Seit Anfang September sind mir in den Straßen Frankfurts einige Exemplare des Textes „Deutschland im Herbst“ aufgefallen. Der Text war Teil des 1992 erschienenen Buches „Blues in Schwarz-weiß“ von May Ayim.

Das Werk thematisiert Rassismus und Gewalt in der wiedervereinigten Bundesrepublik Deutschland und zieht eine direkte Parallele zwischen der Reichspogromnacht 1938 und den rechtsextremen Übergriffen der frühen 1990er Jahre, etwa dem Mord an Amadeu Antonio in Eberswalde 1990, den sie, vermutlich zynisch gemeint, eingangs als Einzelfall bezeichnet. May Ayim nutzt dabei Wiederholungen und eine sachlich-nüchterne Sprache, um die Kontinuität von rassistischem Denken und gesellschaftlicher Gleichgültigkeit zu verdeutlichen. Sie kritisiert dabei nicht nur die Täter, sondern auch die Unterstützung in der Bevölkerung – „immer mehr: die hand erhoben und mitgemacht beifall geklatscht oder heimlich gegafft“ – sowie die überschaubare, kaum wahrnehmbare Berichterstattung der deutschen Medien – „die zeitungen waren mit worten so sparsam daß es schweigen gleichkam und im fernsehen kein bild zu dem“.

May Ayim war die Tochter eines Ghanaers und einer Deutschen, kam 1960 in Hamburg zur Welt und wuchs in den ersten eineinhalb Jahren in Kinderheimen auf. Anschließend kam sie in die Pflegefamilie Opitz in Münster (Nordrhein-Westfalen). May Ayim war in ihrem kurzen Leben, sie starb bereits 1996 in Berlin, Dichterin, Pädagogin und Aktivistin der afrodeutschen Bewegung, u. a. war sie Mitbegründerin der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland.

May Ahim - Deutschland im Herbst

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Auch schräg: Wenn Leute liebgewonnene Tätigkeiten, z. B. Fußball(-Fansein) oder Graffiti, als „wie eine Religion“…

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