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Ausstellung zum Bahnhofsviertel im Institut für Stadtgeschichte

Das Institut für Stadtgeschichte präsentiert seit dem 28. Mai 2018 die Ausstellung „Banker, Bordelle und Bohème – Stationen der Geschichte des Bahnhofsviertel“.

Drogen, Gentrifizierung, Multikulti, Nightlife und Prostitution dürften heutzutage die gängigsten Begriffe sein, mit denen man konfrontiert wird, wenn das Bahnhofsviertel thematisiert wird. Doch besonders seitdem der Begriff Gentrifizierung in aller Munde ist, vernimmt man immer öfter auch Stimmen, die auf Zeiten verweisen, in denen das Bahnhofsviertel als ein modernes Vorzeigeviertel Frankfurts galt. So auch Horst Mahler. Dieser betreibt seit 2005 das Hammermuseum in der Münchener Straße und sieht in der Aufwertung eine Rückbezug auf die Historie. [Es dreht sich halt jeder das Rad der Zeit soweit zurück, wie es einem beliebt.] Die Historie des Bahnhofsviertels reicht natürlich viel weiter zurück und beginnt in der Ausstellung mit dem Hochgericht auf dem Galgenfeld.

Bahnhofsviertel-Ausstellung im Institut für Stadtgeschichte

Schon um 1900 erstreckte sich entlang der Taunusanlage das sogenannte „Bankenviertel“. In der Kaiserstraße und ihren Parallelstraßen befanden sich zahlreiche Läden für die Nahversorgung der Bewohner des Bahnhofsviertels. Im Vergleich zu anderen Stadtteilen verfügte das Bahnhofsviertel über eine hohe Dichte an Cafés, Hotels, Restaurants und sonstigen Vergnügungsetablissements. Das heutige „Moseleck“ eröffnete 1900 als „Landsturmeck“.

Bahnhofsviertel-Ausstellung im Institut für Stadtgeschichte

Mit antisemitischen Sprüchen, Karikaturen und Darstellungen bewarb Hermann Laass in zwei Postkartenserien sein „judenfreies“ Hotel. (Um 1900)

Bahnhofsviertel-Ausstellung im Institut für Stadtgeschichte

An der Ecke Kaiserstraße/Moselstraße prägte für Jahrzehnte die Fischer-Stube das Nachtleben. Diese galt in den Nachkriegsjahrzehnten als Inbegriff des verrufenen Bahnhofsviertel. (Foto um 1956)

Bahnhofsviertel-Ausstellung im Institut für Stadtgeschichte

In die zunehmend heruntergekommenen Wohnungen zogen meist Gastarbeiter: zunächst Griechen, Italiener, Jugoslawen und Spanier, dann Türken und ab den 1970er Jahren vermehrt Asiaten und Nordafrikaner, wodurch sich auch die Angebote im Einzelhandel und bei Restaurants änderten.

Bahnhofsviertel-Ausstellung im Institut für Stadtgeschichte

Der „Stadtplan für Männer“ war ein Wegweiser, der Männer zu „interessanten Vergnügungsstätten“ führte. Rote Punkte markierten käufliche Liebe, blaue Amüsierbetriebe und gelbe Treffpunkte für Homosexuelle. (Um 1978)

Insgesamt werden 24 Stationen präsentiert, zumeist mit textlastigen Tafeln, aber auch mit in Vitrinen platzierten Gegenständen. Der Eintritt ist frei.

Parallel zur Ausstellung finden von September 2018 bis März 2019 auch einige Veranstaltungen, zumeist Vorträge, statt. Die Ausstellung selbst geht bis zum 7. April 2019.

Institut für Stadtgeschichte im Internet: WebsiteTwitterFacebook