Eintracht Frankfurt: Spieltag 33 der Saison 2010/2011

Nach einer durchfeierten Nacht noch mit Freunden Richtung Mainufer gezogen. Ein laues Lüftchen weht, wir liegen auf der Wiese, der Himmel wird langsam heller und die Vögel sind mit Ihrem Gezwitscher auch schon am Start. Alle sind zufrieden und gut gelaunt. Der Sommer hat in Frankfurt Einzug gehalten und die letzten Bierflaschen werden geöffnet. Es gibt allen Grund zu feiern, denn die Frankfurter Eintracht hat im Samstag-Nachmittag-Spiel die wichtige Partie gegen den 1.FC Köln überraschend hoch mit 4:0 gewonnen. Fast in einer Kopie des kläglich gescheiterten Torschußversuchs vom freistehenden Gekas im Heimspiel gegen die Bayern gelingt dem Chancentod die wichtige 1:0-Führung. Auch dieses mal säbelt Gekas eigentlich am Ball vorbei, hat aber Glück, daß die scharfe Hereingabe von Jung an sein Standbein prallt und von dort aus ins Tor springt, woraufhin sich Gekas so feiern ließ, als hätte er genau so und nicht anders, den Ball treffen wollen. Caio gelingt wenige Minuten später das, was den Hobbykickern in den Halbzeitpausen-Gewinnspiel der Heimspiele selten gelingt- er drescht den Ball von der Mittellinie ins Tor, ohne daß der Ball vorher aufdotzt. Das 3:0 schießt der Kapitän höchstpersönlich und schenkt zu seinem Abgang den Fans noch ein Abschiedstor. Den Schlußpunkt setzt Altintop mit seinem ersten Saisontor, nachdem Podolksi nach einer Ecke beim Rettungsversuch mit dem Kopf den Ball auf den Hinterkopf von Altintop „klärt“und von dortaus postwended und zu schnell für den FC-Keeper im Netz zappelt. Die Fans stürmen nach Spielende das Feld um ein wenig mit ihrer Mannschaft zu feiern, zumal auch Wolfsburg, durchaus überraschend, zu Hause seine Partie gegen den 1.FC Kaiserslautern verlor und die Eintracht nun erst einmal wieder auf Platz 15 ist.

Dann bin ich aufgewacht. Allerdings bei mir auf der Couch und nicht etwa am Mainufer. Vögel zwitschern auch keine, höchstens imaginär über meinem Kopf. Neben mir eine angebrochene Tüte Chips und vier leere Flaschen Römer Pils. Ich greife zu den Fernbedienungen, schalte Receiver und TV-Gerät an und schaue schlau über Fußball daherredende Menschen zu. Die Erinnerungen kommen wieder. Tatsächlich sind nach Spielende Fans, Anhänger, Ultras, was weiß ich wer, auf das Spielfeld „gestürmt“ und haben ihren Unmut irgendwie freien Lauf gelassen oder was auch immer. Kann man sich ja mal hier anschauen (Videolink).

Die Spieler sind schnell in ihre Kabinen verschwunden, vermutlich so schnell, wie man sie in den 90 Minuten zuvor nicht hat laufen sehen- denn die Eintracht hat erneut eines der unendlich vielen zum Endspiel erklärten Spiele in den Sand gesetzt und sein letztes Heimspiel gegen die „Übertruppe“ vom Rhein mit 0:2 verloren. Und das ist das eigentlich Deprimierende. Während Mainz vergangenen Samstag noch ansehnlichen Fußball gespielt hat, war die Partie gegen Köln wieder eines von der Sorte, wo ein alles andere als übermächtiger Gegner viel zu einfach die Punkte aus Frankfurt mitnimmt. Nur der Kölner Unfähigkeit ist es zu verdanken, daß weitere Chancen ausgelassen wurden und das Spiel nur mit zwei Toren Unterschied abgegeben wurde. Traurig, mal wieder, gegen was für Rumpelfussballer man verloren hat.

Kurioserweise ist die Eintracht immer noch nicht abgestiegen, auch wenn sie mittlerweile auf Platz 17 durchgereicht wurde- eine theoretische Chance besteht ja noch, sofern andere Mannschaften zugunsten der Eintracht spielen und jene selbst beim neuen deutschen Meister in Dortmund mind. Unentschieden spielt- bei gleichzeitiger Niederlage von Gladbach. Andererseits, Wolfsburg hatte der Eintracht den Relegationsplatz ja bereits gestern auf einen Silbertablett serviert… Glaube und Hoffnung haben nun ausgedient- jetzt kommt die Zeit der Wunder. Früher kannte man sich damit in Frankfurt damit aus, mal sehen was der letzte Spieltag hergibt.

Die Eintracht war übrigens gestern bei Twitter gleich zwei mal in den #Trends vertreten. Einmal mit #eintracht und sogar mit #sge. Natürlich weniger wegen ihrer Spielkünste, als wegen dem, was nach Spielende geschah. Mit vielen Wortmeldungen von Leuten, die zum Thema Fußball und Eintracht sonst eher nicht auffallen und entsprechend „gehaltvoll“ waren. Mal sehen was die Presse schreibt:

Vielleicht war es ein Mix an Frust, Ärger, Enttäuschung, Trauer und der Fans/Polizei/Verein- „Sache“, die sich vom Mainz-Spiel bis zu gestrigen Tag ergaben, daß es zu dem geführt hat, was gestern passierte. Nach einer Tasmania Berlin´schen- Rückrunde, bei der man schon den Verdacht hegen muß, daß diese die Normalform der Eintracht zeigt und die Leistung der Vorrunde der eigentliche Ausrutscher war, habe ich Verständnis für solche Geschehnisse- immer solange keine anderen Besucher oder Fans  Schäden davon tragen. Schämen muss man sich als Eintracht-Fan deswegen nicht. Eher wegen der Leistung der Mannschaft.