Hygienemängel in Frankfurter Gaststätten und die fehlende Transparenz

Wieder einmal hat das Ordnungsamt in Frankfurt bei Gaststättenkontrollen Missstände festgestellt. Ergebniss: 12 von 13 überprüften Betrieben wiesen teils gravierende Mängel in Punkto Sicherheit und Hygiene auf, drei Gaststätten mussten sogar an Ort und Stelle geschlossen werden. U.a. war man auch in Bornheim und in der Innenstadt unterwegs. So weit, so gut. Weniger gut hingegen ist der Umgang damit, da man als Verbraucher nicht erfährt, um welche Locations es sich dabei handelt. Und das war mal anders, wenngleich auch nur für eine relativ kurze Zeit, denn Ende 2012 gab es ein Internetportal zur Lebensmittelhygiene. Aufgrund einer Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes werden jedoch in Hessen „vorläufig“ keine Veröffentlichungen diesbezüglich im Internet vorgenommen.

Das Problem, das ich damit habe ist folgendes: Am 9. Februar wollte ich mal wieder in das SchöneBerger gehen. Ausgerechnet an jenem Tag – vielleicht auch nur am Abend als ich vor Ort war – hatte es geschlossen. Hinweis: Betriebsfeier. Nun gut, schade. Gestern Abend bekam ich mit, dass die Bar ohne Namen / Good times for good people geschlossen hatte. Hinweis: Weihnachtsfeier. Jetzt ist es so: Im SchöneBerger war ich kurioserweise schon Ewigkeiten nicht mehr zu Gast – ich glaub es hieß senerzeit sogar noch Schöneberger’s Erben (ja, mit „’s“, dem Deppenapostroph, der schon lang keiner mehr ist) – aber dafür fast schon regelmäßig und ich fand’s immer gut, Speis, Trank und Aufenthalt. Bei der Bar ohne Namen ist das ähnlich, lediglich meine Besuchsfrequenz ist aktuell deutlich höher und gegessen habe ich dort bisher auch noch nie etwas, da ich immer nur zum spätabendlichen Trinken eingetrudelt bin. Und gemessen an dem, was da eigentlich immer los ist, wundere ich mich ja bis heute, wie flott, nett und aufmerksam die ganzen Servicekräfte dort immer sind, manch Szene-Gastro-Betrieb in Frankfurt neigt da ja mal schnell zu Arroganz und Unfreundlichkeit. Und nun haben ausgerechnet diese beiden Läden, inmitten dieser medienwirksamen Meldung des Ordungsamtes geschlossen.

Als Normalsterblicher habe ich keinen Plan davon, ob – und wenn, wie – solche Betriebe gekennzeichnet werden, die von Ordnungsamtmaßnahmen betroffen sind, ebenso wenig ob es vielleicht normal ist, dass Gastro-Betriebe für sich selbst Weihnachten – oder sonstwie „betriebsbedingt“ – einfach nur später feiern, weil man das Geschäft zum Jahresende (und Jahresanfang) mitnimmt. Wenn das also vielleicht alles gang und gäbe ist, und nur ich das als Letzter mitbekomme, dann ist jedenfalls der ausgewählte Zeitraum der Überprüfungen, inklusive entsprechender Publikationen, doch schon etwas unglücklich gewählt.

Es wird Zeit, dass man wieder erfährt um welche Betriebe es geht, und das nicht nur um den betroffenen Läden künftig möglicherweise etwas skeptischer zu begegnen, sondern auch um derlei Missverständnisse und Spekulationen zu vermeiden, wie sie auch dieses Mal schon wieder zu vernehmen waren. Einzig die Tatsache, dass die dazügehörige Pressemitteilung bald zwei Jahre alt ist und sich seit dem offenbar nichts getan hat, lässt mich irgendwie an einer „zeitnahen Änderung“ zweifeln.

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Bei Good times for good people auf Facebook kann man sich von der Weihnachtsfeier überzeugen, beim SchöneBerger zweifel ich ebenfalls nichts an, und es soll auch nichts in diese Richtung suggeriert werden. In diesem Sinne: Weiterhin einen Guten Appetit.

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2 Kommentare zu “Hygienemängel in Frankfurter Gaststätten und die fehlende Transparenz

  1. Ich kann deinen Ärger über mangelnde Transparenz bezüglich Hygienemängel verstehen und bin ebenfalls für ein Umdenken auf diesem Gebiet, muss dir aber, als jemand der schon lange in der Gatronomie arbeitet, auch sagen, dass mit einer öffentlichen Brandmarkung von jeglicher Beanstandung erhebliche Probleme verbunden sind:

    1. Die Mängel unterscheiden sich erheblich. Es ist eine große Spanne zwischen Rattenkacke und nicht richtig gekennzeichneter Brandschutztüre. HygieneprüferInnen überprüfen auch Dinge, die überhaupt nichts mit der Gesundheit der Gäste zutun haben. Ich möchte nicht, dass nur wegen einer Brandschutztüre ein Warnaufkleber auf meiner Gaststätte klebt. Ich glaube nicht, dass die Gäste sich die Mühe machen würden, genauer nachzuprüfen, weshalb ein bestimmter Betrieb beanstandet wurde. Und ist er Ruf erst ruiniert, kann man diesen schwer wieder verbessern.

    2. Da die PrüferInnen meistens die selben Personen sind, kommt es viel auf persönliche Sympathie an. Ob z.B. ein Feuerlöscher, der nicht ordnugsgemäß gewartet wurde, beanstandet wird, hängt viel von der Chemie zwischen Wirt und PrüferIn ab. Wenn eine öffentlich einsehbare Beanstandung, in der es letztendlich um die Existenz eines Lokals geht, wegen solchen persönlichen Sympathiene zustande kommt, fände ich dies extrem fatal. In der Gastro-Szene in meiner Stadt gab es beispielsweise einen Prüfer, der als „Linken-Fresser“ bekannt war und jeder Form von „Alternativ-Gastronomie“ unabhängig ihrer hygienischen Situation absurde Beanstandungen bescheinigte. Ich will nicht, dass solche merkwürdigen Vögel dann auch noch darüber entscheiden, ob ich weiter existieren kann.

    Lange Rede kurzer Sinn: Mehr Transparenz ja bitte, aber die öffentliche Brandmarkung von Lokalen sollte gewissen Hürden verbunden sein.

    • stadtkindFFM

      Bin da größtenteils bei Dir. Mir ist auch bekannt, dass es unterschiedliche Kriterien gibt, so wie Du sie auch beschreibst. Als das Portal damals online ging, hatte es aber auch derlei Unterscheidungen drin, zumindest meine ich mich an Formulierungen wie „leicht verschmutzt“, „stark unhygienisch“ o.ä zu erinnern – für mich kam das jedenfalls nicht wie ein öffentlicher Pranger rüber, auch wenn manch einer es so formulierte. Ich würde es aber per se nicht unterschreiben, das eine solche öffentliche Beanstandung zwangsläufig die Existenz kosten muss, siehe unzählige Lebensmittelskandale, Rückrufaktionen usw. Letztlich aber galube ich daran: Man muss selbst einfach immer so gut sein, dass man nicht angreifbar ist und allen Widerständen trotzen kann, vielleicht braucht’s manchmal auch einfach mehr Qualität in den eigenen Reihen, als auf andere Umstände und/oder Personen zu verweisen.

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