Hornbrille: Check. Jutebeutel: Check. Interview: Check.

Hornbrille Check Jutebeutel Check Rennrad Check

Im Sommer 2011 konnte man binnen einer relativ kurzen Zeit ziemlich viele dieser Hornbrille: Check. Jutebeutel: Check. Rennrad: Check.-Sticker in Frankfurt entdecken. Ich fand die seinerzeit ganz witzig, zum einem wegen den Bezug zum immer wieder mal als hip tituliertem Nordend, da ich zumindest dort die ersten und bis heute meisten Exemplare entdeckte, zum anderen, weil mir die gewählte Art der Formulierung von einer auf Twitter immer wieder aufschlagenden Tweetform bekannt war, wobei dort das „Check“ auch alternativ als [✓] dargestellt wird.

Über Loimi Brautmann (Like Offenbach, OF loves U) entstand der Kontakt zu den Machern und somit die Möglichkeit, die eine oder andere Frage loszuwerden.

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Was war ausschlaggebend zur Thematisierung von Hipstern? Hat Dich das Thema Hipster zuvor irgendwie (positiv oder negativ?) beschäftigt und mündete irgendwann in dieser Aktion mit den Stickern oder war das eher einfach eine spontane und schnell umgesetzte (Spaß-)Aktion und ist gar nicht so in dem Streetart-Kontext zu sehen? 

Das alles hat angefangen, als wir uns den Bansky Film „Exit Through The Gift Shop“ im Pupille-Kino in Bockenheim angeschaut haben. Ich glaub‘ das war Ende Juli 2011 oder so. Jedenfalls hatte ich aus irgendeinem Grund ein paar Promo-Sticker von einem Freund dabei und die haben wir dann nach der Vorstellung angefangen wahllos um die Uni herum zu verkleben. Das hat Spaß gemacht. Aber wie genau diese Idee mit dem Hornbrille: Check, Jutebeutel: Check und Rennrad: Check aufkam, weiß ich gar nicht mehr so genau. Allerdings… an meiner Uni laufen ziemlich viele, ziemlich coole Leute rum. Vielleicht die Art von Mensch, die man Hipster nennen würde, was weiß ich. Ein paar Freunde von mir haben den Sticker anfangs auch Anti-Hipster-Sticker genannt, aber ich weiß nicht, ob das so stimmt. Wir sind ja keine Hipsterhasser. Das Ding ist.. es fuckt einfach nur ab, wenn ich – zum Beispiel – Kunststudenten sehe, denen offensichtlich ihr Styling und ihre Klamotten wichtiger sind als die Kunst, die sie machen. Ich mag es nicht, dass diese Menschen denken sie seien irgendwie cooler oder individueller als andere. Im Endeffekt sind diese Menschen nicht besser, als die Anzugträger, über die man so gerne herzieht. Kunststudenten sehen auch alle gleich aus, irgendwie. Die richtig guten… die Kunststudenten, die echt gute Kunst machen, würde man vom Äußeren eher für Maschinenbau- oder BWL-Studenten halten. Aber was sag‘ ich. Soll doch jeder machen was er will, weißte? Soll doch jeder über die Sticker denken, was er will.

Kann ja Zufall sein, aber: Zur selben Zeit sind auch eine Menge andere Sticker aufgetaucht, absolut selbes Format- abgebildet ist ein Haus mit aufgeklappten Dach. Ist es auch von Dir und falls ja, was hat es zu bedeuten?

Nein, die Sticker waren nicht von uns.

War der :check-Sticker eine einmalige Aktion oder warst Du bereits in der Vergangenheit anderweitig aktiv und/oder wirst Du künftig wieder etwas in dieser Richtung machen?

Zuerst einmal ist es nicht „ich“, sondern „wir. Wir sind zu dritt. Und ja, mit Sicherheit wird es da noch weitere Aktionen geben. Die :check-Sticker gehen uns gerade aus, doch wir haben schon die sog. Slavebook-Sticker am Start und stickern diese auch schon fleißig. Die wird man bestimmt in nächster Zeit an dem ein- oder anderen Stromkasten in Frankfurt sehen können. Darüber hinaus haben wir im September letzten Jahres eine Treppe in der U-Bahnstation Höhenstraße gemacht. Das war ein 1981 Donkey Kong Videogame-Motiv und auch das erste mal, dass wir wirklich etwas „gebombt“ haben.

