Skip to main content

Ich habe ein Faible für Beiträge im Internet, in denen an Musik erinnert wird, die vor 20, 25, 30, 35 oder 40 Jahren veröffentlicht wurde. Meistens geht es um die Schallplatten und CDs von weltweit bekannten Stars, neulich war es z. B. das „Debut“-Album von Björk. An dieser Stelle soll es jedoch um einen Song gehen, der vor allem in der deutschsprachigen Hip-Hip-Szene für Aufsehen erregte.

Vor 30 Jahren erschien die Techno-Compilation „Frankfurt Trax Volume 4″, auf der Musik des Labels PCP (und seiner Sub-Labels), also überwiegend elektronische Musik der etwas härteren und düsteren Gangart zu hören war. Diesmal waren aber auch Tracks mit Gesang dabei, z. B. „Loveless“ von Tony G. und „Came 2 Party“ von  M.F.P.A. Beide Songs waren auch schon auf der 2-Vinyl-White-Label-Promo der Compilation enthalten. Die einige Wochen später veröffentlichte CD wartete aber noch mit einem ganz besonderen Highlight auf: Der 17. und letzte Track war der deutschsprachige Rap-Song „Ich diss Dich“ von Iz & Tone (später: Konkret Finn).

Bekannte Deutsch-Rap-Veröffentlichungen waren bis dato z. B. „Ahmet Gündüz“ (Fresh Familee, 1989), „Fremd im eigenen Land“ (Advanced Chemistry, 1992) oder auch „Die da“ (Die Fantastischen Vier, 1992). Mit „Ich diss Dich“ wurde deutschsprachiger Battle-Rap geboren, Rap auf deutsch klang plötzlich deutlich anders, nach Rap, und nicht nach oftmals doch etwas hölzern vorgetragenem Sprechgesang. Erst ein Jahr später, 1994, erschien „Ich diss Dich“ als eigenständige Konkret-Finn-Schallplatte, und zwar zusammen mit „Gib mir die Zeit“ – ein Song, der das zu dieser Zeit schon als legendär gehandelte „Ich diss Dich“ meines Erachtens nochmal um einiges toppte und im Vergleich zu „Ich diss Dich“ nicht nur Rap-Parts von Tone, sondern auch von Iz enthielt. Auch auf dieser Schallplatte enthalten: Die ersten zwei Parts von „Ich diss Dich“ als A-cappella-Version. Die auf 400 Stück limitierte Auflage erschien ebenfalls bei PCP bzw. einem der zahlreichen Sublabels, in diesem Fall No Mercy Records, das ein Jahr zuvor mit „Smash! (Nächste Station: Konstablerwache)“ von sich reden machte.

Ein Freund aus dieser Zeit, der schon viel Musik bei besagtem Techno-Label veröffentlicht hatte, wollte ein paar meiner Tracks aufpolieren, was vor allem durch den Einsatz analoger Synthesizer geschah, da ich zu diesem Zeitpunkt noch überwiegend mit gesampelten Sounds arbeitete. Als erstes war „Dark Side“ dran, elektronische Musik jenseits des gängigen Four-to-the-Floor-Prinzips, vollgepackt mit Vocal-Samples. In Zeiten dieser Sessions kam er anlässlich des Geburtstags seines Label-Kompagnons Iz und entsprechenden Feierlichkeiten am Abend auf die Idee, als Mitbringsel eine „Ich diss Dich“-Variante auf Basis von „Dark Side“ mitzubringen. Im Grunde genommen wurde nur „Ich diss Dich (Accapella)“ über „Dark Side“ gelegt, was aber erstaunlich gut miteinander funktionierte. Lediglich die zuvor erwähnten Vocal-Samples trübten den Spaß, wenn diese zeitgleich mit den Rap-Parts liefen. Soweit ich mich noch daran erinnern kann, hatte der Abend als wir angekommen waren schon eine gewisse Dynamik angenommen, so dass es gar nicht zum gewünschten Vorspielen kam. Diese spezielle Version von „Ich diss Dich“ war damit auch schon wieder aus der Welt und das Label alsbald leider auch Geschichte.

Als mir neulich ein Freund aus Ginnheim von einem halbwegs aktuellen Upload auf YouTube erzählte, auf dem „Ich diss Dich“ mit einem anderem Beat zu hören ist, wollte ich es wenigstens einmal probiert haben, die Idee von damals neu zu produzieren, zumal wenn es überhaupt etwas an „Ich diss Dich“ zu kritisieren gab, dann war das, so zumindest meine Meinung, der Beat, wobei aufgrund von Text und Flow viele andere Beats zur damaligen Zeit ebenfalls ins Hintertreffen geraten wären. Letztlich ist es egal, hat „Ich diss Dich“, so wie es war, Deutsch-Rap damals erst einmal eine ordentliche Schelle verpasst.

Die Stellen mit den Vocal-Samples hab ich größtenteils rausgeschnitten, wo es gepasst hat drin gelassen und einmal einige besondere Laute aus der „Accapella“-Version draufgelegt, so dass dieses Problem nun weitestgehend außen vor blieb. Mit diesem Pastiche aus der A-cappella-Version von „Ich diss Dich“ und der musikalischen Begleitung von „Dark Side“ entsteht ein anderes, womöglich weniger klassisches Rap-Stück, aber dafür ein etwas dynamischeres Gesamtwerk, eines, das vielleicht weniger Schelle, dafür mehr Kettenfauststoß ist.

Konkret Finn - Ich diss dich (Inoffizieller Remix)

„Ich diss Dich“ (Dark Side RMX)
• Nach einer Idee von DJ U-Man • Vocals by Konkret Finn • Arranged & produced by Stadtkind
• Made in Frankfurt am Main, 1996 & 2023 • Non commercial

„Ich diss Dich“
• Written & composed by Iz, Tone, Acardipane, DJ Feedback
• Executive Producer: DJ Feedback • Made in Frankfurt am Main, 1993

„Dark Side“
• Composed and arranged by Stadtkind • Produced by Stadtkind and DJ U-Man
• Executive Producer: DJ U-Man • Made in Frankfurt am Main, 1995 & 1996 • Non commercial

Für Artikel-Bild und Cover-Design habe ich ein stilistisch abgeändertes Motiv verwendet, das sich auf dem Konkret-Finn-T-Shirt („frankfurt finish em moves“) befindet und von Markus „Won“ Müller (Art Bombing Clan/ABC) gemalt wurde.

Anthony Rother - „Mad world“

Anthony Rother – „Mad World“

Das dem Architekturstil des Brutalismus zugeordnete Rathaus Offenbach diente als Kulisse für das Musikvideo zum Song „Mad World“ von Anthony Rother.
Vinyl Shopping in Frankfurt - Februar und März 2024

Vinyl-Shopping – Februar + März 2024

Ich habe wieder Schallplatten gekauft. Die Auswahl fiel auf Musik von 1982 bis 1991: Pop der Bands Ideal mit Sängerin Annette Humpe und Nena, Rap von L. L. Cool J,…
Anthony Rother zu Gast bei der radio-eins-Sendung „Elektro Beats“

Elektro-Beats-Podcast mit Anthony Rother

Olaf Zimmermann begrüßt in der 1289. Folge der radio-eins-Sendung „Elektro Beats“ den Offenbacher Elektro-Musiker und Produzenten Anthony Rother als Studiogast und sprach mit ihm über sein neues Album „Robo Pop“.

Kommentare

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner