Arte-Doku: Welcome to the 90s – Das goldene Jahrezehnt der Hip-Hop-Kultur

Im Rahmen der “Summer of the 90s”-Themenwochen bei Arte wurde gestern der vierte Teil der Doku-Reihe “Welcome to the 90s” gezeigt: Nach “Dance Culture“, “Boygroups und Girlbands” und “Come as you are- Grunge, Riot Grrrl, Britpop, Nu-Metal” wurde der Hip-Hop der 90er-Jahre beleuchtet. Die Sendung ist nun für sieben Tage in der Arte-Mediathek abrufbar.

Wie bereits bei den vorherigen Sendungen ist es wahrlich schwer, Material für ein ganzes Jahrzehnt zufriedenstellend für alle zusammenzustellen. In “Das goldene Jahrzeht der Hip-Hop-Kultur” geht es daher zum Beispiel hauptsächlich um den us-amerikanischen Hip-Hop, die Bewegung in Frankreich und Deutschland bekommen nur extrem wenig Sendezeit eingeräumt, Großbritannien, welches sich gerade Anfang der 90er-Jahre mit Hijack oder Silver Bullet Gehör verschaffte, findet gar nicht erst statt. Etwas überrascht bin jedoch auch bei der Auswahl der Protagonisten aus den USA, wo Künstler wie Public Enemy, Beastie Boys oder auch Jay Z überhaupt nicht vorkommen und 2 Pac und Notorious BIG nur im Zusammenhang mit dem East Coast vs. West Coast-Konflikt thematisiert werden.

Nichtsdestotrotz sind die knapp 60 Minuten eine nette kleine Zeitreise, u.a. mit dem Wu-Tang-Clan, NWA, Ice Cube, Dr. Dre, Snoop Doggy Dogg, Warren G, Cypress Hill, Ice-T/Bodycount, De La Soul, Nas, Mary J. Blige, Lauryn Hill und Lil’ Kim. Weiterlesen

Kollektiv FFM

Da habe ich über Monate hinweg in den Straßen diese kleinen quadratischen Sticker mit dem “k” gesehen und konnte nie etwas damit anfangen. Vor wenigen Wochen dann entdeckte ich genau dieses “k” zufällig auf Soundcloud. Musik also, Hip Hop um genau zu sein, vorgetragen in deutscher Sprache und aus Frankfurt, vom kollektiv_ffm.

Die Songs, auch wenn manche von ihnen leider nur eine sehr kurze Laufzeit haben und zumindest für jemanden wie mich, der dieses Deutschrap-Dingens nicht mehr ganz so im Blick hat, klingen für die heutige Zeit eher unüblich und erinnern an einiges von früher, Anfang/Mitte der 1990er Jahre, als das alles erst ins Rollen kam, was mir persönlich aber sehr gut gefällt. Weiterlesen

Interview mit Tone bei 16bars

Am 30. August 2013 ist es endlich soweit. Vier Jahre nach seinem letzten Album “Phantom” veröffentlich Deutsch-Rap-Legende Tone wieder ein neues Album. Da das Genre des Deutschrap nunmehr auch schon über zwei Jahrzehnte existiert ist es immer wieder schön wenn sich, neben all dem belanglosen Brudi-Gedönes, Möchtegern-Stylern und Hitparaden-Rap-Singsang, die alte Garde aufmacht und völlig unaufgeregt Klasse und Inhalte in den Mittelpunkt des Schaffens rückt. Aber das ist eben der Unterschied zu all denen, die “das Mikro nur die Hand nehmen um sich aufzuspielen’” und denen, die den Weg gewiesen und das Genre nachhaltig geprägt haben- wie zum Beispiel ein Moses Pelham. Oder eben ein Tone, welcher kürzlich 16bars für ein Interview zur Verfügung stand. Zu erzählen ham’se alle was, zu sagen nur die wenigsten. Check. Weiterlesen

Chabos wissen wer der Babo ist. Chayas auch.

Vor wenigen Wochen erst bin ich auf die Zecken-Variante der TickTickBoom-Crew von “Chabos wissen wer der Babo ist” aufmerksam geworden. Während sich diese Version musikalisch dem Original von Haftbefehl annimmt, aber mit anderen Texten aufwartet, ist es bei der Version von Meltem Acikgöz a.k.a. Melody genau umgekehrt. Mir gefällt die Idee, mit dem selben Text einen anderen musikalischen Kontext zu generieren. Ähnliches bekommt man beim Jazz sehr häufig zu hören. Passt in diesem Fall natürlich kein’ Meter, aber das macht’s ja irgendwie interessant und witzig zugleich. Ich denke in Sachen UGC gab es zudem schon deutlich schlimmere Sachen auf YouTube.

