Irgendwo zwischen Bio, Öko und Fleischersatz

Im März letzten Jahres Jahres stellte ich mit Tau von den Wiesen ein Getränk vor, welches es mir besonders angetan hatte, allem voran die Sorte “Blossomflush”. Eine gute Zeit später entdeckte ich dieses Getränk auch beim Edelkiosk im Ostend im Sortiment, welches ich dann wechselweise mit einem Mandelmilchkaffee dort konsumierte. Irgendwann vernahm ich über die Facebookseite des veganen Cafés, dass die Produktion des Getränkes nicht zu 100% vegan sei, da mit Gelatine geklärt werde. Auch wenn ich mich niemals zuvor mit den Produktionsabläufen von Getränken beschäftigt hatte, war ich doch ziemlich überrascht, dass offenbar auf Verwendung tierischen Produkten zurückgegriffen wird.

Nicht nur die örtliche Nähe zum Edelkiosk und der damit einhergehenden Sensibilisierung für vegane Ernährung, auch der Aktionismus im öffentlichen Raum zur Animal Liberation Front (ALF) und der Straßenpropaganda zum Film Earthlings hier in Frankfurt führten dazu, dass ich mich wieder etwas intensiver mit dem Thema beschäftigte und mittlerweile tatsächlich deutlich weniger Fleisch konsumiere. Im heimischen Haushalt bestand das bisher weitestgehend aus unterschiedlichen Wurstaufschnitten, Fleisch am Stück oder anderweitig verarbeitet kam eher selten bis nie auf den Tisch. Auswärts waren gerade die “schnellen Mahlzeiten” wie Rinds- und Bratwurst, Peperoniwurst-Pizza oder Dürüm Döner regelmäßig hoch im Kurs. 

  • Auf eine Rinds- oder auch Bratwurst unterwegs kann ich mittlerweile ganz gut verzichten, habe jene aber auch am wenigsten konsumiert, wobei mir bei dieser Gelegenheit auffällt, dass ich bisher auch keine einzige Würstchenbude kenne, die überhaupt eine vegetarische oder vegane Wurst anbietet.
  • Beim Essen in türkischen/arabischen/orientalischen Lokalen habe ich mich sowieso nie auf Fleisch reduziert, meistens sogar eher vegetarische Gerichte verzehrt, so dass ein Verzicht hier ziemlich leicht fällt.
  • Bei den Pizzen hingegen habe ich festgestellt, dass wo zum Beispiel eine meisterliche Peperoniwurst-Pizza aus dem Ofen hervorgezaubert wird, noch lange nicht das selbe intensive Geschmackserlebnis garantiert wird, wenn Fleisch als Beilage entfällt. Hier trennt sich, noch mehr als sonst, die Spreu vom Weizen in den Pizzerien dieser Stadt, es sei denn man definiert Pizza primär als Teig mit viel Käse.

Mittlerweile achte ich beim Besuch von klassischen Supermärkten öfter mal auf so etwas wie Fleisch-, aber auch Fisch-Ersatzprodukte. Zu Letzterem fand ich dort bisher allerdings noch nichts. Demnach bin ich aktuell also eher auf dem Weg ein Pescetarierer statt Vegetarier zu werden, was bei genauerer Betrachtung vermutlich genau so sinnvoll wie Vegetarier statt Veganer zu sein, sofern man “Die armen Tiere”-mäßig unterwegs ist. Mein erklärtes Ziel ist das jedenfalls nicht, sondern vielmehr eher den gewohnten, fast schon beiläufigen stattfindendenden, unbewussten Konsum von Fleisch zu reduzieren und nach möglichst ebenso leckeren Alternativen Ausschau zu halten.

In Sachen Fleischersatz sind die Supermarktketten schon besser aufgestellt und hier probierte ich mich mal zuletzt an folgenden Fleischersatzprodukten.

Die Toskanabällchen in einer leicht pikanten Kräuter-Tomatensauce haben mir sehr gut geschmeckt und sind von den hier gezeigten Produkten mit Abstand das Leckerste gewesen. Ebenfalls sehr positiv empfand ich die Veggie Bolognese von Veggie Life. Geschmacklich erinnert mich nicht viel an eine gute italienische Bolognesesauce, wusste dennoch zu überzeugen, auf seine Weise eben. Die Sojaschnitzel entpuppten sich als Schnitzelchen, Miniportionen und meines Erachtens auch irgendwie mini im Geschmack. Hier gilt vermutlich dasselbe wie für den vierten im Bunde, dem Veggie-Aufschnitt: Den Serviervorschlag, bzw. die Abbildung auf der Verpackung beachten, denn für sich allein genommen haben diese beiden Produkte mich geschmacklich nicht überzeugen können. Wo früher Brot und Wurst reichten, müsste hier tatsächlich noch etwas Gemüse, Kräuter, etc. mit auf’s Brot, um das genießbar zu machen, beim Schnitzel würde ich es vielleicht sogar mal in Erwägung ziehen, tatsächlich mal Ananas mit etwas herzhaften zu kombi… nein, doch nicht, aber irgendwie aufgepeppt werden sollte das schon.

