Bester TV-Moment 2012: Olli Schulz bei Roche und Böhmermann

Olli Schulz war in der letzten Folge von Roche und Böhmermann auf ZDF kultur einer von mehreren Gästen und hielt zwischenzeitlich eine Rede, in der er sich u.a. zu den Befindlichkeiten von Musikern und dem Verhalten von Fans äußert – und zu den Böhsen Onkelz:

„Die Böhsen Onkelz, das ist der dümmste Rotz an deutscher Musik… die sind einfach scheiße.“ (Olli Schulz)

Bei dieser Folge ist mir bewusst geworden, dass dieses Format, das mich bisher noch nicht wirklich überzegte, doch schon sehr stark von der Qualität der Gäste abhängig ist – gestern im Besonderen Olli Schulz, aber auch ein Markus Kavka (ab heute beginnt übrigens die neue Staffel seines Talks Number One) und, surprise, Micaela Schäfer wussten zu überzeugen.

Hier geht’s zum besagten → Ausschnitt aus der Sendung.

12 Kommentare zu “Bester TV-Moment 2012: Olli Schulz bei Roche und Böhmermann

  1. i love it.was sagst du zur vorherigen sendung?

  2. Doppel-Dank für das Video:
    – Ich hab die Sendung bisher genau einmal gesehen – letzte Woche, die Sendung mit Max Herre, und ich fand das Ganze einfach nur affig, grottig, prätenziös und doof. Scheint also wirklich so zu sein, dass die Runde – wie du sagst – von den Gästen lebt.
    – Ich kannte bisher Olli Schulz noch nicht, jetzt also doch (sehr feiner Auftritt!)
    Ansonsten: Bin in der Lage eine Banane selbstständig zu öffnen, und bekenne hier trotzdem freimütig: Ich finde Rammstein – obwohl um die inzwischen ja auch eine Art Heiliger Gral errichtet worden ist – einfach nur ätzend. Man MUSS sie cool finden. Nö. Muss man nicht :-)

    • Olli Schulz ist mir ehrlich gesagt bisher nur aus der Sendung NeoParadise bekannt, aber werde ihn nach diesem tollen Auftritt im Auge behalten. Ich mag übrigens weder Rammstein, noch die Onkelz- wobei, die sogar noch viel weniger.

  3. Da bin ich jetzt aber beruhigt, dass ich nicht der Einzige bin, der dieser Sendung bisher nicht so viel abgewinnen konnte. Liegt vielleicht am aufgesetzen Verhalten und dem ganzen Format mit den Filtern. So eine Art Talkshow für die Generation Instagram.

    Oli Schulz, ja, das fand ich auch nett. Wobei ich aber sein Onkelz bashing dümmlich fand, weil bei Rammstein doch genau so eine Nummer gefahren wird (mit den dämlichen Fans, auf dass man da nicht mehr ernsthaft Fan sein kann). Aber beide Acts sind auch wirklich so passé. Oder?

    • Ich befürchte, dass solche Bands hierzulande nie so wirklich passé sein werden.

      • Ich denke, man muss ganz deutlich zwischen Rammstein und den Onkelz unterscheiden. Rammstein verkaufen ihr Produkt seit jeher eher als ironische Kunstform und spielen absichtlich mit einigen Stereotypen deutscher Vergangenheit. Zudem gibt es von keinem Mitglied der Band Anhaltspunkte, die auf eine rechte Gesinnung schließen lässt. Eher das Gegenteil ist der Fall. Medien, die diesbezüglich die Behauptung aufstellen, recherchierten meisten inakurat und arbeiteten mit Unterstellungen, die keinen Beweisen standhielten. Die größte Diskussion darüber gab es nach dem Video „Stripped“ von Rammstein, einer Coverversion des Songs von Depeche Mode, in dem Rammstein einige Videopassagen von Leni Riefenstahls Film zu den Olympischen Spielen 1936 nutzte.

