Interview mit Tone bei 16bars

Am 30. August 2013 ist es endlich soweit. Vier Jahre nach seinem letzten Album “Phantom” veröffentlich Deutsch-Rap-Legende Tone wieder ein neues Album. Da das Genre des Deutschrap nunmehr auch schon über zwei Jahrzehnte existiert ist es immer wieder schön wenn sich, neben all dem belanglosen Brudi-Gedönes, Möchtegern-Stylern und Hitparaden-Rap-Singsang, die alte Garde aufmacht und völlig unaufgeregt Klasse und Inhalte in den Mittelpunkt des Schaffens rückt. Aber das ist eben der Unterschied zu all denen, die “das Mikro nur die Hand nehmen um sich aufzuspielen’” und denen, die den Weg gewiesen und das Genre nachhaltig geprägt haben- wie zum Beispiel ein Moses Pelham. Oder eben ein Tone, welcher kürzlich 16bars für ein Interview zur Verfügung stand. Zu erzählen ham’se alle was, zu sagen nur die wenigsten. Check. Weiterlesen

Chabos wissen wer der Babo ist. Chayas auch.

Vor wenigen Wochen erst bin ich auf die Zecken-Variante der TickTickBoom-Crew von “Chabos wissen wer der Babo ist” aufmerksam geworden. Während sich diese Version musikalisch dem Original von Haftbefehl annimmt, aber mit anderen Texten aufwartet, ist es bei der Version von Meltem Acikgöz a.k.a. Melody genau umgekehrt. Mir gefällt die Idee, mit dem selben Text einen anderen musikalischen Kontext zu generieren. Ähnliches bekommt man beim Jazz sehr häufig zu hören. Passt in diesem Fall natürlich kein’ Meter, aber das macht’s ja irgendwie interessant und witzig zugleich. Ich denke in Sachen UGC gab es zudem schon deutlich schlimmere Sachen auf YouTube.

RIP Tim Dog

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Wie gestern gemeldet wurde, ist Tim Dog im “Alter” von 46 Jahren gestorben. Tim Dog war ein US-Rapper aus der Bronx, New York City, der Anfang der Neunziger Jahre als Vertreter der Eastcoast sich in mehreren Songs, mit Ausnahme von Ice-T und Ice Cube, gegen den Westcoast-Rap, speziell gegen N.W.A., Eazy-E und Snoop Doggy Dogg, stellte. Direkt mit seinem ersten Album ging er u.a. mit dem Song “Fuck Compton” auf Konfrontationskurs und erlangte mit diesem auch heute noch genutzten Stilmittel, bereits bekannte Größen zu dissen, schnell Aufmerksamkeit.  Weiterlesen

Deutschrap aus Mainz: Luk & Fil – All that glitter ain’t soul

Deutschrap begeistert mich schon länger nicht mehr so wie früher, was daran liegt, dass mir irgendwie zu viel Asi-Rap zu Ohren kommt. Dieser hat durchaus seine Daseinsberechtigung und oftmals mag ich den auch, ist auf Dauer aber eben auch gerne mal sehr einseitig in der Themenauswahl. Ein Gegenpol dazu ist irgendwie zu einer ganz seltenen Ausnahme geworden und damit meine ich nicht die hippen Chartbreaker á la Cro, Marteria und wie’se alle heißen und auch gar nicht negativ gemeint sein soll, sondern Rap der etwas deeper ist, auch mal wieder Überraschungen bietet, fresh daherkommt und bei all dem auch zu gefallen weiß.

Das am 5. November 2012 auf Sichtexot erschienene Debutalbum “All that glitter ain’t soul” von den noch sehr jungen Mainzern Luk & Fil erfüllt glücklicherweise für mich nach einer langen Durststrecke diesen Anspruch.

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Moses Pelham mit Songs aus “Geteiltes Leid 3″ bei TV Noir

Am Freitag war es so weit und Moses Pelham hat endlich sein neues Album “Geteiltes Leid 3″ veröffentlicht. Wenige Tage zuvor war er in Berlin bei TV Noir zu Gast, wo er einige Songs aus dem neuen Album performte. Die Show wurde aufgezeichnet um am Abend des Releases auf ZDF kultur ausgestrahlt. Wer das verpasst hat, davon nichts wusste oder anderes zu tun hatte, kann sich seit heute die komplette Show online anschauen, bei der auch A Seated Craft, mir bis dato völlig unbekannt, sehr zu gefallen wussten.

