Wenn man am Wochenende morgens vor den Kehrmaschinen der Straßenreinigung unterwegs ist, lassen sich in Straßen mit Cafés, Kiosken, Burger-/Chicken-Imbissen und anderen Trendfood-Lokalen die Spuren des Vorabends entdecken. Zu den längst zum Straßenbild gehörenden Glasflaschen und Trinkgläsern, die zerbrochen auf dem Gehweg liegen oder auf Fensterbänken und den Möbeln der Außengastronomie abgestellt werden, gesellt sich immer häufiger Verpackungsmüll. Hier ein Blick auf die Berger Straße, die sich von einer Einkaufsstraße zu einer Meile für Trendfood-Kasper verwandelt hat.
Im Neubau im unteren Teil der Berger Straße, wo einst der schöne Glaspavillon der Tomin-Videothek stand, kündigt sich die nächste Trendfood-Bude an. In gewisser Weise war der Weg für ein solches Etablissement vorgezeichnet, lassen sich doch am dortigen Eingang immer wieder Ansammlungen leerer Açaí-Becher einer anderen Trendfood-Bude entdecken – die sich direkt auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet! Die Spuren dieser Kundschaft ziehen sich bis zum Merianplatz: Vereinzelte Becher finden sich am Gehwegrand und auf den Tischen der Außengastronomie, deren Mobiliar nach Feierabend nicht wenigstens halbwegs zusammengeräumt und somit für die nächtliche Nutzung unbrauchbar gemacht wird. Zurück bleiben neben den Açaí-Bechern derzeit auch immer öfter Verpackungsreste diverser Burger-/Chicken-Buden und einer neuen „neapolitanischen“ Halal-Pizzeria. Das muss die geile Aufenthaltsqualität sein, von der immer wieder die Rede ist.





Weiter unten, fast am Anfang der Berger Straße, befindet sich ein weiteres Açaí-Café, das mir erstmals vor etwa einem Jahr auffiel, als ich in der Nähe, im Café Ypsilon, saß und ständig überwiegend jüngere Leute mit irgendwelchen für mich auf Anhieb nicht definierbaren Bechern vorbeilaufen sah, bis mir auch die dazugehörige Ansammlung von Leuten auffiel. Auch die Gäst*innen dieses Ladens scheinen es nicht so genau zu nehmen mit dem Entsorgen, wenn sie mit dort erworbenen Bechern weiterziehen. Leere Becher und Löffel ließen sich wiederholt am wenige Meter entferntem Außengastronomie-Mobiliar eines Thai-Restaurants sowie der angrenzenden Friedberger Anlage entdecken, aber auch auf dem Weg zum Merianplatz, zwischen Buchladen und Chicken-Restaurant.







Auch die Fahrgasse hat eine ziemlich unrühmliche Gastro-Verwandlung hinter sich und bietet damit einhergehend auch mehr Müll bis hin zum angrenzenden Fischerplätzchen. Früher sind mir dort eigentlich immer nur viele Scherben aufgefallen, aber neuerdings sind auch hier die Begleiterscheinungen des Açaí-Trends unübersehbar.



Natürlich kann man von Menschen erwarten, dass sie eine Verpackung oder einen leeren Becher, den sie entsorgen möchten, notfalls auch mal ein paar Minuten mit sich herumtragen, bis sie den nächsten Mülleimer erreichen. Dennoch bin ich der Meinung, dass es im öffentlichen Raum zu wenige Mülleimer gibt, gerade angesichts der wachsenden Zahl gastronomischer Angebote und To-go-Produkten, bei denen Verpackungsmüll anfällt. Ich erinnere mich noch an ein Frankfurt mit knapp 600.000 Einwohnern. Heute sind es rund 780.000. Ob die Zahl der Straßenmülleimer an diese Entwicklung angepasst wurde? Ich glaube nicht. Viel zu oft war ich unterwegs und wollte etwas entsorgen, nur um überrascht festzustellen, wie lange man zu Fuß unterwegs sein kann, ohne auch nur einen einzigen Mülleimer zu finden. Natürlich wird es immer irgendwelche Backpfeifengesichter geben, die ihren Müll einfach liegen lassen, aber gerade bei den öffentlichen Mülleimern sehe ich durchaus noch Luft nach oben.