Interessant war bei diesen Produkten auch das Verhältnis der Verpackung zum eigentlichen Inhalt. Dieser entspricht sicher den angegebenen Mengen auf den Verpackungen, jene lassen aber optisch durchaus Rückschlüsse auf mehr Inhalt zu.

Summa summarum bin ich mit dem bisherigen Verlauf ganz zufrieden. Ich halte nicht mehr bei jeder halbwegs guten Anlaufstelle an um mal eben schnell zubereitete Gerichte wie Wurst, Pizza oder Döner zu kaufen und essen, sondern investiere dafür mittlerweile lieber öfter mal einige Minuten mehr um dorthin zu gehen oder fahren, wo es einfach besser schmeckt und oftmals noch nicht mal wirklich (so) viel mehr kostet, sofern überhaupt. Was eigentlich selbstverständlich klingt, habe ich zumindest in der Vergangenheit keineswegs immer so umgesetzt.

Am 18.01.2013 eröffnet Veganz an Bornheim Mitte in Frankfurt sein Geschäft und ich werde mich auch mal dort umschauen, was es zu diesem Thema gibt. Und wenn das einfach nur ein weiterer Laden sein sollte, der auf diese “Öko-/Bio-/Gesund-Schiene” einsteigt und abenteuerliche Preise aufruft, werde ich mich an die kleinere Auswahl der klassischen Supermärkte halten, weil, mal stark vereinfacht formuliert, ich für ein Produkt nicht a) das Doppelte zahlen und b) nur die Hälfte dafür erhalten möchte, wie gegenüber vergleichbaren Produkten im konventionellen Lebensmittelhandel. Das kann man mal machen, aber sicher nicht täglich.

Auf dem Blog von Neulich als ich dachte gibt es übrigens unter dem Tag Fleischersatz eine ganze Menge an Berichten zu getesteten Fleischersatz-Produkten.

Weitere aktuelle Meldungen aus der Welt von Bio, Öko und Fleisch:

Von wegen Müsli-Schick: Biofertigprodukte- Ist das noch öko?
(Deutschlandfunk vom 03.01.2013)

Futtern und die globalen Folgen- Neuer Fleischatlas klärt auf
(Deutschlandfunk vom 10.01.2013)

Essen muss gut, sauber und fair erzeugt sein
(Deutschlandfunk vom 14.01.2013)

10 Gedanken zu “Irgendwo zwischen Bio, Öko und Fleischersatz

  1. Find ich gut, wie du dem Thema nachgehst und auch gleich bei dir selbst anfängst.
    Ich folge noch immer meinem natürlichen menschlichen Konzept, d.h. ich bin Allesesser. Wobei ich alles Allesesser durchaus positiv sehe. Alles, aber alles in Maßen. Im Idealfall pro Mahlzeit gedrittelt: 1/3 von unter der Erde, 1/3 von der Erde und 1/3 aus der Luft. Geht ganz gut meistens.
    Was mir bei allem veganen, vegetarischen etc. auffällt, sind die “Anleihen” aus dem fleischlichen Bereich: Veggie-“Aufschnitt”, vegetarische “Schnitzel”, Veggie Bolognese, Soja”wurst” etc… Fehlt es da an Kreativität seitens der Macher oder soll ich meinen Vermutungen folgen?

    • Jedem sein Ernährungsmodell. Ich habe bei mir entdeckt, dass ich durchaus Einsparungspotential bei Fleisch habe, gänzlich darauf zu verzichten, kann ich mir aber aktuell irgendwie nicht vorstellen. Vor allem seit ich morgens bei einem Frühstücksei irgendwie bemerkt habe, dass wenn Verzicht, nur vegan die einzig richtige Lösung sein kann. Und ob ich das kann, und auch will, weiß ich stand heute noch nicht. Die “Anleihen aus dem fleischlichen Bereich” mögen so rüberkommen, weil ich speziell “Fleischersatz”-Artikel in Angriff genommen haben, also eine Welt jenseits von Pasta, Reis, Gemüse oder sonstigen vegetarischen Gerichten.