Die auf wenige Instrumente reduzierten Songs, von beiden Künstlern, waren wirklich schön anzuhören, wobei eigentlich jeder Künstler der bei TV Noir performt immer ein besondere Stimmung zu erzeugen weiß. Besonders beeindruckend fand ich die beiden Songs von Moses Pelham, wo die Glashaus-Sängerin Peppa Singt in den Songs “Für die Ewigkeit” und “Wenn der Schmerz nachlässt” die auf dem Album verwendeten männlichen Stimmen aus den Refrains ersetzt. Meiner Meinung nach hätten die Songs mit ihr auch auf das Album gehört, mindestens jedoch als Bonustracks, zumal ich finde, dass genau diese beiden Songs auf “Geteiltes Leid 3″, im Vergleich zum sonst sehr hörenswertem Rest, etwas abfallen.  Weiterlesen

Live: Caser Nova + Fuego Fatal auf der Zeil

Die Straßenmusikanten auf der Zeil mag ich eigentlich, langweilig wenn es sie nicht gäbe, auch wenn sie punktuell mal über’s Ziel hinausschießen. Zum Besipiel wenn man irgendwann merkt, daß das Repertoire sich offenbar auf maximal fünf Stücke beschränkt und Du weißt, daß gleich noch die Klarinette dazu kommt, wenn der Trommler mit seinem Solo fertig ist… Ihr kennt das.

Heute wird es am Karstadt auf der Zeil zu zwei Auftritten von Caser Nova mit Fuego Fatal kommen.

Um 13Uhr, wo andere samstags noch frühstücken, wird andernorts schon gerappt. Wem das zeitlich zu knapp ist, der hat bei einem 2. Gig um 18.00 Uhr aber nochmals die Gelegenheit, die Lauscher aufzuspannen und mal ganz andere Art von Straßenmusik in der Frankfurter Innenstadt zu hören. Warum eigentlich nicht öfter?

Moses Pelham – Ich lass’ Dich nicht zurück

Da ist es endlich, das lang angekündigte Lebenszeichen von Moses Pelham, das Video zu “Ich lass´ Dich nicht zurück”, dem Vorboten und Album-Opener von Moses Pelham’s am 9-11-2012 erscheinendem Album “Geteiltes Leid 3″.

Unter dem Video auf dem YouTube-Channel von 3pTV teilt Moses Pelham mit:

“Ich lass´ Dich nicht zurück” ist keine Singleauskopplung, sondern eine Nachricht von einem Menschen an den nächsten, ein Geschenk. Persönlich und intim.

Erstes mal gehört: Hm. Zweites mal gehört: Ah ja. Drittes mal gehört: Grinsen. Viertes mal gehört: Umarme den Monitor vor Freude. -> Zum Video. <-

Doppelpack von Tone

Der aktuelle Song “Diese Stadt“ von Nea featuring Tone dreht mittlerweile seit einigen Tagen seine Runden im Netz und ist binnen kurzer Zeit ein weiteres Lebenszeichen von Tone, immer noch ein Garant für gute Rhymes in deutscher Sprache.

Mein persönliches Highlight von, bzw. mit Beteiligung von Tone ist immer noch das Album “Reim, Rausch und Randale“, welches 2001 veröffentlicht wurde und noch aus seiner Konkret Finn-Zeit stammt. Das Album war seinerzeit der erste Release auf Def Jam Germany und gespickt mit zwischen 1991 und 1996 entstanden Highlights deutschen Hip-Hops.

Zum Video:Diese Stadt

Vermutlich weil ich derzeit den Eindruck habe, mittlerweile für mein Leben genug Frankfurt-so-krass-hart-beste-usw-Rapsongs gehört zu haben, bin ich zur Zeit irgendwie etwas mehr für Tone´s Feature bei „Was’n los jetzt hier?“ mit Magic zu begeistern, den ich nur wenige Tage vor “Diese Stadt“ entdeckte. Als Kulisse im Video dient übrigens die Unterführung entlang des Kaiserleikreisels in Offenbach, wo nochmals einige Werke vom Living Walls 2011- Colour Alliance- Projekt zu sehen sind.

Zum Video:Was’n los jetzt hier?

Cover my Song auf VOX

Gestern entdeckte ich beim Zappen auf Vox die Sendung Cover my song. Da die Sendung so wirkte, als habe sie erst vor wenigen Momenten begonnen entschied ich mal dran zu bleiben- zugegebenermaßen mit geringen Erwartungen, da Vox nicht wirklich zu den Sendern zählt, bei denen ich regelmäßig rein schaue und somit einen hinteren Platz bei meiner Programmbelegung abbekommen hat.