RIP Tim Dog

tim-dog-do-or-die

Wie gestern gemeldet wurde, ist Tim Dog im “Alter” von 46 Jahren gestorben. Tim Dog war ein US-Rapper aus der Bronx, New York City, der Anfang der Neunziger Jahre als Vertreter der Eastcoast sich in mehreren Songs, mit Ausnahme von Ice-T und Ice Cube, gegen den Westcoast-Rap, speziell gegen N.W.A., Eazy-E und Snoop Doggy Dogg, stellte. Direkt mit seinem ersten Album ging er u.a. mit dem Song “Fuck Compton” auf Konfrontationskurs und erlangte mit diesem auch heute noch genutzten Stilmittel, bereits bekannte Größen zu dissen, schnell Aufmerksamkeit.  Weiterlesen

Deutschrap aus Mainz: Luk & Fil – All that glitter ain’t soul

Deutschrap begeistert mich schon länger nicht mehr so wie früher, was daran liegt, dass mir irgendwie zu viel Asi-Rap zu Ohren kommt. Dieser hat durchaus seine Daseinsberechtigung und oftmals mag ich den auch, ist auf Dauer aber eben auch gerne mal sehr einseitig in der Themenauswahl. Ein Gegenpol dazu ist irgendwie zu einer ganz seltenen Ausnahme geworden und damit meine ich nicht die hippen Chartbreaker á la Cro, Marteria und wie’se alle heißen und auch gar nicht negativ gemeint sein soll, sondern Rap der etwas deeper ist, auch mal wieder Überraschungen bietet, fresh daherkommt und bei all dem auch zu gefallen weiß.

Das am 5. November 2012 auf Sichtexot erschienene Debutalbum “All that glitter ain’t soul” von den noch sehr jungen Mainzern Luk & Fil erfüllt glücklicherweise für mich nach einer langen Durststrecke diesen Anspruch.

Weiterlesen

Live: Caser Nova + Fuego Fatal auf der Zeil

Die Straßenmusikanten auf der Zeil mag ich eigentlich, langweilig wenn es sie nicht gäbe, auch wenn sie punktuell mal über’s Ziel hinausschießen. Zum Besipiel wenn man irgendwann merkt, daß das Repertoire sich offenbar auf maximal fünf Stücke beschränkt und Du weißt, daß gleich noch die Klarinette dazu kommt, wenn der Trommler mit seinem Solo fertig ist… Ihr kennt das.

Heute wird es am Karstadt auf der Zeil zu zwei Auftritten von Caser Nova mit Fuego Fatal kommen.

Um 13Uhr, wo andere samstags noch frühstücken, wird andernorts schon gerappt. Wem das zeitlich zu knapp ist, der hat bei einem 2. Gig um 18.00 Uhr aber nochmals die Gelegenheit, die Lauscher aufzuspannen und mal ganz andere Art von Straßenmusik in der Frankfurter Innenstadt zu hören. Warum eigentlich nicht öfter?

Moses Pelham – Ich lass’ Dich nicht zurück

Da ist es endlich, das lang angekündigte Lebenszeichen von Moses Pelham, das Video zu “Ich lass´ Dich nicht zurück”, dem Vorboten und Album-Opener von Moses Pelham’s am 9-11-2012 erscheinendem Album “Geteiltes Leid 3″.

Unter dem Video auf dem YouTube-Channel von 3pTV teilt Moses Pelham mit:

“Ich lass´ Dich nicht zurück” ist keine Singleauskopplung, sondern eine Nachricht von einem Menschen an den nächsten, ein Geschenk. Persönlich und intim.

Erstes mal gehört: Hm. Zweites mal gehört: Ah ja. Drittes mal gehört: Grinsen. Viertes mal gehört: Umarme den Monitor vor Freude. -> Zum Video. <-

Doppelpack von Tone

Der aktuelle Song “Diese Stadt“ von Nea featuring Tone dreht mittlerweile seit einigen Tagen seine Runden im Netz und ist binnen kurzer Zeit ein weiteres Lebenszeichen von Tone, immer noch ein Garant für gute Rhymes in deutscher Sprache.