  2. Bezüglich der Pizza muss ich Dir leider recht geben: Keine vegetarische ist so geschmacksintensiv wie Salamipizza. Und Eigenversuche mit Veggie-Wurst auf Pizza führten bei mir zu ganz besonders enttäuschenden Ergebnissen. Den Veggie-Aufschnitt von Aldi fand ich dagegen (auf Brot) ganz ok – liegt möglicherweise daran, dass ich so lange keinen echten gegessen habe.

    • Bei der Pizza ist derzeit eine Kapern-Oliven,-Sardellen-Variante ganz gut im Kurs bei mir. Der Veggie-Aufschnitt vom Aldi war durchaus geschmacksintensiv, aber ein Geschmack, der mir “so” irgendwie nicht bekam.

  3. ich finds auch super. bei netto gibts im bio-bio-regal auch einige fleischersatzprodukte, zb tofu-bolognese und tofu-bratstreifen.
    übrigens hat im dezember auf der bockenheimer landstr. noch n alnatura aufgemacht, da gibts diverse pflanzendrinks, tofu-kram, sojaeis, usw. und größtenteils auch echt erschwinglich.

    • Bei Alnatura oder vergleichbaren “Bio-Supermärkten” müsste ich mich mal mit deutlich mehr Zeit umschauen, irgendwie entdecke ich da immer Produkte, die ich preislich einfach zu sportlich finde. Die Netto-Produkte hatte ich schon mal gesehen, ich denke ich werde die auch mal in Angriff nehmen, danke für den Hinweis.

  4. Guter Bericht. Bzgl. dem Fischgeschmack/Meergeschmack. Such ich auch schon länger und ich dachte mir dann wer suchtet der googlet … ;-)

    Und generell zum Pizzaproblem. Ich denke, der für euch gute Geschmack kommt durch das Fett mit dem Salz und den Gewürzen, würde man jetzt tierisches Fett mit pflanzlichen Fett/Soja austauschen und den Rest aber wie bei einer tierischen Salami lassen würde es fast genauso schmecken.
    Mir hat mal der Chef vom Blumen gesagt, Fett, Salz und Alkohol, dass sind die Geschmacksträger. Hat mir in seiner Leichtigkeit der Anwendung imponiert und seitdem koche ich auch selber sehr gerne. Und fast nur vegetarisch und viel vegan. Da kam ich von selber drauf.

    • In Sachen Fischersatzprodukte (wie furchtbar das eigentlich klingt) bin ich mal gespannt, ich glaube da werde ich einfach mal beim Veganz was antesten, lt. deren Onlineshop haben die da ja was. Das mit den Geschmacksträgern war mir durchaus bekannt, in Sachen Gewürze generell kann man da noch einiges rausholen. Ich glaube fast es ist für mich in diesem Fall nicht ganz so leicht den vertrauten Genuss einfach zu 100% abzulegen.

      • Es sind eigentlich fast nur die Gewürze. Probier mal ein Steak ungebraten einfach nur so oder Mett roh ohne Zwiebeln Salz und Pfeffer. Es ist eigentlich das selbe Geheimnis was auch Knorr oder Maggi benutzen (und die sind wirklich nicht zu empfehlen, aber bedienen sich auch verschiedenen Gewürzen und Verstärkern). Im Extrembeispiel, nimmste Curry und Cumin schmeckts indisch, nimmste Thymian und Rosmarin wirds italienisch… Gemüse, Kräuter und Früchte haben viel mehr einen eigenen Geschmack und in der richtigen Kombi ist das wie ein genialer Zauber im Mund. Es braucht kein Fleisch als Geschmacksträger. Ich hab letztes Jahr neu entdeckt, was Zucker und Salz für ne geniale Kombi in der richtigen Menge sein können. Stichwort Feta und Süßkartoffeln…
        Bzgl. des Fisch/Meergeschmack probier ich demnächst mal Algen aus. Ich vermiss den Meergeschmack.

  5. Das Veggie-Bolognese von Aldi ist auch sehr lecker. Gibt’s allerdings nur ganz selten. Vermutlich besteht da ein Zusammenhang – denn immer wenn ich hinkomme und es zufällig vorfinde, trage ich auch so viel wie möglich davon nach Hause :-)
    Zum Grillen haben sich bei uns die vegetarischen Grill-Maultaschen von Bürger etabliert, die kommen mit einer sehr aromatischen Marinade daher und haben sich in nur einer Saison viele Freunde gemacht.

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