Blockupy in Web – Haters gonna hate

18 NULL DREI ICH NEHM MIR FREI

Wenn heute das Blockupy-Bündnis im Frankfurter Stadtgebiet unterwegs ist, werden auch die Internet-Polit-Experten die Geschehnisse verfolgen und, na ja, sie werden sie kommentieren und in diesen Sozialen Netzwerken posten, so dass wir alle an ihren fundierten Expertiesen zu Blockupy teilhaben können. Das könnte dann vermutlich in diese Richtung gehen:

Leute die in der Gegend arbeiten werden sich abfällig über die Blockaden vor Ort äußern und ihre Taschentücher auspacken. Wehe man muss mal 5 Minuten mehr investieren als sonst oder etwas läuft – huch!?! – anders als gewohnt. Schlimm sowas. Aber wirklich.

Leute, die andere Demonstrationen oder Streiks kritisieren, z.B. GDL, aber sich bei Pegida & Co. vornehm zurückhalten, haten natürlich auch bei Blockupy.

„In der Zeit in der demonstriert wird, könntet ihr auch Geld verdienen.“ In der Zeit, wo jemand so etwas tippt, fällt in China ein Sack Reis um. Und einer stellt ihn wieder auf. Vielleicht sogar für 8,50€ in der Stunde. Umgerechnet. Versteht sich.

Menschen äußern Bedenken oder gar Angst vor „linkem Terror“. Wie viele von denen sonst auch vor rechtem Terror warnen und z.B. besorgt die NSU-Untersuchungsausschüsse verfolgen? Man weiß es nicht, man munkelt nur. Na ja, nicht wirklich.

„Mal gewaltfrei demonstrieren, das wäre mal ein Zeichen!“ Wohlgemerkt an Blockupy gerichtet!! Genau mein Humor. Da merkt man erst wie schwer ist, die Menschen an ganz andere Zeiten zu erinnern, wenn’s schon bei zwei Jahren schwerfällt, die Ereignisse richtig einzuordnen.

„Wegen den zu erwartenden Behinderungen hat unser Geschäft heute zu.“ Joah, gönn Dir mal den freien Tag. Ach so nee, „Scheiß Blockupy!!“

„Blockupy will nicht reden, die wollen nur Gewalt!“ Ich wüsst‘ auch schon direkt wohin damit.

„Wegen Blockupy muss ich andere Kleidung anziehen, wenn ich zu meinem Arbeitsplatz muss!“ Andere Klamotten anziehen, und dass obwohl die Woche noch nicht mal vorbei ist. Das ist natürlich zu viel verlangt, mal die Klamotten zu wechseln. Aber eigentlich muss ja auch nicht alles machen, was die Cops empfehlen.

„Geht doch nach Russland!“. Beste! Da kommt bestimmt noch was mit „Kommunisten“ und „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen“.

„Wer für Blockupy demonstriert, darf in Zukunft auch kein Konto mehr besitzen. Oder Geld.“ Genau so! Mindestens!

„Wegen ein paar Idioten wird die ganze Stadt lahmgelegt.“ Also wenn schon, dann „Wegen vieler Idioten (freigestellt ob 10.000 Cops oder Blockupyer gemeint sind) werden ein paar Teile der Stadt (Ostend, Demo-Route durch den Stadtkern) lahmgelegt. Anyway, knapp daneben.

„Wegen Blockupy auf die Straße gehen, aber bei Mc Donald’s/Starbucks/etc. essen gehen, lächerliiiiiich!!!“ oder „Wegen Blockupy auf die Straße gehen, aber ein iPhone besitzen!!“ Die mag ich ja am liebsten. :)

„Die Kritik geht mir nicht weit genug, besonders da thematisch keine klare Abgrenzung zu Rechts besteht, deswegen nehme ich nicht an der Demo teil.“ Die unendliche Geschichte des Ich bin viel linker/kapitalismuskritischer/antinationaler/etc. als Du- Battle. Aus einer Krise Kapital (haha!) schlagen ist in Deutschland wohl einfach kein Thema für links von der Mitte.

Weitere Themen als Alibi kennt man ja auch von anderen Demos, wo immer mal gerne die zwei, drei „Randalierer“ herausgepickt werden, um eine eigene Abwesenheit zu erklären. Wahrscheinlich besuchen die auch nie wieder ein Fussballspiel, wenn dort mal einer einen Bengalo gezündet hat.

„Mit aller Härte gegen diese Randalierer!!“ Ich wette, wenn die alle Trikots seines Lieblingsvereins tragen würden, würde da schnell ein „Emotionen respektieren“ daraus werden.

