Das Verhalten von Fussballfans in der Bahn

Wenn man an Tagen, an dem die Frankfurter Eintracht ein Heimspiel austrägt, im Schienennetz des RMV unterwegs ist, muss man immer damit rechnen, auf alkoholisierte Horden halbstarker Landeier und Möchtern-Stadtrambos zu treffen. Deren Tagesprogramm, sich – natürlich nur im Mob – als Fan einer Fussballmannschaft zu inszenieren, beginnt nämlich nicht erst am Stadiongelände, sondern bereits viel früher – so wie es auch im Bericht der ARD-Sendung Report Mainz vom 16.12.2014 zu sehen war und auch im 2012 erschienenem Buch „Die Chefin verzichtet“ von Max Goldt thematisiert wurde. Dort hieß es u.a.:

„Es werden Menschen gezwungen, nach Fußballveranstaltungen öffentliche Verkehrsmittel, Bahnhöfe und zentrale Plätze weiträumig zu meiden, damit sie nicht mit vorsätzlich ausrastenden, knallkörperbewehrten Gruppendynamikern kollidieren […] Soll man etwa respektieren, daß man sich in der S-Bahn vor Horden fürchtet, die bis an die Halskrause mit sogenannten «gewaltlegitimierenden Männlichkeitsnormen» gefüllt sind?“ (Leseprobe: Max Goldt – „Die Chefin Verzicht“, Rowohlt Verlag)

Der Fernsehbericht zum Verhalten der Fussballfans dieses Schlags ist meines Erachtens dennoch etwas zu dünn geraten, zumal nur Vetreter einer Seite zu Wort gekommen sind, nämlich eine ältere Dame, Zugbegleiter, Bundespolizei, Poizeigewerkschaft und die DB-Konzernsicherheit. Statements von Fans, Fanbeauftragten oder gar der Vereinsspitze sind leider Fehlanzeige.

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Mit sogenannten „Fanzügen“ gibt es offenbar bereits einen erfolgsversprechenden Ansatz um solchen Situationen entgegenzuwirken, jedoch werden diese von den Vereinen nur sehr selten gebucht. Eine Anfrage an die DFL, warum dies so ist und ob sich die Vereine eventuell vor den damit verbundenen Kosten drücken wollen, blieb unbeantwortet. Warum man diesbezüglich nicht auch direkt bei den Vereinen angefragt hat, bleibt der Bericht schuldig.

Wenn ich mir meine Anreisen zum Stadion mit der S-Bahn vor Augen führe, frage ich mich allerdings, wie oft wohl die Eintracht schon von dieser Option Gebrauch gemacht haben könnte. Für mich wirft das jedenfalls ein neues Licht auf das gesamte Thema „Anreise zum Stadion“. Ab dem nächsten Mal werde ich mich also nicht nur wieder fragen, warum der RMV ab zwei Stunden vor Spielbeginn nicht einfach mal die eine oder andere S-Bahn mehr rausschickt, sondern auch Vermutungen darüber anstellen, warum wohl keiner dieser Fanzüge bestellt wurde – denn viele der im Bericht zu sehenden Szenarien kennt man auch aus Frankfurt.

5 Kommentare zu “Das Verhalten von Fussballfans in der Bahn

  1. Mal wieder ein Beleg dafür, dass es bei der Redaktion noch längst nicht angekommen ist, dass Fußball mittlerweile längst nicht mehr nur ein Spiel von 11 gegen 11 ist.

  2. Heinertown

    Als Steuer- und GEZ-Zahler frage ich mich schon seit langen, warum ich die Fantasiegehälter der Spieler und die Kosten der Polizeieinsätze mitfinanzieren soll.

    • Weil diese Menschen genauso Steuern zahlen. Das ist Freiheit. Schutz und Sicherheit gibts halt in einer freien Gesellschaft nicht 24h.

      Meine Freiheit. Mein Suff. Meine Action. FREIHEIT!

      (Kommentar gekürzt)

      • Heinertown

        Aha, deshalb muss ich dafür Verständnis haben, dass rein kommerziele Sportveranstaltungen jedes Jahr mit Millionen an Steuergeldern subventioniert werden.

    • stadtkindFFM

      Ich meine, dass vor gar nicht allzu langer der Bremer Senat festgelegt hat, dass künftig die Veranstalter an der Finanzierung von Polizeieinsätzen im Umfeld von Fußballspielen beteiligt werden sollen. Vielleicht macht dieses Beispiel ja auch andernorts Schule.

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