        Die Onkelz sind jedoch ein ganz anderes Thema. Bei diesen gab es aus früherer Zeit ohne Frage rechte Songtexte, wenngleich diese aus einer Zeit stammten, in denen die meisten Bandmitglieder selbst nicht mal volljährig waren. Im Verlaufe der Zeit gab es allerdings immer wieder Stellungnahmen, die aufzeigen sollten, dass die Band keine rechte Gesinnung teilt. Bei den meisten ehemaligen Bandmitgliedern, insbesondere bei Stephan Weidner, bin ich davon auch überzeugt und deckt sich mit dem, was ich über die Jahre aus seinem Umkreis hörte. Bei Kevin Russel, dem ehemaligen Sänger der Onkelz, würde ich dies allerdings stark bezweifeln.

        Aber gut…einen Punkt, den Olli Schulz ja explizit genannt hat, ist sowieso deren Musik. Und genau da liegt der Hund begraben. Die Messages, insbesondere bei den Texten der Onkelz, haben meist etwas „trennendes“, in dem die Fans der Band und die Band selbst gegen eine Außenwelt zu kämpfen haben. Und genau das ist das Gefühl, dass vielen Fans gefällt, damit die Kassen klingeln lässt und sie gleichzeitig von anderen Teilen der Gesellschaft entrückt. Und genau dieses Instrument der Gruppenbildung durch eine Band mahnt Olli Schulz auch an und hält selbiges für nicht förderlich, zumal es in der Tat so ist, dass die Band zwar Musik machte, jedoch keine wirkliche Lebenshilfe anbot. Wie auch.

        Ich habe zu beiden Bands ein zwiespältiges Verhältnis. Während ich bei Rammstein durchaus den künstlerischen und ironischen Ton anerkenne, ich gleichzeitig aber den Gesang überhaupt gar nicht abkann (auch, weil ich Lindemann schlicht für einen schlechten Sänger halte, unterdurchschnittliches Englisch nicht mag und das rollende „R“ verstörend finde) und somit genau ein Lied von ihnen auf meiner Festplatte habe (die Coverversion des Depeche Mode-Songs „Stripped“), liegt die Sache bei den Onkelz etwas anders. Hier habe ich vier Songs auf meinem Rechner, die ich heute noch als „über dem üblichen Onkelz-Standard“ bezeichnen würde und die auch nicht das übliche „Geschrei“ enthalten. Vier von insgesamt über 100 Liedern. Das übliche „Geschrei“ ist übrigens auch genau der Punkt, der mich neben den oben aufgezählten Punkten am meisten stört. Die Stimme von Russel ist seit jeher ein Graus für mich und die meisten Songs dadurch kaum hörbar.

        JKE, du fragtest ja, ob die beiden Bands nicht schon längst passé sind. Leider hat Rob mit seiner Antwort da völlig recht. Insbesondere die Onkelz wirst du so schnell nicht aus dem Kopf vieler jugendlicher Generationen bekommen. In der Großstadt? Vielleicht schon. Im Stadion? Größtenteils auch. Auf dem Land? Definitiv nicht.
        Wie ich vielleicht wisst, komme ich ja ursprünglich aus einer etwas ländlicheren Gegend und bin als Jugendlicher immer wieder mit Onkelzdauerbeschallung konfrontiert worden. Hier ist deren Musik immer noch tief verwurzelt und findet bei immer neuen Generationen großen Anklang. Und das ist in gewisser Weise kurios, gibt es die Band doch schon mehrere Jahre nicht mehr. Trotzdem: Mir ist aufgefallen, dass die Affinität zur Band oftmals vom älteren Bruder oder Vater auf die Söhne weitergegeben wird und die diesen „Kult“ dann für sich neu entdecken. Es scheint in der Tat eine Art deutsch-ländliches Phänomen zu sein, auf das männliche Jugendliche in der Phase ihrer Identitätsfindung anspringen. Zwar kann man zum einen sagen, dass man ja froh sein könne, dass die Jugendlichen solche Musik und nicht „[Bandname]“, „[Bandname]“ und andere klar rechte Bands „hören“, doch wäre mir andererseits generell lieber, dass unsere Jugendlichen zu einer kreativeren und sinnvolleren Art der Musik tendieren würden. In Zeiten von LaFee, DSDS-DIngbums-Star XY, Ptibull und David Guetta ist aber auch dies nicht ganz einfach. ;)

        Eins noch: Ein weiteres Indiz dafür, dass diese Art der Musik nicht so schnell verschwinden wird ist, dass sich nun mit „[Bandname]“ eine Band anschmiegt, die Fans der Onkelz abzugreifen und selbst einen neuen Kultstatus zu etablieren. Ausverkaufte Konzerte in ganz Deutschland sprechen dafür, dass ihnen dies gelingt. Dafür sorgen natürlich auch einige Stories, die ihre Nähe zu den Onkelz näher dokumentieren und andere Schlagzeilen, die den rechtsgeneigten Jugendlichen aufhorchen lassen.