Bei Cover my Song geht es darum, daß zwei Künstler bzw. Musiker aufeinandertreffen und sieben Tage Zeit haben einen bestimmten Song des anderen zu covern, d.h. neu zu interpretieren. Dass es sich hierbei jeweils um Künstler aus dem Schlager- und dem Hip-Hip-Bereich handelt, macht die Aufgabe interessanter, scheinen doch gerade diese beiden Genres in allem was sie auszeichnet generell ziemlich weit auseinander zu liegen und Zusammenarbeiten wie seinerzeit (2008) von Bushido und Karell Gott eher die Ausnahme darstellen. Auf Seiten des Schlagermileus wurden (einstige) Größen für die Sendung gewonnen, während auf Seiten der Rap-Welt auf eher aufstrebende Artists gesetzt wurde. Vermittler ‘zwischen den Welten‘ ist Dennis ‘Denyo’ Lisk, einst Partner von Jan Delay bei Absolute Beginner, die der breiten Masse vermutlich am ehesten noch durch den Song „Liebeslied” ein Begriff sind.

Das Beste an diesem Format finde ich jedoch, daß nicht nur musikalisch zwei Welten aufeinander prallen, sondern auch unterschiedliche Generationen. Dabei gefällt mir besonders der respektvolle Umgang miteinander- sowohl wie die Künstler miteinander umgehen wie aber auch gegenüber der Musik des anderen, mit der man sich ja sonst jenseits dieses Fernsehprojekt vermutlich eher seltener auseinandersetzt. Beide Seiten sind sehr profihaft bei der Sache, wollen den Song in ihre musikalische Welt transportieren und dabei dennoch die Seele des Originals nicht herschenken- wenn schon Songs covern, dann genau so.

Gestern lief bereits die vierte Folge der sich an dem niederländischen Vorbild orientierenden Sendung und Schlagersängerin Ingrid Peters traf auf Rapper Dr. Knarf.

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„Komm doch mal rüber“-> Original by Ingrid Peters -> Coverversion by Dr. Knarf

“8 Takte“-> Original by Dr. Knarf -> Coverversion by Ingrid Peters

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Die Sendung gefällt mir gut, sie ist ein Musikformat im Fernsehen, daß mal ohne Jury- und Publikum auskommt, dafür aber eben nicht ohne Niveau, zumal hier das künstlichere Schaffen im Vordergrund stellt- was recht einfach ist, weil man es nicht mit irgend-welchen Castingshowopfer zu tun hat. In den bisherigen Sendungen trafen Michael Holm auf Kitty Kat, Katja Epstein auf JokA und Chris Roberts auf MoTrip. Die Sendung läuft Dienstags auf Vox gegen 22.15 Uhr.

Graffiti am Main

Dank eines Hinweises habe ich mich neulich auf dem Weg zum Main begeben- dort an einer Ecke, wo ich eher seltener bin. Unterhalb der Friedensbrücke befinden sich auf schwarzen Grund in grau und weiß gehaltene , zumeist einzelne, Wörter wie Leben, Glaube, Relax, Strasse, Weg oder eben auch die vier, die hier abgebildet sind.

Da aber weitere Wörter, beispielsweise Hip Hop, Rap, Deejay oder auch Musik sind, habe ich mal bei You Tube verschiedene Kombinationen eingegeben und ein (verfügbaren!) Videoclip aus der Deutsch-Rap-Ecke entdeckt, in dem nicht nur die Entstehung dieser Wand immer wieder kurz eingeblendet wird, sondern erkennen lässt, daß offenbar (so ziemlich?) alle Begriffe aus dem Song “HipHop & Rap” von Sunny Bizniss feat. Vega & DJ O, sind.

Ganz am Ende kann man die damals frische Wand im Ganzen sehen, die von Justus Becker, der seinerzeit auch in der Naxos-Halle am Forum Zukunft Frankfurt Graffiti-Jugendkultur Legal- illegal? teilnahm, gesprüht wurde.

Wer bei dieser Gelegenheit fragt, ob sich denn eigentlich seit diesem Forum etwas in Sachen Entillegalisierung getan hat, der kann, welch Zufall, gerade heute lesen, daß die SPD immer noch am Ball ist. Immerhin. Aufhänger ist der Hafenpark am Osthafen. Es bleibt spannend.