Die Stadt hat das aber jetzt schon wieder weggemacht, deshalb müssen wir jetzt neuen Zeug raushauen. Es wird bestimmt noch den ein- oder anderen Sticker geben, aber das Endziel ist auf jeden Fall Pigmentfarbe, große Sachen, Dinge zerstören und so weiter. Irgendetwas, das bleibt.

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Die Stadt hatte das Donkey Kong-Werk erstaunlicherweise extrem schnell entfernt. Echt schade, fand das mit das Genialste in  Sachen Streetart, was ich bisher in Frankfurt gesichtet hatte. Inwiefern interessierst Du Dich generell für Streetart?

Ganz ehrlich, so wirklich interessiere ich mich nicht mal für Streetart. Die anderen beiden Affen schon mehr. Was Banksy und Co. machen ist teilweise schon krass, manche leben ja sogar davon. Aber für uns Affen ist es einfach Hobby, denke ich. Wenn wir damit – irgendwie – etwas bewegen können, umso besser. Auch wenn es nur ein Hipster ist, der irgendwann mal einen unserer Sticker sieht, an sich herunter sieht und in Tränen ausbricht. Das wäre wunderschön.

Gibt es in Sachen Streetart & Graffiti in Frankfurt, aber auch weltweit, Künstler, Werke oder Aktionen, die Dir besonders gut gefallen (haben)? Und magst Du eine bestimmte Form der Straßenkunst besonders? 

Wie gesagt, wir kennen uns in Sachen streetart nicht mal so aus, allerdings habe ich persönlich den meisten Spaß an kontroversen, provokanten oder wirklich obszönen Sachen. Wenn z.B. einfach mal ein erigierter 2-Meter Penis aus der Wand kommt oder diese Regenbogenkreuzungen in Berlin. Irgendetwas, über das sich die Leute aufregen.

Manche Leuten regen sich ja darüber auf, dass streetart – egal in welcher Form, ob Sticker oder Grafitti – letztendlich den Steuerzahler kostet. Stimmt ja auch, aber genau so kostet es den Steuerzahler, wenn die Stadt Millionen ausgibt, um die Zeil zum x-ten mal zu modernisieren. Weißt du, was ich meine? Vielleicht wäre das Geld woanders besser angelegt. Aber die Leute aber stellen keine Fragen. Sie schlucken einfach ohne sich Gedanken darüber zu machen, ob das vielleicht irgendwann Konsequenzen haben könnte.

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Die Grenzen zwischen Werbung und Streetart sind manchmal auf anhieb schwer auszumachen. Was einen an Streetart denken lässt, entpuppte sich schon manch ein mal als schnöde Werbung, die erst im Nachlauf, einer zweiten Welle, das Produkt oder die Dienstleistung thematisierte. Manchmal hingegen ist es von vorneweg ganz klar, wie z.B. die Aktion der Kunsthalle Schirn zur Kienholz-Ausstellung, FIAT oder auch ganz aktuell der Binding-Brauerei, die allesamt mit der gleichen Masche, Stencils auf die Gehwege der Stadt zu sprühen. Was hälst Du davon, daß Streetart-Methoden zu Marketingzwecken eingesetzt werden?

Keine Ahnung. Zumindest ist es besser, als einfache Werbung im TV oder im Radio. Auf Dauer wird es darauf hinauslaufen, Stichwort: Videomapping. So Sachen.. Videomapping, LED-Wände, Interaktive Werbung im öffentlichen Raum. Das alles wird in den nächsten Jahren zunehmen. Wenn ich mir überlege.. vor 10 Jahren hatte ich mein erstes Handy, das war noch ein Nokia 3210. Jetzt lauf‘ ich mit ’nem iPhone durch die Gegend, das praktisch ALLES kann. Weißte?

Streetart generell sollte jedoch meiner Meinung nach nicht FÜR etwas oder jemanden sein. Es sollte nerven, Steuergelder kosten, irgendwie auffallen und am besten noch stinken. So wie wenn ein Hund vor den REWE kackt.

Wer den Assrapeapes auf den Spuren bleiben möchte, kann dies jetzt hier via Twitter machen. Ich für meinen Teil bin gespannt, was es künftig von ihnen auf den Straßen zu entdecken gibt und bedanke mich an dieser Stelle bei allen Beteiligten, die zum kleinen Interview hier beigetragen haben.

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