„Ah, Blockupy-Leute, gleich mal mein Kapitalisten-[Apple-Produkt] auspacken.“ ⌥⌘⏏

14 Kommentare

  1. Solche Besserwisser braucht niemand, eh klar.
    Aber müssen denn (Polizei-) Autos brennen? Müssen da Scheiben eingeschlagen werden? Was für ein Zeichen soll das sein?

    • stadtkindFFM

      Nein, Auos müssen nicht brennen, aber mir geht’s ja hier um etzwas anderes, nämlich um das Niveau des Pöbel-Mobs im Web, welcher nur bei bestimmten Themen aus seinen Löchern gekrochen kommt. Bis auf ganz wenige hier genannte Beispiele habe ich alle – übrigens noch vor dem Aktionstag – auf Twitter ausfindig machen können.

  2. Hey Stadtkind,

    zunächst erst einmal grundsätzlich: Dein Blog ist der Hammer und ich bin schon sehr lange ein regelmäßiger Besucher Deiner Seite.

    Ich finde jedoch sehr schade, wie undifferenziert Dein Beitrag zu Blockupy ist. Ich wohne im Ostend nahe Innenstadt und musste heute Morgen auf dem Weg zur Arbeit nicht andere Klamotten anziehen oder einen kleinen Umweg nehmen, nein, ich bin vor einer Horde Vermummter weggerannt, die ALLES, vom Mülleimer, über Autos, Bürgeramt und den Esoterik-Laden an der Ecke anzündeten oder einfach nur kurz und klein schlugen. Nach Zuflucht in der Konsti standen neben mir Schulkinder und teils sogar Erwachsene, die vor Schreck geweint haben. Direkt vor meiner Haustür haben zahlreiche „Demonstranten“ Pflastersteine ausgegraben. Die haben alle gelacht und sich gegenseitig angestachelt, wie sie jetzt gleich Krawall machen werden. NICHTS hiervon war von der Polizei provoziert oder hatte irgend etwas mit Inhalten zu tun.

    Auch wenn man inhaltlich auf einer Seite stehen mag, und gegen die eigentlichen Ziele der Demos nichts einzuwenden ist, hätte ich anhand Deiner sonstigen Blockeinträge eigentlich gehofft, dass Du solche Sprüche wie in Deinem aktuellen Post eigentlich nicht bringst.

    Cheers

    • stadtkindFFM

      Zunächst einmal vielen Dank für das regelmäßige Vorbeischauen hier im Blog! :)

      Deine Erfahrungen von gestern sind natürlich unschön und ich finde es auch immer ärgerlich, wenn jemand irgendwie aus der Reihe tanzen will, dabei aber sinnfrei agiert und z.B. Unbeteiligte in Mitleidenschaft gezogen werden. Unabhängig dieser Ereignisse bleibt die Reflexion des Web-Mobs jedoch unverändert, da es für seine Meinungsäußerungen keine Rolle spielt, ob irgendwo „nur“ zwei Eier fliegen oder Autos brennen. Selbst wenn alles friedlich läuft, sofern man heutztage von solch einer Protestform noch Notiz nimmt, würden er irgendetwas finden, um darüber haten zu können. Nur darum ging’s mir.

      Falls es für Dich relevant ist, möchte ich noch kurz das bestätigen, was Mrs. Mop im Kommentar danach schrieb, nämlich dass dieser Text noch vor dem Aktionismus am frühen Morgen in Franfurt veröffentlich wurde, nämlich kurz nach Mitternacht.

  3. Cool down, Leute. Diesen Post von Stadtkind habe ich heute in aller Herrgottsfrühe gelesen, es war noch stockdunkel draußen, gepostet wurde er wohl irgendwann in der Nacht, zu einem Zeitpunkt also, wo kein Mensch etwas von brennenden Polizeiautos, Pflastersteinen & Co. wissen konnte, und Ihr werft ihm „undifferenzierte Sprüche“ o.ä. vor angesichts der Vorkommnisse am heutigen Morgen bzw. Vormittag? Keine Ahnung, wie Stadtkind zu letzteren steht, aber dass er in diesem konkreten Post darauf keinen Bezug nimmt, weil er ihn noch gar nicht nehmen konnte, steht doch wohl außer Frage.

    • stadtkindFFM

      Bezüglich des Blogposts ist es in der Tat so, dass er noch vor den Geschehnissen am frühen Morgen gepostet wurde, es war 1 Uhr, wie ich eben gesehen habe. Tags zuvor hatte ich noch darüber nachgedacht, ob ich diese Sprüche, die bei Demonstrationen, besonders bei denen die eher links von der Mitte angesiedelt sind, zu erwarten sind – und übrigens größteils auch schon auf Twitter ausfindig zu machen waren, also wohlgemerkt auch schon vor dem 18.03. – als eine „Blockupy Bullhit Bingo“-Grafik darstelle. Vielleicht wäre diese Darstellungsform und ein Posting zu etwas früherer Stunde weniger missverständlich gewesen, auch wenn es für mich nicht zwangsläufig im Zusammenhang steht.

