Der Spiegel Fernsehen - Das Beste aus TV & Streaming - Ausgabe 1

Der Spiegel Fernsehen – Das Beste aus TV & Streaming

Seit vergangenen Freitag, 5. Mai 2017, testet das Hamburger Medienhaus, zunächst nur in Hessen, das Konzept für ein neues Magazin: Der Spiegel Fernsehen – Das Beste aus TV & Streaming.

Ich weiß nicht, wie es um den Programmzeitschriftenmarkt in Deutschland bestellt ist und demnach auch nicht, ob oder wie das Thema Streaming berücksichtigt wird. Anfang der 1990er-Jahre habe ich eine zeitlang die damals neue Fernsehzeitschrift TV Spielfilm gekauft, aber da habe ich dem linearen Fernsehprogramm noch mehr Zeit gewidmet und war zudem auf vielen Kanälen unterwegs. Heute fallen mindestens 50% meiner im Vergleich zu damals™ deutlich reduzierten TV-Zeit auf arte ab. Und weil das so ist, habe ich auch das arte Magazin abonniert. Die restliche Zeit geht meistens für Sender wie ARD, ZDF und Sport1 drauf, meistens für Sport, Nachrichten und – in den letzten Jahren auch deutlich weniger geworden – Krimis wie Tatort oder Polizeiruf 110. Beim Kauf von Spiegel Fernsehen überwog also weniger das Interesse am konkreten Fernsehprogramm der kommenden zwei Wochen, sondern die Neugier auf das neue Magazin an sich. Im Besonderen sprach mich der Zusatz „Streaming“ an, denn hier bin ich erst mit Beginn der Ausstrahlung von Better Call Saul auf Netflix im Jahr 2015 eingestigen. Warum also nicht ein Magazin auspropieren, dass sich auch dem Thema Streaming annimmt, anstatt wie bisher nur auf deutsch- und englischsprachige Angebote im Internet zurückzugreifen? Eben.

Der Spiegel Fernsehen - Das Beste aus TV & Streaming - Ausgabe 1Spiegel Fernsehen widmet sich hauptsächlich Filmen, Serien und Dokumentationen, egal ob Netflix, Amazon Prime Video oder klassisches TV und Pay TV. Die Erstausgabe umfasst 188 Seiten und kostet 2,60 Euro. Im Anfangsbereich „Einschalten“ wird u.a. auf vier Seiten „Das Beste in 14 Tagen“ vorgestellt. Interessant ist die Form der Empfehlungen: „Wer Good Fellas gut findet, wird auch 4 Blocks mögen“, „Wer Larry Flint gut findet, wird auch American Playboy mögen“ usw. Zu allen Kurz-Empfehlungen erfolgt ein Verweis auf eine ausführlichere Besprechung an anderer Stelle im Heft – in drei Fällen mit falschen Seitengaben. Ups.

Der Spiegel Fernsehen - Das Beste aus TV & Streaming - Ausgabe 1Es folgen ein sieben Seiten langes Interview mit Nora Tschirner, die auch das Cover ziert, eine Kolumne zu den Sopranos und dann geht’s auch schon los: 12 Seiten „Filme und Serien“, 16 Seiten „Dokumentation“ und 14 Seiten „Streaming“. Über drei Seiten hinweg wird die BR-Serie Hindafing als deutsche Antwort auf „Fargo“ gehandelt, gleich sieben Seiten wird der Spiegel-Doku „Das Lidl-Imperium“ eingeräumt – der Text dazu erschien bereits im Spiegel 16/2017 – und auf vier Seiten wird die TNT-Serie 4 Blocks als „großes deutsches Gangsterkino“ präsentiert. Bei allen vorgestellten Sendung erfolgen in der Regel Angaben zu Sender oder Streamingdienst und wann genau im TV die Ausstrahlung erfolgt oder ab wann die Sendung gestreamt werden kann. Angaben zur Laufzeit erhält man allerdings nur manchmal, ebenso wie lange eine Sendung in der entsprechenden Mediathek verfügbar ist. Was ich jedoch schmerzlich vermisse: Angaben dazu, in welcher Sprache und mit welchen Untertiteln die Streaminginhalte zur Verfügung gestellt werden. Platz für diese Infos wäre auf den Seiten jedenfalls genügend vorhanden.

Die nächsten 112 Seiten widmen sich dem Fernsehprogramm vom 13.5. bis 26.5.2017. Jedem Tag werden acht Seiten eingeräumt. Die erste Seite widmet sich ausführlich dem „Tageshighlight“ und am Seitenende ganz kurz dem „Alternativen Tagestipp“, der bezugnehmend zum „Tageshighlight“ eine Sendung aus Streaming, Pay TV oder Mediathek vorschlägt. Die zweite Seite hält neun Empfehlungen bereit, je drei zu „Film & Serie“, „Doku & Reportage“ und „Was sonst noch läuft“ und auf den restlichen sechs Seiten wird mit allseits bekannen Spaltenansichten das gesamte Fernsehprogramm des Tages abgefrühstückt.

Auf acht der neun letzten Seiten geht es um’s „Abschalten“, d.h. das Magazin verlässt das TV- und Streaming-Terrain und empfiehlt Ausstellungen, Musik, Romane usw. Hm. Irgendwie kein runder Abschluss eines bis hier hin sonst recht ansprechenden und nur im Detail zu kritisierenden Magazins. Ich denke es gibt noch genügend andere Themen, die man im letzten Abschnitt verbraten könnte. Was ist zum Beispiel mit Podcasts? Wie schauen Sendungen, wir lesen darüber und bestimmt gibt es auch Interessantes für die Ohren zum Thema TV & Streaming, das man hier regelmäßig vorstellen könnte. Spontan fallen mir Podcasts wie Spätfilm, Medien-KuH oder, gerade aktuell, der grandiose Better Call Saul Insider Podcast aus den USA ein. Auch könnte man sich Serien-Klassikern widmen, hier und da mal ein paar Zeilen zu wirklich altem Kram wie Dallas, Denver Clan, Miami Vice, Magnum, Captain Future, die ZDF-Weihnachtsserien usw. sowie einen Blick auf aktuelle Dreharbeiten werfen oder was derzeit in Großbritannien und den USA läuft und hier (noch) nicht zu sehen ist.