Daft Punk 1993-2021

Am 22. Februar haben Daft Punk das knapp 8 Minuten lange Video „Epilogue“ veröffentlicht. Zu sehen ist ein Ausschnitt aus dem Daft-Punk-Film „Electroma“, in dem, nach Einblendung der Jahreszahlen „1993-2021″, auch eine Passage aus ihrem Song „Touch“ zu hören ist. Nach fast drei Jahrzehnten scheint es also mit Daft Punk nicht mehr weiterzugehen. Ob generell, nur in dieser Form, warum überhaupt und warum jetzt – seit 2017 wurde nichts mehr veröffentlicht und nun, quasi ohne Not, wurde die Trennung bekanntgemacht -, weiß niemand. Und das in Zeiten, wo sich nach mittlerweile einem Jahr Pandemie eigentlich alles und jeder danach sehnt, wieder Kultur, Kunst, Musik, Party etc. erleben zu dürfen. Schadé.

Vor den Aktivitäten unter dem Namen Daft Punk musizierten Guillaume Emmanuel (Guy-Manuel) de Homem-Christo und Thomas Bangalter gemeinsam mit Laurent Brancowitz als Indie-/Punk-Rock-Band Darlin‘. Das britische Musikmagazin Melody Maker, das im Jahr 2000 mit dem Musikmagazin NME fusionierte, bezeichnete diese Musik damals als „daft punky thrash“, woraus später der Bandname Daft Punk entstand. Die erste Musik als Daft Punk erschien auf einem Demo-Tape Ende 1993. Ein Jahr später waren ihre ersten Songs auch als Vinyl erhältlich, vertrieben über die Labels Soma Quality Recordings in Großbritannien und UMM in Italien. Ein erstes Ausrufezeichen setzten sie allerdings erst 1995 mit dem Song „Da Funk“, zu dem auch ein ungewöhnliches Video gedreht wurde, das sicher auch seinen Teil dazu beitrug, den Namen Daft Punk bekannter zu machen. Ihr erstes Album „Homework“ erschien 1997 und enthielt mit „Around The World“ einen weiteren Hit, aber auch stark cluborientierte Tracks wie „Indo Silver Club“ und „Rollin‘ & Scatchin’“.

Darlin‘ – „Darlin'“ (1993)

Daft Punk – „Alive (New Wave Final Mix)“ (1993/94)

Daft Punk – „Da Funk“ (1995)

Daft Punk – „Rollin‘ & Scratchin'“ (Live in Los Angeles) (1997)

Noch vor Erscheinen eines zweiten Daft-Punk-Albums waren die beiden auch in anderen Projekten aktiv. Guy-Manuel de Homem-Christo gründete 1997 mit Eric Chédeville Le Knight Club und veröffentlichte Techno-Tracks auf dem französischen Label Crydamoure. Einen riesigen Hit produzierte dagegen Thomas Bangalter. Gemeinsam mit Alain Quême und Benjamin Cohen schuf er als Stardust den Hit „Music Sounds Better With You“. 20 DM habe ich damals für die Schallplatte bezahlt – bis heute übrigens meine einzige, bei der nur auf eine Seite Musik gepresst wurde.

Stardust – „Music Sounds Better With You“ (1998)

Le Knight Club – „Hysteria“ (1999)

In Frankreich und Großbritannien war das Debütalbum „Homework“ ein großer Erfolg, die Rezeption in anderen Ländern viel jedoch verhaltener aus. Mit dem 2001 veröffentlichten Nachfolger „Discovery“ wurde allerdings die nächste Stufe gezündet, es wimmelte nur so von Charterfolgen und Gold- und Platinauszeichnungen. Kein Wunder, unter den 14 Songs befanden sich Hits wie „One More Time“ und „Harder Better Faster Stronger“, aber mit „Something About Us“ und „Veridis Quo“, auch zwei langsamere, melancholischere Stücke, die man so nicht unbedingt erwarten konnte – abgesehen davon, dass die musikalische Ausrichtung des neuen Albums viele Fans des ersten Albums verärgerte. Ich war seinerzeit anfangs auch enttäuscht darüber, das dieser sehr spezielle Sound des Debüts nicht mehr fortgeführt wurde, aber die neuen Sachen waren viel zu gut, um das denen übel zu nehmen. Mit diesem Albumrelease begann auch ihre Zeit mit dem Helmen.