  4. die blockupy-bewegung an sich finde ich jetzt nicht unbedingt super, weil ich die forderungen/haltungen etwas naiv und weltfremd finde, aber ich habe verständnis für das anliegen der aktivisten und ihren protest. aber wie das heute ausgeartet ist, ist echt übel; eine vielzahl von brennenden autos, verletzten polizisten, eingeschmissene fenster, tags überall, steinewürfe… diese gewalt finde ich erschreckend und verurteile sie. ich weiß, dass das nur ein teil der aktivisten ist, aber halt ein nicht ganz unwesentlicher. und von seiten der leitung kommt häufig dann noch so ausreden wie die polizei hätte das provoziert o.ä. ja, die ist auch nicht immer super; aber selbst wenn geht ja wohl mal steine auf polizisten werfen oder mit tränengas um sich sprühen gar nicht! und auch die sachbeschädigungen an öffentlichen anlagen (bushaltestellen, schaufenster, geschäfte, polizeiautos) sind ziemlich mies. noch dazu kontraproduktiv, denn mit solchen sachen bringen die aktivisten die bevölkerung gegen sich auf. mir macht das auch angst und ich bin froh, dass ich von den protesten nur am rande berührt war. wieso kann man nicht friedlich demonstrieren? ich habe einige schöne bilder gesehen, von aus steinen gelegten peace-zeichen, bunten aktivisten mit „lieben“-transpis und einfachen sitzblockaden. aber diese gewalt macht die ganzen proteste kaputt.

    • stadtkindFFM

      Ich stecke noch in der „Nachbearbeitung“ und muss noch einiges nachlesen und anschauen. Ich verurteile aber nicht pauschal alle Aktionen, die jenseits der zwei großen und friedlich verlaufenen Demo-Züge stattgefunden haben, weil vieles dabei war, was auch dazu beitrug, dass Straßen, bzw. Straßenabschnitte blockiert wurden, auch wenn’s vielleicht weniger schön aussah. Wobei die Medien es sich auch größtenteils sehr einfach gemacht zu haben scheinen und sich vor allem an den Aktionen mit Rauch, Feuer und Glas abgearbietet haben – übrigens fast immer die selben Motive, nicht dass jemand denkt, die ganze Stadt hätte in Schutt und Asche gelegen, denn sonst müsste man auch ernsthaft die Rolle der Polizei hinterfragen, die es ganz offenbar nicht auf der Uhr hatte, dass morgens einige Grüppchen unterwegs waren und „alles“ in Schutt und Asche gelegt haben. Ich sehe dadurch jedenfalls nicht die ganzen Proteste in Frage gestellt, dass ist mir zu BILD- und FAZ-mäßig, die sich in solchen Fällen an den Randerscheinungen und Minderheiten der eigentlichen Aktion abarbeiten und nicht immer ausreichend differenzieren. Um’s mal freundlich zu formulieren.

  5. Heinertown

    Die ganze Berichterstattung zu Blockupy ist sehr einseitig. Über die eigentlichen Aktionen und darüber dass der Großteil der Demonstranten friedlich war, wird kaum berichtet. Sicher hat es Krawalle gegeben, nur hat Frankfurt auch kein Sodom und Gomorra erlebt. Der Großteil der Krawalle bestand aus Sachbeschädigungen und dem Anzünden von Mülleimern. Soweit ich weiß wurde dabei niemand ernsthaft verletzt. Ich habe wenig Verständnis für Leute die auf Demos mit Steinen und Flaschen werfen, nur wenn man sich anschaut wie sich Eintracht fans jedes Wochenende aufführen, sollte man Blockupy nicht überbewerten.

    • „niemand ernsthaft verletzt“?!? über 100 demonstranten und über 90 polizisten, und das waren nicht bloß blaue flecke. wie erwähnt liegt der eine polizist, der vom stein am kopf getroffen wurde noch im krankenhaus, und tränengas ist auch nicht grad witzig.
      und was heißt hier „nur““ sachbeschädigung?!? der schaden geht in die millionen. und das verwüstete frankfurt war auch kein schöner anblick. so ne glaswand an der bushaltestelle ist halt nicht innerhalb von einem tag ersetzt, wenn im ganzen viertel die bushalten zerstört sind.
      und die eintracht ist ja wohl mal kein vergleich. das sind besoffene hooligans, die halt aus laune randalieren. bei blockupy ist es gezielt zugunsten einer „guten sache“, und da solche mittel einzusetzen finde ich ungleich verwerflicher.

