Eintracht Frankfurt: Spieltage 10-19 (Saison 2011/12)

Mit dem 9. Spieltag in der 2. Bundesliga habe ich zunächst einmal aufgehört in gewohnten Abständen kurz über die Spiele und den Status Quo der Eintracht zu schreiben.  Denn irgendwie habe ich mich dabei erwischt, daß ich den Spielen der Eintracht nicht mehr so stark entgegen fiebere und daß die sonst immer vorhandene Grundspannung und Aufregung größtenteils irgendwie abhanden gekommen sind. Zu oft habe ich während ich ein Spiel am TV verfolgte andere Dinge getan, was einst nahezu undenkbar gewesen wäre. Selbst bei Treffs mit Freunden und Bekannten zum gemeinsamen Schauen war die Aufmerksamkeit zuweilen deutlich mehr dem gemeinsamen Geschnatter zugewandt, statt dem Spielgeschehen auf dem Screen.

Es scheint, als seien bis auf drei bis vier weitere Mannschaften keine wirklich nennenswerten Gegner in in der 2. Liga vertreten- zu stark das Leistungsgefälle- so daß die Eintracht zumeist den Platz als Sieger (oder zumindest nicht als Verlierer) verlässt und somit eine gewisse Langeweile (des Erfolgs) eintritt, die zudem auch nicht mit schönem und attraktiven Fußball garniert wird. Eher das Gegenteil ist der Fall- meines Erachtens ist bei schneller Rollenverteilung und Führung der Eintracht zu oft zu schnell die Luft aus dem Spiel der Frankfurter. Ob gewollt oder nicht besser gekonnt und Gegner dann auch mal wach auf dem Platz und im Spiel angekommen vermag ich bis heute noch nicht so ganz zu beurteilen. Dennoch muß man sagen, daß nach der Vorrunde und den ersten beiden Spielen der Rückrunde die SGE nicht etwa mit großem Abstand auf Platz 1 thront, sondern sich gerade so als Tabellendritter in die Winterpause verabschiedet hat, denn nachdem man bis zum 26. November ungeschlagen und zwischenzeitlich Tabellenführer war, sprangen in den letzten vier Spielen nur 1 Sieg, 1 Unentschieden und 2 Niederlagen heraus. Überflüssig zu erwähnen, daß die erfolgten Niederlagen total überflüssig waren und die Eintracht diese Spiele niemals als Verlierer hätte beenden dürfen- Kategorie: Man kann sich nur selber schlagen.

Das Budget der Mannschaft, z.B. höher als das des Erstligisten aus Kaiserlautern, gegen den man unglücklich im DFB-Pokal ausschied, spiegelt sich weder in Platzierung noch in geziegter Leistung und Qualität auf dem Platz wieder. Prinzipiell ist mir das in dieser Saison nicht so wichtig, Hauptsache am Ende steht der Wiederaufstieg, aber neutral betrachtet ist da noch nicht alles so, wie es sein sollte, müsste und könnte- bei aller Sympathie für den Trainer Veh und auch unter Berücksichtigung wie schnell und zusammengeflickt das Konstrukt „Eintracht Frankfurt 2.Liga“ zusammengeschustert wurde.

Ich hoffe die Winterpause wird zur Optimierung des Kaders genutzt, denn die unmittelbarer Mitbewerber werden nach Winterpause sicher nicht weniger stark ihre Ambitionen unterstreichen wollen. Bei Fortuna Düsseldorf bin ich mir ziemlich sicher, daß sie es schaffen werden, bis zum letzten Spieltag oben mitzumischen und das nicht nur wegen eines Röslers und Beisters in ihren Reihen, sondern weil man mit jedem Spiel sieht, daß da vieles zusammenpasst und auch ein gutes Kollektiv am Start ist.

32 der 41 Tore (Zweitbester Sturm), die für die Eintracht derzeit auf der Habenseite stehen, entfallen auf fünf Spieler: Meier (8), Idrissou (7), Gekas (7), Hoffer (5) und Köhler (5). Die meisten Vorlagen die zu Toren verwertet wurden fallen auf Meier (6) und Schwegler (5). Nimmt man Oka Nikolov (Drittwenigsten Gegentore) noch dazu stellt man fest, daß die verbliebenen Protagonisten der Abstiegssaison wieder (halbwegs) auf Kurs sind und ihren entscheidenden Beitrag zum Projekt Wiederaufstieg leisten. Was der SGE vielleicht noch fehlt, sind richtige Typen, wie man sie beim Rivalen aus Düsseldorf bereits in den Reihen hat. Bei der Eintracht fehlt mir so ein wenig die Arschtreter- und Arschlöcher-Fraktion und ich meine damit nicht so künstlich aufgeblähte Fatzken wie einst Franz, sondern welche die´s einfach wissen wollen und geil auf Erfolg sind, gerne auch mit einem Hauch Leader-Aura. Sicher fallen solche Typen nicht von Himmel, aber selbst Jogi´s Bübchentruppe wirkt mittlerweile wilder als all die Meiers, Köhlers, Hoffers, Jungs und Nikolovs- und das sagt ja auch schon einiges aus.

Nichtsdestotrotz bin ich nicht unzufrieden mit dem, was bisher geleistet wurde, denn selbstverständlich ist das alles nicht- ein großer Name allein gewinnt keine Spiele und diese Truppe hat sich alles in allem mehr recht als schlecht präsentiert- aber einen Grund, einfach so wie bisher weiterzumachen sehe ich nicht, da muß, das befürchte ich zumindest, für die verbleibenden 15 Spiele noch eine Schippe drauf gepackt werden, wenn man am Ende einen direkten Aufstiegsplatz belegen möchte. Luft nach oben sehe ich besonders bei der Abwehr: Exemplarisch dafür erst zuletzt die Gegentore bei 1860 München zum 0-1 und das 0-2 bei St. Pauli. Selbst in Überzahl auf engstem Raum schafft es der einzige gegnerische Spieler nicht nur an den Ball zu kommen, sondern auch das Tor zu machen. Kein taktisches Faul, kein schneller (körperlich wie auch gedanklich) Spieler der den (ballführenden) Gegner stellt, keine Absprache und Hauptsache erstmal orientierungsloses Nach-hinten-rennen. Schildenfeld zu langsam und kein guter Kicker, Anderson mittelmäßig wie auch Jung, wie er es eigentlich auch letzte Saison war, wo er m.E. immer zu gut weggekommen ist, Djakpa ein Aktivposten, aber auch einer, wo man auf alles gefasst sein muss…

Äußerst positiv finde ich, wie die Mannschaft auch bis in die Nachspielzeiten hinein versucht, noch Spiele zu drehen und Tore zu erzielen, was ja sogar einige male gelang- auch wenn ich hoffe, daß die Truppe nach der Winterpause auf solchen Aktionismus verzichten kann und schon vorzeitig für klare Verhältnisse sorgt- ich glaube mit ein wenig Feintuning sollte das machbar sein und mit Armin Veh hat Eintracht Frankfurt einen Trainer, dem man einen erfolgreichen Abschluß der Zweitliga-Tour zutrauen kann.