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Stabil Elite: Zukunftsmusik von gestern im Gewand von heute

Zukunftsmusik von gestern im Gewand von heute. Auf diese Beschreibung der Musik von Stabil Elite (Wie geil ist denn dieser Name bitte schön?) kam ich, als ich mich nicht ganz damit einverstanden erklären wollte, daß diese musizierenden Herrschaften bei jedbester Gelegenheit mit Kraftwerk verglichen werden. Gründe dafür gibt es durchaus genug, denn sie stammen ebenfalls aus Düsseldorf, ihre Texte tragen sie auch auf deutsch vor und ihr Sound lässt durchaus zuweilen auf die Pioniere elektronischer Musik erinnern, aber wenn überhaupt, würde ich dem Album „Simulationszeitalter“ von Anthony Rother eher dieses Attribut zusprechen. Aber selbst da gilt eigentlich: Jeglicher Vergleich mit Kraftwerk kann nur in die Hose gehen. Der ist m.E. im Falle von Stabil Elite aber eigentlich auch gar nicht nötig, denn da ist genug eigene Klasse vorhanden, auch wenn Marketing und Medien vermutlich mit dem, nennen wir es mal „kraftwerkisieren“ der Band, sicher mehr Aufmerksamkeit generieren- und diese wiederum, hat Stabil Elite definitiv verdient. Vielmehr muss einfach mal gesagt werden, daß diese Musik so retro ist, daß es kaum zu glauben ist, daß sie aus heutigen Zeiten entsprang- und das ohne bemüht nach damals zu klingen.

Stabil Elite sind Lucas Croon, Nikolai Szymanski und Martin Sonnensberger. Der Bandname entstand aus dem 1970 produzierten Fernsehfilm Das Millionenspiel von Tom Toelle, in dem es darum geht, daß in der gleichnamigen TV-Show Freiwillige antreten, die sieben Tage lang auf der Flucht sein müssen, um an den Hauptpreis von einer Million Deutsche Mark- für die Kids unter Euch: Frühere Währung hierzulande- zu gelangen [Menschenjagd/ Running Man, etc. ick hör Dir trapsen]. Stabil Elite ist in diesem Film ein Konzern dessen Werbespots immer wieder während der Übertragung gesendet werden- einer dieser Werbespots ist aber auch aus anderer Sicht interessant:

Na, erkannt? Krass, oder? Das beworbene Messer ist von einer Marke namens Kling Klang. Und Kling Klang ist der Name des Studios von Kraftwerk, welches sie im Jahre… genau, 1970 gegründet haben. Ja, sorry, wusstet Ihr das etwa? Ich mein’, auf Wikipedia steht das nicht. Und wenn man dann noch liest, daß Irmin Schmidt von Can für die Musik zum Film verantwortlich war, dann fühl ich mich hier gerade wie in einem Tarantino-Film, der nur so vor Reminiszenzen, Hints, und Anspielungen strotzt. Überflüssig zu erwähnen, daß Can gerade erst im Juni erst ein The Lost Tapes-Album veröffentlich haben. OK, jetzt habe ich es ja doch verraten. Egal. Filmmusik ist da übrigens auch drauf. Filmmusik? Moment mal, aber doch nicht… nee oder? Krasse Shice, was?

Aber zurück zur Band: Das Album Douze Pouze ist der Burner, fast schon erschreckend, daß sich die Musikpresse zwar (nahezu) ausschließlich lobend darüber auslässt, aber man sonst noch recht wenig zur Band im Netz findet- also Videos, Album-Rezenssionen, User-generated-Content usw. Das wird sich aber hoffentlich bald ändern. Hier kann in das Stabil Elite-Album reinhört werden.