Moses Pelham

Moses Pelham gehört zu den wenigen Musikern, die ich von Anfang an, sozusagen seit der ersten Platte bis heute musikalisch gerne verfolgt und gehört habe. Angefangen als Moses P. (mit Haaren auf den Kopf) und in englischer Sprache (“Twilight zone”), bevor er mit dem Rödelheim Hartreim Projekt und seinem Label 3p dem deutschsprachigen Hip-Hop, Soul und Pop seinen Stempel aufdrückte. Ein Musiker, der mit der Zeit geht, sich entwickelt hat und das eben glücklicherweise auf eine Art, die mir zusagt. Denn mal ehrlich, wer hört nach zig Jahren immer noch gleichklingende Musiker? Modern Talking-Fans unter Euch jetzt mal ausgenommen. [Ich schäme mich jetzt schon ein wenig, Moses Pelham und Modern Talking in ein und den selben Artikel zu erwähnen...]

In einen vorangegangenen Artikel schrieb ich bereits, daß ich dieses Jahr musikalisch nicht so viele Volltreffer für mich entdecken konnte. In dieser Zeit kam ich irgendwie wieder dazu, mir das Album “Geteiltes Leid 2″ von Moses Pelham anzuhören und es vielleicht dieses mal erst voll und richtig gehört und verstanden zu haben. Ich mochte immer seine direkte und offen(barend)e Art- gegen alles und jeden- inklusive sich selbst.

Auf der Hanauer Landstraße finden sich noch heute Aufkleber an diversen Stellen, die auf den Release dieses Albums aufmerksam machen- immerhin 6 Jahre her. Sachen gibt´s.

Die 90er waren für Frankfurt sowieso ein sehr gutes Jahrzent, ob “Deutscher Sprechgesang” oder elektronische Musik- Underground, Innovation wie auch kommerzieller Erfolg waren in Frankfurt daheim- auch wenn andere Städte sich auf Augenhöhe wähnten.

Einer meiner Favoriten: “Höha, Schnella, Weita”

via 3pTV

Zu guter letzt noch ein paar Zitate aus Songs mit seiner Beteiligung, die es mir irgendwie angetan haben. Aus Gründen.

Moses Pelham – “Mein Glück”

“Ich kann nur net mit ansehen und stillschweigend zugucken, wie mir irgendwelche Tucken in meine Suppe spucken, wenn die zucken und nur genug jucken dann muss ich kratzen, denn manche Pickel wachsen wirklich bis´se endlich platzen.”

Rödelheim Hartreim Projekt – “Zeit zum Besinnen”

“…denn ein Weg ist nicht gefunden, kann Stunden überlegen, kommt kein Segen, kommen nur Wunden, verschwunden ist der Weg der mir Glück beschert, für Sekunden geehrt, nichts mehr wert…”

Moses Pelham – “Gott liebt mich”

“Gott liebt mich, aber er liebt Dich auch, ich frag mich ehrlich gesagt wieso, aber ich krieg´s nicht raus.”

Moses Pelham – “Denk an mich”

“Kennst Du das, weißt Du was ich meine? Trägt Dich Dein Geist an andere Orte als Deine Beine? Spielen Dir Deine Sinne manchmal kleine Streiche, standst Du schon mal über Deiner eigenen Leiche?”

Rödelheim Hartreim Projekt – “Höha, schnella, weita”

“Wenn´s n´Chabo gibt der denkt, daß er kann was ich kann, soll er kommen und wenn er kommt wird er gebombt wie Vietnam.”

Rödelheim Hartreim Projekt – “Keine ist”

“Ich vermisse eine Nähe und sehe es ein, da ist ein Riss in meiner Seele und ich stehe allein vor dem Sein, dem Nichtsein, der Pein in meinem Keim, ein Herz das liebte rein wird zu Stein nur zum Schein.”

Rödelheim Hartreim Projekt – “Krieg”

Wer den Krieg will, der soll ihn haben, Du wirst beladen, mit Narben, Du spürst den Schaden, denn ich tret Dich von hier bis nach Baden-Baden.”

Moses Pelham – “Eines Tages”

“Eines Tages wirst Du mich glücklich sehen, ich werd nicht nur drüber reden, sondern wirklich leben.”

Rödelheim Hartreim Projekt – “Für immer und ewig”

“Am Anfang war es mehr´n Gedanke, der Name unseres Stadtteils, den damals eigentlich keiner kannte, man nannte es Hartreim, weil die anderen Jungs weich warn´und wenn´se gereimt ham´war´s gleich arm.”

Moses Pelham – “Höha, schnella, weita”

“Ich bin ´ne lebende Legende und wär schon längst in Rente, wenn ich nur jemanden fände, der den Job machen könnte.”