        Abschließend will ich noch auf einen Punkt eingehen, den ich ebenfalls sehr bemerkenswert fand und zwar, dass Markus Kavka seine Problematik mit Bushido deutlich gemacht hat.
        Genau diesen Punkt sollte man ebenfalls nicht vernachlässigen, denn wie Olli so schön sagt, bauen sich diese Rapper mit ihrer Gefolgschaft ebenfalls eine Wand, gegen die man heutzutage nicht mehr so einfach ankommt. Das Bushido ansich sowieso schon viel zu viel Einfluß in Berlin und allgemein in Deutschland hat und ein Netzwerk besitzt, dass tief in illegale Machenschaften verstrickt ist, ist ja mehrfach belegt worden. Ebenfalls keine schöne und nicht minder gefährliche Entwicklung.

        So, jetzt bin ich aber still. :D

    • @Marvin Viele Dank für den ausführlichen Kommentar. Ich habe jedoch die Namen des Who-is-who des Rechts-außen-Rocks entfernt.

      Rammstein ist vielleicht nicht mit den Böhsen Onkelz gleichzustellen, aber doch eine Band die mit der Rechts-Außen-Szene kokettiert- ob im von Dir angesprochenen Video, durch diese ganz „bestimmte“ Phonetik die in den Songs eingesetzt wird, aus ideologischer Sicht, aus Aufmerksamkeit und Publicity oder um Fans (= Umsatz in Musikkauf & Merchandise) zu generieren spielt für mich dabei nur eine untergeordnete Rolle- allein der Fakt, sich an dieser Grenze zu bewegen zeigt mir, dass das Bananenbeispiel von Olli Schulz nicht zwangsläufig nur auf die Fans der Band umzulegen ist. So Aufnahmen wie in Stripped benutzt man nicht mal eben so. Das ist wie vor Gericht, wenn es heißt: „Streichen Sie die letzte Bemerkung“. Gehört hat sie jeder und alle wissen Bescheid. Mit einer offensiveren Weise wie Sie die Onkelz seinerzeit pflegten (m.E. übrigens völlig egal ob jemand dabei minder-. oder volljährig ist) könnten sie heute nur wenig über diese Szene hinaus punkten, subtil hingegen aber auch weltweit- und davon haben Rammstein m.E. Gebrauch gemacht- egal ob die Künstler dabei selbst hinter der Sache stehen oder nicht.

      Zu Bushido habe ich mal eine (Spiegel TV?-)Reportage gesehen, in der gezeigt wurde, dass er über zwei oder drei Ecken Connections zu Leuten hat(te), die kriminell sind- auch im größerem Stil, aber was ihn selbst betraf war das, so weit ich mich erinnere, nicht so spannend. Nichtsdestotrotz, als er noch nicht so im Rampenlicht stand, fand ich seine Musik sowieso besser, heute interessiert er mich mind. so sehr wie die zuvor hier erwähnten Bands.

      Dieser „Ankämpfen gegen eine Außenwelt“-Attitüde kann ich eigentlich durchaus was abgewinnen, ich würde viele Texten von Moses Pelham, meinem Lieblingskünstler, auch in diese Schublade stecken,-der Nicht Beachtete, der Unterschätzte, der Underdog, der den man nicht verstand usw. aber: Er ist wiederum der Beweis, dass das ach geht, ohne unter ein gewisses Niveau zu rutschen.

      • Aha, dein Lieblingskünstler ist Moses Pelham.

        Der ist übrigens Fan der Onkelz und wurde von denen Ende der 80er maßgeblich beeinflusst (was das Singen in deutscher Sprache betrifft), hing öfters mit denen ab, äußerte sich im Lauf der Jahre immer verteidigend und positiv über die, saß 2005 beim Abschlusskonzert von Weidner&Co. im VIP-Bereich, ist auf der ‚Vaya Con Tioz‘-DVD der Onkelz mit ’nem kleinem Interview am Start … und das alles als Schwarzer und trotz ihrer „Rechts-Außen“-Gesinnung und musikalischen Niveaulosigkeit.

