Bereits vor einigen Jahren hatte jemand in den Sozialen Medien eine Website vorgestellt, auf der er Namen von Betrieben in Frankfurt aufgelistet hatte, bei denen man nicht bar bezahlen konnte. Sofort gab es Replies, in denen andere User weitere Namen nannten … Irre. Ich musste daran denken, weil ich kürzlich auf einen Beitrag gestoßen war, in dem jemand beklagte, „dass so etwas 2026 noch möglich ist“. Dazu war ein Foto von einem Schild oder Zettel zu sehen, auf dem stand, dass dort nur Barzahlung möglich sei. Grundsätzlich finde ich es natürlich gut, zwischen Bar- und Kartenzahlung wählen zu können, aber sieht die Realität mittlerweile nicht sowieso immer häufiger ganz anders aus? Hier ein paar Beispiele von Cafés und Geschäften in Frankfurt, in denen – Trommelwirbel – NUR KARTENZAHLUNG akzeptiert wird – darunter ein Shop, bei dem vorzugsweise sogar nur mit Amex bezahlt werden soll und ein Café, bei dem nur mit Karte bezahlt werden kann, Trinkgeld aber auch in bar gegeben werden darf!! 🤡





Kartenzahlung klingt sowieso immer einfacher, als es in der Praxis ist. Girocard? Kreditkarte? Welche Kreditkarte(n)? Muss ich zusätzlich noch meinen Ausweis vorzeigen? Gilt das für jede Summe oder erst ab einem bestimmten Betrag? Welche ausländischen Karten werden akzeptiert? Karte nicht lesbar? Terminal kaputt? Verbindungsproblem?
Der Spiegel berichtete vor einigen Tagen über ein Vorhaben des Vize-Kanzlers Klingbeil: Geschäfte und Restaurants sollen künftig zusätzlich zum Bargeld auch digitale Zahlungen mit Karte oder Handy akzeptieren müssen. Allerdings stand in diesem Artikel nichts davon, dass Geschäfte und Restaurants, die Stand heute nur Karten- oder Handyzahlung anbieten, künftig auch Bargeld akzeptieren müssen. 🤔
Aus Sicht des Einzelhandels ist es am günstigsten, wenn Kund*innen mit Bargeld oder der Girocard bezahlen. Das ergab die Studie „Kosten von Zahlungsmitteln im Einzelhandel“ der Deutschen Bundesbank. Barzahlungen sind mit durchschnittlich 43 Cent je Transaktion am günstigsten für die Händler*innen, wenn die Kosten je Zahlung betrachtet werden. Die Girocard ist mit durchschnittlich knapp 1 % des Umsatzes das günstigste Verfahren, wenn die Kosten ins Verhältnis zum Umsatz gesetzt werden. Internationale Debit- und Kreditkarten, wie z. B. Mastercard oder Visa, sind teurer, sie verursachen vor allem durch höhere Gebühren mehr Kosten. Insofern bin ich gespannt, wie viele der heute ausschließlich auf Bargeld setzenden Händler- und Gastronom*innen künftig tatsächlich beide Zahlungssysteme anbieten werden. Gerade für kleine Cafés und Geschäfte, die sich ja auch nur selten Vollzeitkräfte leisten (wollen), könnte sich die Frage stellen, ob sie den zusätzlichen Aufwand und die Kosten für beide Varianten dauerhaft tragen wollen. Bei manchen könnte die neue Pflicht daher sogar den Anreiz schaffen, künftig ganz auf Bargeld zu verzichten und ausschließlich Kartenzahlungen anzubieten – zumindest bei denen, die seriös wirtschaften. Bei allen anderen wird man künftig vermutlich noch häufiger damit konfrontiert werden, dass ausgerechnet „HEUTE keine Kartenzahlung möglich“ ist …



