegt und erhalten bleiben“. Kein Wort jedoch darüber, wie die ursprünglichen Pläne für dieses Areal aussahen und was zwischenzeitlich geschehen ist, dass es überhaupt zur Nutzung durch die Schirn kam. Andere hatten offenbar eine bessere Idee für die Zukunft des Gebäudes und haben mit einer einfachen Hausbesetzung Dinge ins Rollen gebracht, die letztlich zu diesem Ergebnis führten. Anstatt also die Besetzer*innen anzuzeigen und offenbar Druck auf das „2.og dondorf“-Projekt auszuüben, könnte man das auch einfach akzeptieren und für sich Lehren für die Zukunft daraus ziehen, z. B. eigene Pläne gründlicher zu durchdenken oder auch Stimmen von Bürger*innen und Initiativen ernster zu nehmen. Just sayin’.

Die Schirn Kunsthalle hat kürzlich einen wirklich tollen Podcast veröffentlicht, der sich der Geschichte des 1890 errichteten Gebäudes und der u. a. mit dem Druck von Banknoten, Wertpapieren und Spielkarten groß gewordenen Druckerei widmet. Mit Gesprächsbeiträgen von Heike Drummer (Jüdisches Museum Frankfurt), Norbert Saßmannshausen und Cordula Kähler (Initiative Dondorf-Druckerei), Tim Driedger (Architects 4 Future Frankfurt), Ohm (Kollektiv Druckerei für Alle/Die Druckerei), Martina Weinhart (Kuratorin Schirn Kunsthalle Frankfurt) und Sebastian Baden (Direktor Schirn Kunsthalle Frankfurt).

DONDORF DRUCKEREI – GESTERN, HEUTE, MORGEN

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