Daft Punk – „Veridis Quo“ (2001)

Daft Punk – „Something About Us“ (2001)

Remember Laurent Brancowitz, der Anfang der Neunziger mit den beiden in der Indie-/Punk-Rock-Band Darlin‘ spielte? Der hat auch weiter Musik gemacht, und zwar in der französischen Indie-Pop-Band Phoenix, von der man auch schon mal gehört haben könnte, zumindest „If I Ever Feel Better“, das im selben Jahr wie Daft Punks „Discovery“ veröffentlicht wurde. Auch noch im selben Jahr tauchten Daft Punk gemeinsam mit der aus Filmen wie Kalifornia, Natural Born Killers, Strange Days und From Dusk Till Dawn bekannten Schauspielerin Juliette Lewis in einer Werbung für den US-amerikanische Bekleidungseinzelhändler GAP auf.

Phoenix – „If I Ever Feel Better“ (2001)

GAP-Werbung mit Daft Punk (Song: „Digital love“) und Juliette Lewis (2001)

Auch in der Filmwelt haben Daft-Punk ihre Spuren hinterlassen. Den Anfang machte zunächst Thomas Bangalter . Er steuerte 16 von 19 Titel für den Soundtrack zu Gaspar Noéls Film „Irreversible“ (mit Monica Bellucci und Vincent Cassel) bei. Ich weiß nicht mehr welches Kino in Frankfurt es war, könnte im Turm gewesen sein, aber nach „Fear & Loathing in Las Vegas“ im Royal Kino war das jedenfalls der zweite Film, bei dem einige Leute bereits nach wenigen Minuten das Kino wieder verlassen haben. Ich fand den krass, und gut, hab hier auch noch die DVD.

Thomas Bangalter – „Spinal Scratch“ (2002)

2005 erschien Daft Punks drittes Studioalbum „Human after all“. Neben dem gleichnamigen Song mochte ich vor allem den Song „Robot Rock“. Der bekannteste Song des Albums war aber wohl „Technologic“, der auch in einem Werbespot für Apple iPods verwendet wurde.

Daft Punk – „Robot Rock“ (2005)

Apple iPod+iTunes-Werbung mit Musik von Daft Punk („Technologic“) (2005)

Ein Daft-Punk-Film erschien 2006. Erstmals zu sehen war der Streifen bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes. Musik haben sie hierfür jedoch keine produziert, zu hören waren dafür Stücke von Brain Eno, Curtis Mayfield, Sébastien Tellier u. a. Ich bin nicht sicher, ob man etwas verpasst hat, wenn man den Film nicht gesehen hat. Interessanter wurde es wieder 2010. Für „Tron: Legacy“, die Fortsetzung des 1982 in die Kinos gekommenen Films „Tron“ haben Daft Punk 2010 den kompletten Soundtrack produziert. Und das größtenteils mit richtiger Filmmusik, es war nicht einfach nur eine Ansammlung von Daft-Punk-Songs, in weniger als 5 Stücken kamen überhaupt Beats vor. Kurios: Wieder veröffentlichen Daft Punk eine Produktion in Albumlänge, wieder tauchen sie im selben Jahr auch in einem Werbeclip auf, diesmal bei Adidas, zusammen mit David Beckham, Franz Beckenbauer, Oasis und Snoop Dogg in der Star-Wars-Cantina.

Electroma (2006)

Daft Punk – „Derezzed“ (2010)

Adidas-Originals-Werbung mit Daft Punk (2010)

Das vierte Album von Daft Punk heißt „Random Access Memories“. Es wurde 2013 veröffentlicht und brachte den Franzosen vier Grammy-Auszeichnungen ein, u. a. auch für den Welthit „Get Lucky“ ft. Pharrell Williams. Weitere Features auf dem Album waren Giorgio Moroder, Julian Casablancas, Panda Bear, Paul Williams und Todd Edwards. Im selben Jahr standen sie auch noch zusammen mit dem Model Karlie Kloss für ein Foto Shooting der Vogue vor der Kamera.

Daft Punk ft. Paul Williams – „Touch“ (2013)

Vogue-Werbung mit Daft Punk and Karlie Kloss (2013)

Musikalisch ging es für Daft Punk 2016 weiter. Zusammen mit The Weeknd wurde der Song „Starboy“ aufgenommen, 2017 folgte mit „I Feel It Coming“ ein weiterer Song mit dem kanadischen Sänger. Ebenfalls 2017 erschien der Song „Overnight“ der australische Band Parcels. Hierbei handelt es sich zugleich um die bisher letzte Produktion von Daft Punk.

The Weeknd ft. Daft Punk – „I Feel It Coming“ (2017)

Parcels – „Overnight“ (2017)