        Hm? Irgendwie lustig. :)

        • Muss ich Moses P. jetzt doof finden, weil er- im Gegensatz zu mir- den Onkelz was abgewinnen kann? Oder muss ich die Onkelz jetzt gut finden, weil er sie auch gut findet? Ehrlich, ist doch egal, denn so wie es Olli Schulz im Video sagt, dass der Sänger der Onkelz niemals Dein Leben richten wird, so wenig wird dies auch Moses Pelham tun. Ich mag seine Musik, deswegen muss ich nicht alles an ihm, seine Ansichten, Freunde usw. mögen. Wenn er, wie übrigens auch Sven Väth, der Meinung ist über die Vergangenheit der Band hinwegsehen zu können, dann gehört er eben zu den vielen anderen Menschen, die das genau so sehen. Ich werde jedenfalls niemals einer davon sein.

      • Mir ging und geht es hier nicht ums Jetzt-Doof-Finden, Alles-Toll-Finden oder Vergöttern von jemanden, sondern ums grundsätzliche Bewerten von Menschen und um den Weg dahin. Denn wenn man Menschen bewerten will, und das tust du ja, wenn du die Onkelz (vielleicht inkl. aller Fans) in die Nazi-Ecke schiebst, dann sollte man sich aber auch etwas dabei abverlangen, um zu einer halbwegs gerechten Einschätzung zu kommen.

        Und wenn sich z.B. der von dir geschätzte Moses Pelham (wobei es noch genügend andere Leute und anderes Material gibt, was man heranziehen könnte) als typisch-mögliches Opfer rechtsradikalen Denkens und Handelns seit Jahrzehnten zu den Menschen bekennt, die du hier angreifst, als rechts darstellst und die er dazu auch noch besser kennt als du, dann kann das einen aber auch mal zum Nach- und Neudenken anregen, anstatt im nutzlosen, oberflächlichen Stillstand-Moralismus zu verharren und Menschen dabei jede moralische und geistige Entwicklung abzusprechen. Und das hat nichts mit „über die Vergangenheit wegsehen“ zu tun, sondern viel mehr diese mit einzubeziehen. Aber das haben ’ne Menge Onkelz-Kritiker ja sowieso nie verstanden, Hauptsache es gibt Applaus und Schulterklopfer für die scheinheiligste, flachste und faulste Moral und Beurteilung.

        Was erhofft man sich und für was kämpft man denn, wenn man gegen dumme Leute mit Drecks-Gedankengut vorgeht? Dass diese sich ins Positive ändern und keine Gefahr mehr sind und für nicht noch mehr Idioten sorgen, oder habe ich diesbezüglich irgendetwas nicht verstanden? Und dann gibt es welche, denen das sogar aus innerem Antrieb gelungen ist (wobei sie nicht mal typisch rechts waren, außer Russell), sich gegen Rechts positionieren und was macht man: man blockt sie trotzdem ab und grenzt sie aus und stellt sie weiterhin als Faschos dar. Echt toll! Auch strategisch verdammt genial, aber so richtig.

        • Zunächst einmal möchte ich feststellen, dass nicht ich die Onkelz in die von Dir angesprochene Ecke geschoben habe- das haben sie nämlich ganz früh in ihrer Karriere bereits selbst getan.

          Und allein aus diesem Grund, käme es für mich niemals in Frage, mich überhaupt weiter mit der Musk dieser Band auseinanderzusetzen. Wenn es Menschen gibt, denen der „musikalische Werdegang“ der Band bekannt ist und es dennoch- oder gar genau deswegen- tun, dann gibt mir das schon sehr zu denken.

          Um auf Deinen Einwand bezüglich „nutzlosen und oberflächlichen Stillstand-Moralismus“ einzugehen: Ich überprüfe immer meine Positionen, lasse mich aber auch mal gerne überzeugen- dafür braucht es jedoch auch Argumente die greifen und da Dir ja „’ne Menge Onkelz-Kritiker“ bekannt sind weißt Du ja auch demnach selbst, dass diesbezüglich offenbar nicht alles so harmlos ist, wie Du es versuchst darzustellen.

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