      • Inhaltsllose Randale wie beim Fußball ist also deiner Meinung nach besser?
        Und du heulst echt wegen Glasscheiben von Wartehäuschen? Weil die Verkehrsbetriebe, die uns seit Jahren mit einer bewundernswerte Fahrpreisentwicklung immer so viele Geschenke gemacht haben?
        Ich meine auch nicht, dass man das alles an dem Tag gut heißen muss, aber bitte die Kirche im Dorf lassen.
        Die Aufregung über die Schäden, die Assoziationen mit bürgerkriegsähnliche Zuständen – sorry, was müssen denn Leute aus Bürgerkriegsländern denken? Die aufgebauschte Empörung über abgebrannte Mülleimer ist sehr wohl Teil des Problems – um eure Sorgen beneiden euch Millionen.
        Wenn man sich also abgeregt hat, kann man sagen: 1,5 Stunden Auseinandersetzungen und Vandalismus, bei dem auch einiges danebenging, was man verurteilen muss (es geht dabei aber nicht um Bankscheiben – ich denke, die werden das verkraften, und auch Mülleimer und Wartehäuschen wird es wieder geben, ich bin mir sicher), aber das ist kein Grund alles in Frage zu stellen. Denn dass Krisenproteste immer auch ein Frustpotenzial in sich bergen, zeigen zahlreiche Demos in den Ländern, wo es schon deutlich mehr um die Existenz geht. Dass sich sowas auch nach Frankfurt trägt, wo man eben das nicht gewohnt ist, kommt davon, wenn die EZB den Sitz hier hat.
        Und von wegen, die schwersten Krawalle, die Frankfurt je erlebt hat: Ist das ein Generationenproblem? Sind die JournalistInnen zu jung, zu zugereist oder zu alt, um nicht zu wissen, was an der Startbahn West abging…?

    • stadtkindFFM

      Ich glaube es gibt Menschen, die verstehen unter einer Demonstration einfach nur von A nach B laufen, Fähnchen schwenken, Kundgebung anhören und dann wieder nach Hause gehen, so dass die Ereignisse vom 18.3. manch einen etwas verstören können, besonders wenn sie bei den vermeintlichen Leitmedien ausschließlich als „Krawalle“ oder „Randale“ verkauft werden (natürlich nur bei Ereignissen in Deutschland, woanders sind vergleichbare Aktionen ja oftmals „berechtigte“ Proteste, für Freiheit, Demokratie etc.

  6. Heinertown

    Ich habe nicht gesagt, dass ich sowas gut finde. Nur ist es halt auch nicht so dramatisch wie es in der Presse dargestellte wurde. Nach angaben der Polizei haben alle verletzten Polizisten, das Krankenhaus am Mittwoch Abend verlassen. Ein Großteil der Polizisten wurde durch Pfefferspray verletzt, dass von der Polizei versprüht wurde. Es wurde nun mal nicht ganz Frankfurt in Schutt und Asche gelegt. Die Krawalle beschränkten sich ja auf das Ostend und wie hoch die Tatsächlichen Schäden sind muss erst ermittelt werden. Für die Gewalttaten die es unzweifelhaft gegeben hat und die auch von den meisten Demonstranten und vom Veranstalter abgelehnt wurden, war anders als vom Pressesprecher der Polizei behauptet eine Gruppe von ca. 150 Leuten verantwortlich. Es ist nicht zu rechtfertigen wenn Polizisten und Demonstranten durch Flaschen- und Steinwürfe gefährdet werden. Nur hat bei der Berichterstattung den Eindruck, dass es hier nicht um die sachliche und unvoreingenommene Darstellung der Ereignisse geht, sondern um die Diskreditierung linker Protestbewegungen.

  7. Hallo Stadtkind, ich wollte mich auch erstens bei dir fur diesen tollen Blog bedanken, ich komme immer wieder vorbei um deine tolle Fotos uber Frankfurt. Ich habe an diese Tage die friedlichen Protesten und leider auch die schlimmen Krawallen im Netz verfolgt und das ganze hat mich wutend gemacht. Es interessiert mir auch nicht ob die von links oder rechts waren, aber als ehmahlige Frankfurterin kann ich einfach nicht Leute leiden, die mit Gewalt Autos und Eigentum der Leute die mit Kapitalismus und EZB gar nichts zu tun haben zerstoren, oder Krankenwagen oder Feuerwehrfarzeuge angreifen, auch wenn jemand meint das der Schaden nicht so gross ist . Die Polizisten selbst sind Leute wie uns, die ganz normal fur unsere sicherheit Arbeiten gehen und fur ihre Existenz und ihre Familie Geld verdienen. Jeder kann seine Meinung friedlich zeigen, aber solche Szenen wo Idioten alles das was ihnen auf den weg kommt zerstoren, sollte man nie Nirgendwo auf Proteste wiedersehen

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