Hausbesetzung in Frankfurt

Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum für Studierende„: Am 20.10.2011 appellierte der Präsident der Goethe-Uni, Prof. Werner Müller-Esterl, an die BürgerInnen Frankfurts zu prüfen, ob man nicht unbürokratisch und kurzfristig preiswerten zusätzlichen Wohnraum für die Studierenden zur Verfügung stellen können, da der Wohnungsmarkt in Frankfurt dieser Situation in vielerlei Hinsicht nicht gerecht wird.

Und so beschlossen Studierende noch am selben Tag das Haus in der Schumannstraße 60 im Frankfurter Westend zu besetzen um mit dieser Aktion auf den Widerspruch zwischen Mangel an bezahlbaren Wohnraum und dem hohen Leerstand von Gebäuden in Frankfurt aufmerksam zu machen.

Noch in der selben Nacht wurde mit einem gar nicht mal so klein wirkendem Aufgebot das Haus geräumt– und über das „wie“ wird vermutlich noch zu reden sein, zumal Vorwürfe bezüglich übertriebener Härte im Raum stehen, – keine Seltenheit bei Polizeieinsätzen in Frankfurt, Stichwort Kurth oder Schwundeck.

Das Video von Janina Vogel auf Vimeo gibt es >> hier << zu sehen, einen Audioboo zur gestrigen Demo gegen die Räumung des besetzten Hauses gibt es an >> dieser << Stelle.

Jeder der in Frankfurt mal ernsthaft auf Wohnungssuche war, wird sich sicher wundern, daß in Frankfurt offenbar immer noch verrotzte Buden für unverhältnismäßig viel Geld angeboten werden, halbwegs gescheite total überteuert sind und das weiterhin massig ungenutzter Wohnraum besteht, der vor sich her vegetiert- traurig, daß Frankfurt diesbezüglich immer noch nicht aus den Schlagzeilen rauskommt, denn das geht ja nicht erst seit gestern so, sondern schon seit einigen Jahren.

Notquartiere und Matratzenlager(!) jenseits irgendwelcher Bilder in den Nachrichten, die von Unglücken weit entfernter Orte berichten, sondern direkt vor der Haustür, haben mich zugegebenmaßen überrascht- überfüllte Unis kennt man, aber daß sich das mit den Wohnungsmarkt dazu so extrem verhält, hatte ich (zumindest in dieser Form) so nicht auf dem Schirm- darf bei der vorangetriebenen Gentrifizierung der letzten Jahre aber auch nicht wundern. Unglaublich, wie peinlich und was für ein schlechtes Bild das auf die Stadt Frankfurt wirft.

Übrigens: „Die Koalition steht für das Ziel, dass allen Bevölkerungsschichten in Frankfurt ausreichender und bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung gestellt wird.“ (Koalitionsvertrag 2011- 2016 der CDU und Die Grünen der Stadt Frankfurt am Main)

11 Kommentare

  1. Es gibt ein Stadt in den alten Bundesländern, da zelteten die Erstsemester bis in den Dezember hinein!!!

    • Ist mir alles völligst neu, aber egal wo: Studium anbieten und kein oder nicht genug bezahlbaren Wohnraum anbieten zu können ist schon traurig.

      • Ich würde es nicht nur traurig nennen. Für mich ist das ein weiteres Armutszeugnis der Bildungspolitik in Deutschland

  2. guter beitrag; während irgendwo frankfurt occupied wird, hats in der hallgarten oben einen neuen makler. wer will: erstberatung um die 700 euro, stundensatz über achtzig und provision 2,38%.

    nordend.

    • Hab neulich ein Autoabstellplatz für 100€-Aushang gesehen. Fand das auch irgendwie krass. Ich glaube da entstehen völlig neue Märkte. In Bornheim und dem Nordend gilt es nicht mehr in Wohnimmobilien, sondern in Abstellplätze zu investieren. Wir sollten dazu eine Firma gründen. Also nur um uns künftig hier auch die modernisierten Hütten leisten zu können.

  3. puh, das video ist echt krass. erinnert mich aber auch an so manchen polizeieinsatz beim fußball.

    wohnungssuche in frankfurt – ein trauriges kapitel. wenn ich zum teil die mietpreise sehe, dann kann ich die gar nicht mehr fassen.
    achja, falls hier ein vermieter mitliest, der noch nicht exoribitante mieten verlangt, der nicht auf der suche nach den DINKs dieser stadt ist: suche 4-zimmerwohnung im nordend oder bornheim, gerne mit balkon oder garten. bei preisen über 900 euro bekommen sie mich leider nicht als netten mieter. pech gehabt.

    • Zugegeben: „DINK“ musste ich ja erst mal googeln… Was es alles gibt… 900€? 4Zimmer? Anspruchsvoll wenn´s „warm“ gemeint ist. Oder kriegt man das hier im Kiez mittlerweile sogar „kalt“ nicht mehr?

      • 900 warm wäre klasse, gibt es auch sicher noch, aber solche angebote gehen wohl eher unter der hand weg. nein, leider sind die angebote im moment eher 4-stellig und ich staune auch nicht mehr, wenn ein angebot mit einer 3 anfängt.
        ich hoffe einfach weiter. auf diesen kleinen moment zufall, dass man zur gegebenen zeit am richtigen platz ist und eine freie und bezahlbare (traum-)wohnung angeboten bekommt ;-)

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