Mein persönliches Highlight von, bzw. mit Beteiligung von Tone ist immer noch das Album “Reim, Rausch und Randale“, welches 2001 veröffentlicht wurde und noch aus seiner Konkret Finn-Zeit stammt. Das Album war seinerzeit der erste Release auf Def Jam Germany und gespickt mit zwischen 1991 und 1996 entstanden Highlights deutschen Hip-Hops.

Zum Video:Diese Stadt

Vermutlich weil ich derzeit den Eindruck habe, mittlerweile für mein Leben genug Frankfurt-so-krass-hart-beste-usw-Rapsongs gehört zu haben, bin ich zur Zeit irgendwie etwas mehr für Tone´s Feature bei „Was’n los jetzt hier?“ mit Magic zu begeistern, den ich nur wenige Tage vor “Diese Stadt“ entdeckte. Als Kulisse im Video dient übrigens die Unterführung entlang des Kaiserleikreisels in Offenbach, wo nochmals einige Werke vom Living Walls 2011- Colour Alliance- Projekt zu sehen sind.

Zum Video:Was’n los jetzt hier?

Cover my Song auf VOX

Gestern entdeckte ich beim Zappen auf Vox die Sendung Cover my song. Da die Sendung so wirkte, als habe sie erst vor wenigen Momenten begonnen entschied ich mal dran zu bleiben- zugegebenermaßen mit geringen Erwartungen, da Vox nicht wirklich zu den Sendern zählt, bei denen ich regelmäßig rein schaue und somit einen hinteren Platz bei meiner Programmbelegung abbekommen hat.

Bei Cover my Song geht es darum, daß zwei Künstler bzw. Musiker aufeinandertreffen und sieben Tage Zeit haben einen bestimmten Song des anderen zu covern, d.h. neu zu interpretieren. Dass es sich hierbei jeweils um Künstler aus dem Schlager- und dem Hip-Hip-Bereich handelt, macht die Aufgabe interessanter, scheinen doch gerade diese beiden Genres in allem was sie auszeichnet generell ziemlich weit auseinander zu liegen und Zusammenarbeiten wie seinerzeit (2008) von Bushido und Karell Gott eher die Ausnahme darstellen. Auf Seiten des Schlagermileus wurden (einstige) Größen für die Sendung gewonnen, während auf Seiten der Rap-Welt auf eher aufstrebende Artists gesetzt wurde. Vermittler ‘zwischen den Welten‘ ist Dennis ‘Denyo’ Lisk, einst Partner von Jan Delay bei Absolute Beginner, die der breiten Masse vermutlich am ehesten noch durch den Song „Liebeslied” ein Begriff sind.

Das Beste an diesem Format finde ich jedoch, daß nicht nur musikalisch zwei Welten aufeinander prallen, sondern auch unterschiedliche Generationen. Dabei gefällt mir besonders der respektvolle Umgang miteinander- sowohl wie die Künstler miteinander umgehen wie aber auch gegenüber der Musik des anderen, mit der man sich ja sonst jenseits dieses Fernsehprojekt vermutlich eher seltener auseinandersetzt. Beide Seiten sind sehr profihaft bei der Sache, wollen den Song in ihre musikalische Welt transportieren und dabei dennoch die Seele des Originals nicht herschenken- wenn schon Songs covern, dann genau so.

Gestern lief bereits die vierte Folge der sich an dem niederländischen Vorbild orientierenden Sendung und Schlagersängerin Ingrid Peters traf auf Rapper Dr. Knarf.

________________________________________________________________

„Komm doch mal rüber“-> Original by Ingrid Peters -> Coverversion by Dr. Knarf

“8 Takte“-> Original by Dr. Knarf -> Coverversion by Ingrid Peters

________________________________________________________________

Die Sendung gefällt mir gut, sie ist ein Musikformat im Fernsehen, daß mal ohne Jury- und Publikum auskommt, dafür aber eben nicht ohne Niveau, zumal hier das künstlichere Schaffen im Vordergrund stellt- was recht einfach ist, weil man es nicht mit irgend-welchen Castingshowopfer zu tun hat. In den bisherigen Sendungen trafen Michael Holm auf Kitty Kat, Katja Epstein auf JokA und Chris Roberts auf MoTrip. Die Sendung läuft Dienstags auf Vox gegen 22.15 Uhr.