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Erró und Kienholz in der Schirn

Die ersten Hinweis zu der Erró-Ausstellung in der Schirn sah ich zu Zeiten, als die Frankfurter Buchmesse mit dem Ehrengast Island vor der Tür stand. Da ich auf dem Plakat zur Ausstellung auch einen „Island-Hinweis“ vernahm, dachte ich zunächst an eine kleine und kurze, die Buchmesse begleitende Ausstellung, zumal nur wenige Meter von der Schirn entfernt im Rahmen von Open Books weitere rund um die Buchmesse betreffende Veranstaltungen stattfanden.

Weiterhin schenkte ich dem offiziellem Werbeplakat der Schirn zur Erró-Ausstellung nicht all zu große Aufmerksamkeit, zumal das darauf abgebildete gefederte Vieh nicht so mein Interesse weckte. Nachdem ich mittlerweile die Ausstellung besuchte, frage ich mich jedoch, wieso ausgerechnet dieses Werk gewählt wurde, um damit für diese Ausstellung zu werben, zumal es deutlich markantere, knackigere und bunterer Werke zu sehen gab und ich mir vorstellen könnte, daß Motive aus diesen Werken durchaus mehr Interesse wecken könnten, statt den auserwählten Vögeln.

erro schirn ffm

Die Ausstellung besteht primär aus großen Bildern einer sogenannten Scapes-Serie, gekrönt durch ein Werk welches auf mind. 10m Breite eine Anhäufung an Comic-Superhelden in Action zeigt, aber auch die Collage die ausschließlich französisch-stämmige Comicfiguren zeigt oder ausschließlich den Silver Surfer und sein Universum thematisiert bieten viel zu entdecken, so daß die Verweildauer vor einem Bild schon ganz beachtlich Ausmaße annehmen kann. In den bisher genannten Beispielen bedient sich der in Island geborene Erró an bereits existierenden Helden, während bei anderen Collagen, (Fische, Vögel, Flugzeuge etc.) wohl der eigenen Kreativität freien Lauf gelassen wurde- zumindest vermute ich das mal. Weiterhin bietet die Ausstellung  deutlich kleinere Werken, bei denen der Künstler bekannte Personen, vorzugsweise aus der Politik, in Portraits mit Figuren aus früher Horrorcomics kreuzt, was zuweilen für ganz interessante Ergebnisse sorgt. Der Eintritt kostet schlappe 5€ und für das, was es da zu sehen gibt, ist das fast geschenkt.

kienholz schirn ffm

Malereien lassen sich in dieser Ausstellung nicht entdecken, dafür Skulpturen und Installationen und im Gegensatz zu der sonst üblichen hellen Beleuchtung im Museum herrscht hier gedämpftes Licht, welches bis auf beim pompösen Werk am Ende der Räumlichkeiten auch hervorragend passt. Vom Beginn an an wirklich bizarr, die Un-men-gen an verschiedenen Jesus am Kreuz-Varianten zum „76 J.C.s Led the Big Charade“-Werk. Bei „The Pool Hall“ kann man zusehen, wie an der Ecke eines Billardtisches im doppelten Sinne des Wortes eingelocht wird, zumal sich das Loch zwischen gespreizten Frauenbeinen befindet, die über die Ecke gehend oberhalb des Tisches angebracht sind. Gespreizte Frauenbeine lassen sich an anderer Stelle, nämlich bei einem Flipper mit Playboy-Theme, ebenfalls entdecken. Wo sich der Schlitz für den Münzeinwurf befindet, dürfte vermutlich weniger schwer zu erraten sein. Weniger frivol, dafür fast schon monumental, ist die Kriegsparade, bei der ich wie gesagt das mit der dunklen Beleuchtung nicht so als gelungen empfand. An dieser als „The OzymandiasParade“ betitelten Arbeit kann man am Rande des verspiegelten und mit knapp 700 in Landesfarben blinkenden Glühbirnen bestücktem Podests jenseits der großen Figuren unglaublich viel Klein-klein entdecken.

In Summe lässt sich feststellen, daß mit Sexualität, Gewalt, Krieg, Religion und auch Rassismus Themen angegangen wurden, die selbst in der heutigen Zeit noch anstößig wirken können- vielleicht auch einfach aus der Tatsache heraus, daß das thematisieren von und auseinandersetzen mit bestimmten Problemen in vergangenen Zeiten nicht gleichbedeutend damit ist, daß jene wirklich aus der Welt geschaffen wurden.

Kienholz- Die Zeichen der Zeit läuft noch bis zum 29. Januar 2012, ein Video dazu hier.

3 Kommentare

    • Haha, okay, so ist das mit den Geschmäckern, righty-right. Ich glaub mit Tieren in Kunst hab ich’s generell nicht so.

      • universaldilletant sagt

        Apropos: „In den bisher genannten Beispielen bedient sich der in Island geborene Erró an bereits existierenden Helden, während bei anderen Collagen, (Fische, Vögel, Flugzeuge etc.) wohl der eigenen Kreativität freien Lauf gelassen wurde- zumindest vermute ich das mal.“ Auch bei den Vögeln bedient er sich konkreter Vorlagen und weniger der eigenen Kreativität. Ob allerdings die dort versammelten, Enten, Gänse und Eulen existierende Helden sind…? Aber wenn ich das richtig verstanden habe, hat er zu seinen Scapes jeweils Collagen aus Bildchen gemacht und siese dann groß abgemalt – also durchaus auch richtige Vogelvorlagen.

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